Der Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont will sich vom Lederwaren-Hersteller Lancel trennen. Das Genfer Unternehmen stehe in exklusiven Verhandlungen mit dem italienischen Aktentaschenproduzenten Piquadro, teilten die Italiener am Dienstag mit. Falls die Risiko-Prüfung (Due Diligence) positiv ausfalle und sich die beiden Firmen endgültig einigten, könnte die Transaktion in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen werden. Analysten schätzen den Jahresumsatz von Lancel auf 130 bis 150 Millionen Euro. Richemont lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Mit dem Verkauf will der Genfer Konzern sein schlingerndes Geschäft mit Mode und Accessoires wieder auf Kurs bringen. Die Sparte «Sonstige», zu der neben Lancel auch Montblanc-Schreibgeräte, Alfred Dunhill-Kleidung und Chloe-Handtaschen gehören, steht für rund 17 Prozent des Gruppenumsatzes und kämpft seit Jahren mit Problemen. Richemont hatte Lancel in den vergangenen Jahren restrukturiert. Dabei gelang Lancel und Dunhill vor kurzem die Rückkehr zu Umsatzwachstum.

Jährlicher Verlust von 40 Millionen Euro

Luca Solca von Exane BNP Paribas schätzt, dass Lancel jährlich einen Verlust von 40 Millionen Euro verbucht. Die Veräusserung wäre für Richemont daher ein positiver Schritt. Jon Cox von Kepler Cheuvreux betonte, Lancel könnte den Turnaround jüngst geschafft haben. Er könne sich aber keinen Verkaufspreis vorstellen, der einen Jahresumsatz übersteigen würde.

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Die im Hochpreissgement tätige Piquadro hatte 2016 mit dem Kauf der toskanischen Lederwarenfirma The Bridge eine Expansionsphase eingeleitet. Für die Firma aus Bologna, die mit 99 Boutiquen einen Jahresumsatz von 76 Millionen Euro verbucht, wäre die Übernahme daher ein grosser Schritt.

An der Mailänder Börse kam die Meldung gut an: Die Piquadro-Aktie stieg um 4,3 Prozent. Richemont dagegen waren nahezu unverändert.

Richemont ist nach dem französischen Rivalen LVMH der zweitgrösste Hersteller von edlen Uhren, Schmuck, teurer Bekleidung und Lederwaren und hatte im Geschäftsjahr 2017 (per Ende März) bei einem Umsatz von 10,65 Milliarden Euro einen Gewinn von 1,21 Milliarden Euro verbucht.

(Reuters/bsh)