Einige Teile aus der Sammlung seien gerade an einer Ausstellung im historischen Museum in Luzern, weiss Lahco-Geschäftsführerin Renate Millauer. Original-Badehosen zwischen 1950 und 1980 sind heute rar und dokumentieren ein Stück Schweizer Textilgeschichte. Nun gibt es die zeitlosen Bikinis, Badekleider und Badehosen wieder zu kaufen. Den Relaunch der Marke vor fünf Jahren hat allerdings nicht ein Schweizer gewagt, sondern eine gebürtige Österreicherin.

Die Textildesignerin, die zuvor für Hanro und Schiesser gearbeitet hatte, kam wegen ihres Mannes in die Schweiz. Eigentlich wollte sie sich mit einem eigenen Label selbstständig machen, verwarf den Plan aber bald wieder als zu risikoreich. Durch ein Inserat stiess sie auf den Namen der Traditionsmarke. Zuvor hatte Millauer von Lahco noch nie gehört. Sie fand die Marke aber ansprechend, sah ihr Potenzial und kaufte die Firma.

Damals hatte Lahco die besten Zeiten schon hinter sich. Was 1922 von Dr. Lahmann & Co. (Lahco) in Baden als Hersteller von Feinripp-Unterwäsche begonnen hatte, blühte in den 1960er Jahren zu der schweizerischen Top-Adresse für elegante Bademode auf. Kennzeichen der Herrenbadehose war das kleine Münzentäschchen. Sein Reissverschluss konnte mit einem metallenen Dreieck zugezogen werden, auf dem der schräg gestellte Schriftzug rot eingraviert war. Der geschwungene Schriftzug dient heute noch als Logo.

In den Glanzzeiten von Lahco, in den 1950er Jahren, wurden verschiedene Künstler und Grafiker engagiert, um die edlen Reklameplakate zu gestalten. Bis zu 200 Näherinnen arbeiteten in den besten Zeiten für die Marke. Aufgrund von Strukturveränderungen in der Textilindustrie ging es im Laufe der 1980er Jahre mit der Firma bergab. Millauers Vorgänger, der das Badehosenlabel 1992 übernahm, konzentrierte sich auf trendige Modelle für Junge.

Spurensuche im Brockenhaus

«Zu jener Zeit war von Lahco nicht mehr viel übrig. Die Kernkompetenz war schlicht untergegangen», sagt Millauer. Verschwunden war auch das Archiv mit den alten Modellen. Als man sich mit Hilfe einer Werbeagentur darauf einigte, den «Retro-Chic» wieder aufleben zu lassen, musste man Originalteile auf gut Glück in Brockenhäusern zusammensuchen. So mühsam das war, Millauer wusste, dass die Rückbesinnung auf die Wurzeln «der einzige Weg» war.

Der Mut der Geschäftsführerin scheint sich zu lohnen: Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Millauer mit einem Umsatz von 1,3 Mio Fr. erstmals schwarze Zahlen. Rund 35% des Umsatzes erwirtschaftet Lahco mit der Classic-Kollektion. Sie lehnt sich an die nostalgischen Modelle an. Gegen das Prädikat «verstaubt» wehrt sich Millauer: «Es sind nicht einfach Kopien von damals, sondern zeitlose Teile, die bezüglich Passform und Material der heutigen Zeit angepasst sind. Manchmal ist es eine Gratwanderung.» Millauer ist gemeinsam mit einer freischaffenden Textildesignerin für das Design der klassischen Linie verantwortlich. Lahco greift Schnitte von früher auf, setzt diese jedoch in schneller trocknenden Hightech-Materialien um.

Auf knappe oder einengende Passformen wie Tangas wird verzichtet. Auch grelle Farben sucht man bei der Classic-Kollektion vergeblich. Dagegen ist ein sanft verwaschenes Himbeerrot oder ein klassisches Marineblau vertreten. Mit zurückhaltenden Streifen, Punkten oder Karos wird eine ruhige Optik geschaffen. Die charakteristischen Münzentäschchen mit Reissverschluss gibt es seit dem Relaunch der Marke auch bei einzelnen Damenmodellen.

Swiss made sehr gefragt

Lahco setzt bewusst auf Swissness. Millauer erklärt: «Der Kunde schätzt das. Es darf auch etwas mehr kosten, aber es muss hier produziert sein.» Die Classic-Kollektion wird in der Schweiz gefertigt. An einer Wand der Produktionsstätte in Glattbrugg baumeln Schnittmuster. Näherinnen sind gerade daran, die Prototypen für die Saison 2009 fertigzustellen. Ebenso «Swiss made» sind Zuschnitt sowie Nähen und Abfüttern der Münzentäschchen. Gemäss Millauer ist es leichter, den komplexen Arbeitsvorgang in der Schweiz zu belassen. Zu Lahco gehören zudem die sportlichere Linie Basic und die Marke Jeton, die eher trendbewusste Junge anspricht. Produziert werden diese Kollektionen in Hongkong und Slowenien. Laut Millauer sind alle drei Standbeine für das Überleben wichtig.

Für das meiste Aufsehen an Textilmessen sorgt hingegen die hochpreisige Classic-Kollektion: «Sie hebt sich einfach von anderen Produkten ab, was die Materialien und das Farbbild betrifft.» Jetzt will Lahco neue Märkte erschliessen, etwa Deutschland. Im Herbst wird das Label erstmals an einer Bademodemesse in Paris präsent sein. Der Aufbau der Marke daure leider etwas länger, als sie gedacht habe, räumt Millauer ein.

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