Als Folge der Übernahme durch die belgische KBC-Gruppe reduziert Richelieu Finance ihre Beteiligung an der Kuoni Reisen Holding AG weiter: Per Anfang April besitzt der französische Grossaktionär noch knapp 5% der Stimmrechte am Reisekonzern, der an der Swiss Exchange (SWX) gehandelt wird.

Seit Mitte Januar hat Richelieu somit ihren Anteil an Kuoni um 6,95% (von 11,92% auf 4,97%) abgebaut, sprich mehr als 270000 Namenaktien B verkauft. Dieses Paket dürfte einem Wert von über 135 Mio Fr. entsprechen.Max E. Katz, Finanzchef von Kuoni Reisen, erklärt auf Anfrage der «Handelszeitung»: «Diese Aktien wurden schon von neuen Aktionären gekauft, aber wir wissen nicht von wem, da dies ganz normale Verkäufe über die Börse waren. Richelieu hatte Rücknahmen bei ihren Fonds und musste deshalb ihre Beteiligungen an verschiedenen Unternehmen parallel reduzieren.» Ob die Finanzinvestorin nochmals Aktien verkaufen oder allenfalls ganz aussteigen wird, ist ihm zufolge ungewiss. «Das weiss man natürlich nie genau, aber wenn sie nicht eine weitere Reduktion ihres Fonds hinnehmen müssen, werden sie wohl nicht freiwillig verkaufen wollen», sagt Max E. Katz.

Bei Richelieu heisst es, dass man kein Zeitfenster zu Engagements bekannt gebe, aber bestimmt noch ein, zwei Jahre in Kuoni investieren werde. Richelieu hält unter anderem auch 20% am französischen Club Med.

Dafür konnte Kuoni Reisen vor Monatsfrist den Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) als neuen namhaften Aktionär gewinnen: Der MGB kontrolliert momentan 3,11% der Stimmrechte. Die Muttergesellschaft von M-Travel Switzerland hat dafür geschätzte 40 Mio Fr. investiert. Wobei es sich um ein rein finanzielles Engagement handelt, wie es beim MGB offiziell heisst. Die anderen Gross-investoren bei Kuoni Reisen sind weiterhin Silchester International (10,22%), Capital Group (7,67%) sowie Barclays (3,89%).

Verstärkung des Stiftungsrats

Das nach wie vor (ge)wichtigste Gremium im Aktionariat der Kuoni Reisen Holding AG ist die Kuoni- und Hugentobler-Stiftung. Diese hält zwar lediglich 6,3% des Kapitals am Schweizer Reisekonzern – in der Form von 985000 Namenaktien A, aber verfügt damit über 25% der Stimmrechte.

Die Stiftung bezweckt, Kuoni «unter der Aufrechterhaltung des bisherigen Gesellschaftszweckes auf solider Grundlage dauernd zu erhalten». Insbesondere sollen dadurch feindliche Übernahmen verhindert werden. Bei Kuoni Reisen wird man nicht müde hervorzuheben, dass man unabhängig und eigenständig bleiben will.

Geführt wird die Kuoni- und Hugentobler-Stiftung von ihrem Stiftungsrat. Dieser wird um eine Person auf fünf Mitglieder verstärkt: Neu gehört Paul Hasenfratz dazu. Damit setzt sich der Stiftungsrat ab sofort so zusammen: Hans G. Syz-Witmer (Präsident), Alfred Kuoni, Thomas Geiser, Paul Hasenfratz und David Schnell. Der 66-jährige Paul Hasenfratz ist ein ausgewiesener Bank- und Finanzfachmann, teilt Kuoni Reisen seinen Investoren mit. Nach seinem Rücktritt als Präsident der Zürcher Kantonalbank (ZKB) im Jahr 2002 nahm er als Vertreter des Kantons Waadt Einsitz im Verwaltungsrat der Banque Cantonale Vaudoise. Heute präsidiert Paul Hasenfratz den Arbeitskreis Kapital und Wirtschaft. Zudem bekleidet er verschiedene Verwaltungs- sowie Stiftungsratsmandate.

Neuer CEO bis Ende Juni bekannt

Die nächste ordentliche GV der Kuoni Reisen Holding AG findet am 18. April 2008 statt – jedoch noch ohne neuen CEO. Diese Lücke klafft beim einzigen an der Schweizer Börse kotierten Reiseunternehmen seit vergangenem Dezember, als Armin Meier überraschend schnell seinen Hut nehmen musste.

CFO Max E. Katz, der seither auch als Sprecher der Konzernleitung amtet, sagt zu dieser Baustelle nur: «Wir erwarten, dass wir einen neuen CEO im 1. Halbjahr 2008 ankündigen können.» Die Liste der zehn valablen Kandidaten scheint noch nicht abgearbeitet zu sein – folglich hat sich auch noch kein Kronfavorit herauskristallisiert.

Der Finanzchef betont in diesem Zusammenhang, dass Kuoni keinen Führungsnotstand habe, wie die rekordverdächtigen Zahlen des Geschäftsjahres 2007 belegten: Höchster Gruppenumsatz (4,699 Mia Fr.) sowie Reingewinn (136,3 Mio Fr.). Nicht zuletzt deswegen scheint sich der Verwaltungsrat mit der Ernennung eines neuen Konzernchefs Zeit zu lassen.

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