Ein Mammutprogramm wartet auf Frank Schneider, den Direktor der neuen Revisionsaufsichtsbehörde (RAB): Wer ab 1. Januar 2008 als Prüfer die gesetzlich vorgeschriebenen Revisionen nach neuem Recht durchführen will, braucht dafür die Zulassung durch die RAB. Diese nimmt ab 3. September die Zulassungsgesuche entgegen. «Wir rechnen mit etwa 10000 bis 15000 Gesuchen», sagt Schneider. Er hofft, die Herausforderung ohne grössere Probleme zu bewältigen, zumal die neue Behörde E-Governement gross schreibt: Die Gesuchstellung läuft elektronisch über das RAB-Internetportal ab. Zu bewältigen ist der Ansturm nur, weil die Zulassung zuerst nur provisorisch erteilt wird. Diese ist dabei vor Ende 2007 zu beantragen. Die definitive Beurteilung erfolgt dann innerhalb der nächsten zwei Jahre.

Der RAB kommt bei ihrer schwierigen Aufbauarbeit zugute, dass es sich nicht um ein Kind bürokratievernarrter Eltern handelt, sondern von der Revisionsbranche selbst gewünscht wurde. Hans Wey, Vizepräsident der Treuhand-Kammer: «Die Schweiz darf sich dem Trend nicht verschliessen und darf angesichts der globalen Vernetzung der Wirtschaft keinen Sonderzug fahren.»
Das betonte auch Justizminister Christoph Blocher, als er zur Betriebsaufnahme der RAB sagte: «Ohne den Druck aus den USA hätten wir die Revisionsaufsicht nicht so detailliert geregelt, wie es jetzt der Fall ist.» Damit sprach er die im Gefolge des Enron/Worldcom-Skandale verschärften Corporate-Governance-Vorschriften an (Sarbanes-Oxley Act) an, welche die Schweiz praktisch zwangen, eine von den USA anerkannte Aufsichtsbehörde auf die Beine zu stellen. Andernfalls wären die international tätigen schweizerischen Revisionsfirmen vom US-Markt ausgeschlossen gewesen.

Image der Branche soll steigen

Bei den Wirtschaftsprüfern ist man überzeugt, «dass die neue Behörde zu einem höheren Ansehen der Branche beitragen wird», wie Matthias Jeger, Partner bei PricewaterhouseCoopers (PwC) und Mitglied der Kommission für Wirtschaftsprüfung der Treuhandkammer, sagt. Die Rolle des Wirtschaftsprüfers werde gestärkt, meint auch Peter Athanas, CEO von Ernst & Young, «zumal der Anspruch an Transparenz und Vertrauenswürdigkeit jetzt gesetzlich verankert wird».
Erwartet wird von der Branche auch, dass die RAB dafür sorge, dass die Berufsstandards noch konsequenter umgesetzt würden. Den Effekt sieht PWC-Mann Jeger darin, «dass die von den Stakeholdern erwartete hohe Qualität der Revisionsdienstleistungen konsistent angeboten wird».
Trotz Wohlwollen der neuen Behörde gegenüber warnen die Betroffenen auch vor Überregulierung. So fordert etwa Jeger von PwC die RAB auf, bei ihrer Tätigkeit auf die nationalen und internationalen Standards abzustellen «und keine eigenen zusätzlichen Regeln zu erlassen». Um Doppelspurigkeiten zu vermeiden, müsse die RAB ihre Tätigkeit etwa mit der Eidgenössischen Bankenkommission koordinieren.
Dank seiner zehnjährigen Berufserfahrung als Wirtschaftsprüfer kennt RAB-Direktor Schneider die Bedürfnisse der Branche. So sagt er, die Inspektionen bei den Prüfungsunternehmen würden in vielen Fällen gemeinsam mit der EBK erfolgen, um unnötige Doppelspurigkeiten zu vermeiden. Zudem lege er Wert darauf, dass sich seine Behörde nicht zu einem Wasserkopf entwickle: «Wir werden mit unserem Jahresbudget klar unter den 7 bis 10 Mio Fr. liegen, mit denen man im Parlament gerechnet hat.»

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Folgekosten für Kunden

Damit versucht Schneider jenen in der Branche entgegenzukommen, die auf eine Erhöhung der Revisionshonorare für Publikumsgesellschaften hinweisen. Ihre Prüfer haben den grössten Teil der Kosten der RAB zu tragen. Doch es sind nicht nur diese direkten Kosten, die sich für die Prüfkunden auswirken. So sagt Günter Haag, Head of Audit bei KPMG Schweiz: «Die internen Compliance-Kosten als Folge der verschärften Aufsicht werden bei den Prüfgesellschaften bedeutend mehr ins Gewicht fallen.» Zu den Folgekosten gibt es noch keine Schätzungen. Das werde die Praxis zeigen, heisst es allgemein

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Revisionsaufsicht: Eine neue Behörde nimmt ihre Arbeit auf

Gesetz
Das neue Revisionsaufsichtsgesetz (RAG) regelt die Zulassung von Personen und Unternehmen zur Erbringung von gesetzlich vorgesehenen Revisionsdienstleistungen, die Beaufsichtigung der Revisionsstellen von Publikumsgesellschaften und die Grundsätze der internationalen Zusammenarbeit.

Behörde
Die unabhängige Revisionsaufsichtsbehörde (RAB) ist eine öffentlich-rechtliche Anstalt mit eigener Rechtspersönlichkeit (analog der Eidgenössischen Bankenkommission). Sie finanziert sich über Gebühren und Aufsichtsabgaben der zugelassenen und beaufsichtigten Personen und Firmen.

Leitung
Direktor der RAB ist der 39-jährige Frank Schneider. Er war früher zehn Jahre als Wirtschaftsprüfer für PricewaterhouseCoopers tätig und von 2002 bis 2006 in leitender Funktion im Bereich Aufsicht der Schweizer Börse SWX. Den Verwaltungsrat der RAB präsidiert der Berner Rechtsprofessor und frühere Bundesrichter Hans Peter Walter.

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www.revisionsaufsichtsbehoerde.ch.