In der Luxusbranche scheint die Party vorbei. Selbst Anbieter von teuren Uhren und Schmuck spüren die Krise. Die Richemont-Gruppe passt sich darum der gesunkenen Nachfrage an. Läden, die nicht rentieren, werden geschlossen.

«Wir müssen unser Angebot der tieferen Nachfrage angleichen und werden da und dort Läden schliessen», sagte Finanzchef Gary Saage am Rande der Generalversammlung vom Mittwoch zu Journalisten.

«Dagegen glaube ich nicht, dass wir weitere Stellen abbauen müssen», ergänzte er. Damit bekräftigte er die von CEO Richard Lepeu anlässlich der Bilanzmedienkonferenz im Mai gemachten Aussagen, wonach der Stellenabbau der Gruppe im Mai abgeschlossen worden sei. In der Schweiz hatte der Konzern die Belegschaft um rund 500 Mitarbeitende reduziert. Laut früheren Gewerkschaftsangaben musste aber nur rund 90 Personen eine Kündigung ausgesprochen werden, ein Grossteil des Abbaus wurde etwa mit Pensionierungen aufgefangen. Vom Stellenabbau betroffen waren mehrere Standorte der Uhrenmarken Piaget, Vacheron Constantin und Cartier in der Westschweiz.

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Umsätze sind geschrumpft

Für den Luxusgüterkonzern hat das neue Geschäftsjahr 2016/17 wie erwartet schlecht begonnen: Die Umsätze sind in dem für die Branche schwierigen Marktumfeld in den ersten fünf Monaten (April bis August) geschrumpft, und Rückkaufaktionen von schlecht laufenden Modellen sowie Restrukturierungskosten belasten das Ergebnis.

Der Umsatz von Richemont sank in den ersten fünf Monaten in der Berichtswährung Euro um 14 Prozent und in Lokalwährungen gerechnet um 13 Prozent. Ohne die Rücknahmeaktion von Uhrenmodellen, die von den Händlern nur schleppend verkauft werden, wären die Verkäufe in Lokalwährungen um 10 Prozent zurückgegangen, teilte die Gruppe am Mittwoch im Vorfeld der ordentlichen Generalversammlung mit.

Wirtschaftliches Umfeld ist schwierig

Der Einbruch kommt nicht ganz überraschend, schliesslich hatte Richemont bereits für den Monat April einen Umsatzrückgang von 15 Prozent (in LW) gemeldet und laut der Exportstatistik des Branchenverbandes FH nahmen die Ausfuhren von Schweizer Uhren in den Monaten Mai (nominal: -10 Prozent), Juni (-16 Prozent) und Juli (-14 Prozent) jeweils deutlich ab. Die August-Statistik wird kommende Woche veröffentlicht.

Richemont selbst führt als Gründe für den Umsatzschwund die gute Entwicklung in den Vergleichsmonaten des Vorjahres, die Rückkaufaktionen aus den Lagern der Händler sowie das derzeit schwierige globale wirtschaftliche Umfeld an. Besonders schwach entwickelte sich Europa (-18 Prozent in Ladeswährungen), was mit den rückläufigen Touristenzahlen nach den diversen Terroranschlägen im Zusammenhang steht. Darunter habe insbesondere das Geschäft in Frankreich gelitten, schreibt Richemont.

Plus nach dem Brexit

Ganz im Gegensatz dazu wuchs der Absatz in Grossbritannien. Nach dem Brexit-Votum im Juni habe sich das britische Pfund gegenüber den meisten anderen Währungen deutlich abgeschwächt, was die Verkäufe angekurbelt habe. Die Luxusgüterbranche profitiert auf der Insel von den ansteigenden Touristenzahlen.

Aufgeteilt nach Vertriebskanälen nahmen die Verkäufe in erster Linie im Grosshandel deutlich ab (-22 Prozent in Euro; -21 Prozent in Landeswährungen). Aber auch in den markeneigenen Boutiquen und Verkaufsstandorten verzeichnete Richemont ein Umsatzminus von 8 Prozent (-6 Prozent in Landeswährungen), wobei sich da besonders die Verkäufe in Europa und Japan rückläufige entwickelt hätten.

An den schwierigen Marktbedingungen dürfte sich in kurzer Frist kaum was ändern, glaubt Richemont. Dennoch sei man von den langfristigen Wachstumsaussichten, welche die Luxusgüterindustrie weltweit biete, nach wie vor überzeugt. Richemont sei mit einer starken Bilanz und einem etablierten Markenportfolio gut positioniert, um davon zu profitieren.

(sda/ccr)