Erst noch waren die Revisionsgesellschaften mit den Anforderungen einer neuen staatlichen Aufsicht konfrontiert und schon kommen zusätzliche Regulierungen auf die Branche zu. Das EU-Grünbuch zur Rolle der Abschlussprüfer schlägt hohe Wellen. Kein Zweifel: Die Europäische Union will die Wirtschaftsprüfer an eine kürzere Leine nehmen. Fragt sich jetzt nur, wo in einem ganzen Strauss an Forderungen der Hebel angesetzt wird. Die Vernehmlassung zum EU-Grünbuch dürfte nach dem üblichen Muster verlaufen. Aus der Branche darf der verantwortliche EU-Kommissar Michel Barnier keine grossen Begeisterungsstürme erwarten, vonseiten der Konsumenten- und Arbeitnehmervertreter schon eher. Noch im laufenden Jahr wird das Positionspapier aus Brüssel schärfere Konturen erhalten. Abzusehen ist ein Widerstreit zwischen EU-Mitgliedern, die wie etwa Frankreich stärker auf die zentrale Staatsmacht ausgerichtet sind, und anderen Nationen, die sich mit weniger obrigkeitlichem Denken mehr auf die Selbstregulierungskräfte des Marktes stützen.

Die Schweiz kann dem Geschehen als Nicht-EU-Mitglied mit einer gewissen Gelassenheit entgegensehen. Trotzdem ist sie als stark international ausgerichtetes Land von neuen Regulierungen im europäischen Raum unmittelbar betroffen. Im EU-Grünbuch wird speziell die Marktmacht der grossen Revisionsgesellschaften PwC, KPMG, Ernst&Young und Deloitte thematisiert. Das ist etwas blauäugig. Natürlich waren es vor einem guten Jahrzehnt noch doppelt so viele Grossfirmen. Die intensivierte Globalisierung hat danach für einen natürlichen Eliminationsprozess gesorgt. Gewichtige Multis wollen weltweit betreut sein. Kriminelle Machenschaften beim amerikanischen Enron-Konzern haben zuletzt auch noch den Wirtschaftsprüfer Arthur Andersen weggespült. Dabei haben eine Handvoll unseriöser Revisoren die Firma in den Abgrund gerissen, und via den Sarbanes-Oxley Act ist das Aufsichtsregime massiv verstärkt worden. Verbleiben die «Big 4» im Markt, darf kaum von einer ungehörigen Konzentration die Rede sein. Der Wettbewerb unter diesen Anbietern spielt. Das zeigt in der Schweiz der scharfe Preiskampf, sobald es um die Gewinnung neuer Mandate geht.

Problematisch kann die Situation werden, wenn der Revisor neben seinem gesetzlichen Prüfungsauftrag auch noch umfangreiche Beratungsarbeiten erbringt. Die Schweizer Revisionsaufsicht schiebt dem mit einer Meldepflicht neuerdings einen Riegel vor. Bei einem hohen Verhältnis von Beratungs- zu Revisionsdienstleistungen wird die Behörde aktiv. Drastischere Massnahmen braucht es nicht.

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