Der Streit zwischen Banken und ihren Kunden um Anlagegebühren hat nicht nur das Bundesgericht beschäftigt: Nach dem Urteil aus Lausanne von Ende 2012, das die Finanzinstitute zur Erstattung so genannter Retrozessionen verpflichtet, kam es zu zahlreichen Anfragen bei Banken-Ombudsmann Marco Franchetti.

350 Fälle gelangten zu Franchetti oder seinen Mitarbeitern. Oft hätten die Bankkunden angesichts der zahlreichen Medienberichte zu Retrozessionen und eines Konzerts verwirrender Expertenmeinungen bei der Schiedsstelle erst einmal um Rat gefragt.

Je nach Fall ist die Stelle aktiv geworden. Bei 85 schriftlichen Beschwerdefällen sei er an eine Bank gelangt, sagte Franchetti vor den Medien in Zürich. In bisher 68 Fällen habe die Bank dabei eingelenkt, also das Begehren des Kunden erfüllt oder einen Vergleich geschlossen.

Kein Serienfallverfahren

Die Ombudsstelle versteht sich als Vermittlerin und Schlichterin zwischen den Kunden und den Banken. Weisungsbefugt ist sie nicht. Bei den Retrozessionsanfragen sei es in der Regel um vier- oder fünfstellige Beträge gegangen, sagte Franchetti weiter. Die höchste Streitsumme habe 3,2 Millionen Franken betragen.

Für Franchetti ist klar, dass nach dem Bundesgerichtsurteil die Banken gegenüber Kunden mit einem Vermögensverwaltungsvertrag die Situation offenlegen und Gebühren aus Anlagegeschäften herausgeben müssen. Ein Serienfallverfahren für Retrozessionen hat Franchetti indessen nicht eingeleitet.

Die Fälle seien dafür von Bank zu Bank zu verschieden und die Vermögensverwaltungsverträge zu unterschiedlich ausgestaltet gewesen. Innerhalb von Banken seien «Mini-Serienfallverfahren» hingegen möglich gewesen, wenn das Schema der Verträge vergleichbar gewesen sei, sagte Franchetti.

2200 Fälle insgesamt

Die Häufung von Anfragen im vergangenen Jahr lässt sich dadurch erklärten, dass das Bundesgericht das Urteil im Oktober 2012 fällte und darauf in der Öffentlichkeit für grosses Interesse am Thema Retrozessionen sorgte. Im ersten Halbjahr 2014 sei die Zahl der Anfragen zu diesem Thema im Vergleich zum Vorjahr um über die Hälfte zurückgegangen, sagte Franchetti.

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Insgesamt behandelte die Ombudsstelle 2013 2178 Fälle, das sind 18 Prozent mehr als 2012. Laut Franchetti ist das mehr als der langjährige Durchschnitt, allerdings erreichen die Anfragen nicht mehr die Ausmasse der Finanzkrise: 2009 etwa hatte Franchettis Vorgänger Hanspeter Häni über 4000 Fälle zu bearbeiten.

Schraube angezogen

Zu einem wichtigen Thema für die Vermittler entwickelten sich 2013 auch Kunden mit Auslandstatus: Bei diesen haben die Banken wegen der internationalen Steuerkonflikte die Schraube angezogen: Höhere Gebühren, Einschränkung der Dienstleistungen oder Auflagen für eine Weiterführung des Kontos führten zu Beschwerden der Betroffenen.

Einige Institute schränkten für ausländische Kontoinhaber oder Kunden mit Wohnsitz im Ausland den Zugang zu den Konten ein, oder sie stellten die Geschäftsbeziehungen gar abrupt ein. Entscheid, mit wem sie Beziehungen unterhielten oder in welchen Märkten sie tätig seien, lägen bei der Bank. Franchetti äusserte aber auch Kritik: «Manchmal müssen wir feststellen, dass die Banken übertreiben.»

Durch Bundesrat gestärkt

Weiter sagte Franchetti, dass das Bankenregulierungsgesetz Fidleg, das sich derzeit in der Vernehmlassung befindet, gut für die Ombudsstelle sei: Der Bundesrat erkenne sie mit Fidleg als Schlichterin an und bestätige die Finanzierung durch die Banken. Das bewährte Modell werde gestärkt.

(sda/chb/moh)