Obwohl den Anlegern die horrend hohen Kursverluste des Jahres 2008 noch in den Knochen stecken, verdeutlicht die starke Kurserholung seit März 2009 die grossen Opportunitäten im Aktienmarkt. Das wird auch in Zukunft nicht anders sein, weshalb an Aktien kein Weg vorbei führt. Es ist anzunehmen, dass die Renditeerwartungen tendenziell wieder steigen werden. Das ist «good news» für die Anleger, auch wenn der strukturelle Bärenmarkt noch eine Weile dauern dürfte. Wie aber kann bei dieser Ausgangslage am Aktienmarkt erfolgreich partizipiert werden? Diese Frage kann ohne Einbezug der seit über 40 Jahren kontrovers geführten Debatte zum Thema aktives versus passives Management nicht beantwortet werden.

Aktiv Opportunitäten nutzen

Unter aktivem Management versteht man eine auf fundamentaler, technischer und quantitativer Analyse basierende, bewusste Abweichung eines Portefeuilles von einer vordefinierten Benchmark, wie beispielsweise dem SMI oder Dax. Die Aufgabe des aktiven Portfoliomanagers ist es, die am Markt existierenden Ineffizienzen - konkret Fehlbewertungen von Unternehmungen, Sektoren oder Anlageklassen - frühzeitig zu erkennen und sich entsprechend zu positionieren. Dabei geht der Portfoliomanager von möglichen Zu-kunftsszenarien aus, mit dem Ziel, für den Anleger ein besseres Anlageergebnis zu erzielen, als wenn rein passiv - also gemäss dem zugrundeliegenden Index - investiert worden wäre. Dass dies ein ambitiöses Unterfangen darstellt, ist kein Grund, auf aktives Management zu verzichten.

Im Gegensatz zum aktiven Management geht das passive Management davon aus, dass am Markt keine Ineffizienzen bzw. Bewertungsdiskrepanzen bestehen und es sich somit nicht lohnt, aktive Wetten einzugehen bzw. von der Benchmark abzuweichen. Ein Risiko passiven Investierens besteht darin, dass Anlagen aufgrund hoher Bewertungsniveaus starke Indexgewichte aufweisen und daher in den Portefeuilles gefährlich hoch repräsentiert sind. Um dieses Risiko zu kontrollieren sind passive Strategien zu Beginn immer auch auf aktive Entscheidungen angewiesen.

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Im Endeffekt haben beide Anlagestile - abhängig von der Marktkonstellation, dem Effizienzgrad der Märkte und dem Bedürfnis der Investoren - ihre Daseinsberechtigung. Jedoch repräsentiert das aktive Management mit rund 85% Marktanteil nach wie vor den dominierenden Anlagestil, auch wenn passive Produkte jüngst stark an Bedeutung gewonnen haben.

Die Leistung eines aktiven Portfoliomanagers wird anhand des «Alphas», d.h. der Mehrrendite, welche er durch seine Entscheidungen erzielt, gemessen. 2009 konnten aktive Manager aufgrund der grossen Bewertungsunterschiede am Aktienmarkt beson-ders hohe Alphas erzielen. Damals wurden die Risiken einzelner Unternehmungen im selben Sektor in Anbetracht der Finanzkrise sehr unterschiedlich beurteilt. Dies stellte für aktives Management eine Chance dar, da absehbar war, dass sich diese Bewertungsdiskrepanzen wieder normalisieren.

Märkte werden mehr schwanken

In den nächsten Monaten dürfte der Fokus wieder vermehrt auf dem Fortgang der Wirtschaftserholung und somit auch auf der operativen Leistung der Unternehmungen liegen. Die Märkte werden im Spannungsfeld von makroökonomischen Herausforderungen grösseren Schwankungen ausgesetzt sein. Das Krisenjahr 2008 und die 2009 erfolgte Erholung werden nicht nahtlos in ein anspruchsloses Anlageumfeld übergehen. Opportunitäten wird es aber trotzdem geben. Aktives Management und strukturell attraktive Themen bieten Anlegern gerade in diesen Zeiten sehr interessante Perspektiven.