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Abkehr
Revisionsgesellschaften gegen Schweizer Banken

Revisionsstellen sagen: «Wir habe kein Interesse, Risiken zu übernehmen, die wir nicht kennen.» (Bild: Keystone)

Grosse Probleme für Banken, die keine US-Kunden haben. Grosse Probleme auch für Banken, die sich korrekt Verhalten haben. Die Revisoren wollen nichts mit ihnen zu Tun haben.

Veröffentlicht am 08.12.2013

Schweizer Banken, die im US-Steuerverfahren ein korrektes Verhalten mit amerikanischen Kunden belegen wollen, finden keine Revisionsgesellschaften, die ihnen das dafür notwendige Testat ausstellen. Das zeigt die Recherche der «Schweiz am Sonntag». Bisher gibt es keine Bank, welche ein entsprechendes Testat für die so genannte Gruppe 3 von der der grossen vier Wirtschaftsprüfungsgesellschaften KMPG, PWC, EY oder Deloitte erhalten hat.

Zu viel Risiko

Vertreter der grossen Revisionsgesellschaften bestätigen denn auch, dass sie aus risikogründen kein Interesse an diesem Geschäft haben.  «Es ist unglaublich schwer, das zu bestätigen», sagt Bruno Gmür, Partner von PWC, und EY-Partner Philippe Zimmermann sagt: «Wir habe kein Interesse, Risiken zu übernehmen, die wir nicht kennen».

Finma hat gewarnt

Hinter der Risikoaversität steckt auch die Schweizer Finanzmarktaufsicht (Finma). Sie hat die Revisionsgesellschaften davor gewarnt, die heiklen Gruppe-3-Testate auszustellen, wie Vertreter zweier Revisionsgesellschaften bestätigen. Die Finma hatte unter Banken bereits für Ärger gesorgt, als Finma-Direktor Patrick Raaflaub vor gut einer Woche in der NZZ mehr oder weniger dazu aufgerufen hatte, die Schweizer Banken sollten sich in die Gruppe 2 einreihen, in der sie eine Schuld eingestehen und mit einer Busse rechnen müssen.

US-Kanzleien am Zug

Nach dem Abseitsstehen der Wirtschaftsprüfer dürften die wenigen verbleibenden Gruppe-3-Testate von US-Anwaltsbüros ausgestellt werden. «Es gibt einen Trend, US-Kanzleien für diese Aufgabe zu beauftragen», sagt EY-Partner Zimmermann. Und Urs Schenker, der als Partner von Baker & McKenzie selber bei so einer Kanzlei arbeitet, bestätigt: «Man wird wohl gemischte Teams mit Schweizern und Amerikanern haben, die von einem Amerikaner angeführt werden.»

(tke)

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