Die Rechnungslegung ist keine Disziplin, die sich im luftleeren Raum bewegt. Quasi seismografisch nimmt sie die Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld auf, jüngst auch die Finanzmarktkrise. Neu etablierte Grundsätze, wie etwa das Prinzip des «True and fair value», können in derart turbulenten Zeiten schon einmal ins Wanken geraten. Für die gefährdeten Bilanzpositionen mit den toxischen Wertpapieren wurde bei den Banken die Marktbewertung kurzzeitig ausser Kraft gesetzt. Prominente Bankiers vertraten gar die Ansicht, eine laufende Anpassung der Werte an die Marktentwicklung bringe die Geldinstitute in Schwierigkeiten.

Ein solches Rückwärtsdrehen am Rad der Accounting-Geschichte ist allerdings unwahrscheinlich. Ganz im Gegenteil: Die Rechnungslegung wird speziell für die global operierenden Unternehmen laufend komplexer. Das ist gerade bezüglich einer vermehrten Transparenz auch zu begrüssen. Problematisch wird es nur an der Schnittstelle zwischen den Multis und dem breiten Rest der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Manche Vorschriften, die für grosse Firmen durchaus Sinn machen, schiessen bei Kleinstunternehmen über das Ziel hinaus.

Das lässt sich auch bei der Umsetzung des neuen Revi- sionsrechts in der Schweiz be-obachten. Das neu etablierte interne Kontroll-System (IKS) wirft für Betriebe mit einer bestimmten Grösse durchaus einen Nutzen ab. Bei anderen KMU ist es nicht mehr als ei- ne administrative und kosten- mässige Belastung. Ähnlich sieht es bei der Risikobeurteilung im Anhang der Jahresrechnung aus. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis muss stimmen.

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Es ist kaum erstaunlich, dass die neu ermöglichte eingeschränkte Revision am Markt eine hohe Akzeptanz gefunden hat. Über 90% der Unternehmen haben diese Revisionsvariante gewählt. Denn die ordentliche Revision ist aufwendiger und damit auch teurer bei einem Abschluss nach Standard. Prüfungsexperten gehen davon aus, dass sich die eingeschränkte Revision in etwa mit der früheren Normal-revision vergleichen lässt. Sie halten diese Art der Abschlussprüfung für Unternehmen mit einem Umsatz bis 20 Mio Fr. in der Regel für ausreichend.

Auch die börsenkotierten Unternehmen wägen in wirtschaftlich harten Zeiten sehr wohl ab, ob sie mit der Auflage eines IFRS-Abschlusses an der Hauptbörse verbleiben wollen oder in den Domestic-Standard wechseln und damit die preisgünstigeren Richtlinien von Swiss GAAP FER anwenden können. Der Kostenfaktor ist mit ein wichtiger Grund.