Die Regionalbanken-Gruppe (RBA) und die Kantonalbanken haben ein gemeinsames Problem: Ihre Vertreter appellieren wie Nationaltrainer Köbi Kuhn gerne an den Familiensinn, doch die Mitglieder des Verbundes sind so verschieden, dass sie sich nur schwer zusammenraufen können. Die Allianzen werden immer verworrener. Und die extremen Grössenunterschiede machen Kooperationen zunehmend schwieriger.

Was Wunder werden nach der Bank Linth erneut zwei Familienmitglieder bei der RBA-Gruppe abtrünnig: Die AEK Thun und die Regiobank Solothurn kündigen per Ende 2005 den Aktionärsbindungsvertrag der RBA-Holding. Das schürt Konflikte und bringt die Regionalbanken in eine immer verzwicktere Lage: Je weniger Institute nämlich die Informatik-Plattform Ibis nutzen, desto teurer könnte die Abwicklung einst werden.

Konfliktherd Austrittsentschädigung

Die RBA-Führung hat denn auch alles Interesse daran, dass die Gruppe zusammen bleibt. Laut Vertrag müssen Abtrünnige eine Austrittsentschädigung in der Höhe von 0,25% der Bilanzumme bezahlen. Für die AEK Thun sind dies 5,6 Mio Fr. und für die Regiobank 3,7 Mio Fr. Die RBA-Gruppe beharrt auf der Zahlung, während es die beiden Banken anders sehen: Da per 1. Juli ein neuer Vertrag in Kraft trete, bestehe das Recht auszutreten. Für die RBA-Leitung wiederum handelt es sich bloss um eine Vertragsrevision, was eine Austrittsentschädigung nicht obsolet mache. Juristisch sei diese Sicht klipp und klar.

Weitere Banken liebäugeln mit dem Absprung

Seit Jahren basteln die Kantonal- und Regionalbanken an Kooperationen. Doch beiden Gruppen ist bis jetzt nicht der grosse Wurf gelungen. Meist sind nur Kompromisse herausgekommen. Es gibt dabei Banken wie Valiant, die aufs Tempo drücken, während andere sich an die Unabhängigkeit klammern.

Besonders heftig wuchert der Spaltpilz innerhalb der RBA-Gruppe mit rund 70 Instituten: Die grossen Häuser haben sich zu den Initiativbanken zusammengetan, 31 zum Vertragskonzern Clientis, dritte zur lockeren Gruppe Spirit. Dabei sind die Spirit-Banken nicht einmal unter sich gleicher Meinung: Einige liebäugeln angeblich damit, der AEK und der Regiobank zu folgen, andere wollen bei der RBA bleiben.

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Ohnehin üben sich die Spirit-Banken in vornehmer Zurückhaltung. Unabhängigkeit ist ihr höchstes Gut. Dafür nehmen die Institute sogar Kostennachteile in Kauf. So konnten Valiant und Clientis dank höherer Volumen und gemeinsamer Bedürfnisse beim Informatikunternehmen RBA-Service billigere Konditionen aushandeln. Das wird den Zauderern der Spirit-Gruppe erst gelingen, wenn sie sich zu einem konkreten Projekt zusammenraufen. Sololäufe sind somit teurer, und dies zum Schaden von Kunden und Aktionären.

Auch die AEK Thun und die Regiobank Solothurn gehen finanzielle Risiken ein, indem sie auf eine neue Informatikplattform umsatteln. AEK-Chef Remo Häcki ist aber optimistisch: Zusammen mit der Regiobank habe man eine Lösung im Auge, die moderner sei als die Ibis-Informatik und nicht teurer zu stehen komme. Marktbeobachter sehen es skeptischer: So gross und verlockend sei die Auswahl gar nicht.

Bei den Kantonalbanken ist die Lage nicht einfacher. Seit Jahren träumen auch deren Vertreter von Kooperationen. Einiges hat funktioniert wie die Anlagegesellschaft Swissca, viele Pläne haben sich aber zerschlagen. Der neue Präsident des Verbandes, Paul Nyffeler, lässt sich davon aber nicht beirren. Ihm schwebt eine Zusammenarbeit der Kantonalbanken im Bereich Private Banking vor. Allerdings ist auch ein solches Projekt bereits einmal gescheitert. Die St. Galler Kantonalbank machte den angrenzenden Instituten Avancen, um im Private Banking gemeinsam vorzugehen. Doch diese winkten ab.

Wie RBA ist der Kantonalbankenverbund immer rissiger geworden. Das muss aber nicht schlimm sein, denn möglicherweise haben diverse Banken ausserhalb der traditionellen Verbünde ein besseres Auskommen. Es könnten nämlich Banken zusammenarbeiten, die von der Grösse zusammenpassen. Die Unterschiede zwischen Klein und Gross sind jedenfalls bei beiden Gruppen riesig. Denn was haben die Kantonalbanken von Zürich und Appenzell gemeinsam?

Mächtige Valiant

Bei den Regionalbanken löst vor allem die mächtige Valiant Abwehrreflexe aus. Diese hat die Zeichen der Zeit erkannt und integriert fleissig Banken. In der RBA-Holding hat die Berner Bank zusammen mit den Clientis-Instituten eine Stimmkraft von 64,8%. Zudem könnten in Zukunft Territorialkonflikte ausbrechen: Vor allem die auf Skaleneffekte erpichte Valiant könnte anderen Regionalbanken noch ins Gehege kommen.

Die Erkenntnis der Grössenunterschiede hat auch die Kantonalbanken des AGI-Informatik-Verbundes auseinandergetrieben. Die kleinen Institute aus Glarus, Appenzell, Ob- und Nidwalden waren es leid, Appplikation zu finanzieren, die sie weniger benötigten. Sie wechseln zur Finova-Plattform. Die grossen AGI-Institute aus Luzern, St. Gallen, Freiburg und dem Thurgau machen alleine weiter. Aber wer weiss: Vielleicht trifft man sich wieder, sei es mit RBA-Instituten oder anderen Kantonalbanken. Jedenfalls nutzen die Kantonalbanken von Schaffhausen, Schwyz und Uri bereits Finova.

Kantonalbanken (in Mio Fr.)

Die Grössten Bilanzsumme

Zürcher Kantonalbank 76709

Banque Cantonale Vaudoise 34252

Basler Kantonalbank 22751

Berner Kantonalbank 20117

St. Galler Kantonalbank 18913


Die Kleinsten

Obwaldner Kantonalbank 2463

Nidwaldner Kantonalbank 2397

Urner Kantonalbank 1927

Banque Cantonale du Jura 1732

Appenzeller Kantonalbank 1702

RBA-Banken (in Mio Fr.)

Die Grössten Bilanzsumme

Valiant Bank1 9570

Luzerner Regiobank1 4095

IRB Interregio Bank1 3390

AEK Thun 2247

St. Gallische Creditanstalt 1638


Die Kleinsten

Obersimmentalische Volksbank 122

Clientis Spargen. Mosnang 117

Clientis Ersparnisk. Erlinsbach 103

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Clientis Caisse de Prez 90

Caisse de Epargne de Siviriez 83

1 Fusionieren zur Valiant Bank