Achtung: Wer aus Versehen einen Bullen – wohlverstanden ist hier das Tier gemeint – mit einem Geldsack niederstreckt, verliert einen Teil seines Vermögens. Wer dagegen einen Bären mit dem gleichen Wurfgeschoss erledigt, darf sich über ein paar zusätzliche Scheine freuen.

Das Spielprinzip des Gratis-Games «Stock-Blaster» ist simpel: Wer die Guten mehr verschont als die Bösen, rafft ein Vermögen zusammen. Zwar entspricht das wohl nur entfernt der Realität, aber es ist genau die richtige Auflockerung an einem harten Arbeitstag. Vor allem dann, wenn man etwas Handfestes gegen fallende Kurse tun will. Gleiches gilt auch beim wesentlich aufwendiger animierten PC-Spiel «Harry Buster». Hier versuchen Pleitegeier, Börsianer und Banker zu entführen. Wer das verhindern will – was nicht sein muss, da es durchaus Spass machen kann, zuzusehen, wie die Männchen in schwarzen Anzügen von den Raubvögeln weggeflogen werden –, wirft mit Tomaten auf die Flatterviecher. Mit dem Gemüse kann natürlich auch auf alles andere geschossen werden: Auf die ehrwürdigen Finanzplatz-Hallenwände, auf die Broker und auf die Kurs-Bildschirme. Zwar erreicht man damit sicherlich keinen Rekord an Punkten, und auch die Spieldauer wird dadurch drastisch verkürzt, aber es kann ordentlich Dampf abgelassen werden. Und das kostenlos. Das Game gibts nämlich auch in einer Gratisversion. Wer ein paar Franken investiert, erhält die Vollversion, mit verschiedenen Missionen. Mit ein wenig Suchaufwand kann auch diese kostenlos heruntergeladen werden, das ist angesichts der kleinen Preises aber vergeudete Zeit.

Nicht dafür die Zeit, die man mit dem Geierabschuss verbringt. Das macht sogar noch mehr Spass als die gewaltvolle Dezimierung der berühmt gewordenen Moorhühner. In beiden Fällen zeichnet Spieleentwickler Ingo Mesche für die Werke verantwortlich. Ein Unterschied dabei ist offensichtlich: Während die Moorhühner ihr virtuelles Leben ohne Themenbezug lassen, müssen die Geier für Finanzturbulenzen hinhalten. Zwar wurden «Harry Buster» wie auch «Stock-Blaster» schon lange vor der Hypothekarkredit-Krise in den USA geschaffen. Doch beide zielen sichtbar auf eine neue Zielgruppe: Die Büro-Angestellten. Und zwar ohne Altersbeschränkung.

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Nicht nur verbringen immer mehr Menschen mehr Stunden am Desktop-Computer, sondern sind auch immer mehr mit Laptop, Smartphone, Blackberry oder spielefähigen Handys unterwegs. Sie alle bieten sich für Games-Hersteller gerade zu an. Erhebungen der ISFE, des Europäischen Verbands der Interaktiven Entertainment-Branche, zeigen, dass bereits jeder vierte Manager und jede vierte Fachangestellte zumindest ab und zu zum Joystick oder eben zur Tastatur greifen. Tendenz steigend.

Gierige Bären sind erst der Anfang

Entführte Börsenhändler und gierige Bären sind deshalb nur der Anfang. Die kleinen Spiele für zwischendurch, sei es für mobile Geräte oder den Büro-PC, werden immer öfter auch auf Zielgruppen ausgerichtet. Gerade in der Finanzbranche dürften sich diese momentan einer grossen Beliebtheit erfreuen.