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Luxusgüter
Richemont: Lagerrückkaufe belasten Ergebnis

Richemont
Richemont: Grosse Nachfrage nach Schmuck. Quelle: Keystone .

Der Konjunkturaufschwung lässt bei Richemont die Kassen klingeln: Der Umsatz steigt. Allerdings belasteten Lagerrückkäufe das Ergebnis.

Veröffentlicht am 18.05.2018

Der Genfer Luxusgüterkonzern Richemont hat im vergangenen Geschäftsjahr 2017/18 vom Konsumhunger chinesischer Kunden nach Schmuck und Uhren profitiert. Der Umsatz kletterte um 3 Prozent auf 10,98 Milliarden Euro. Allerdings schlugen sich Lagerrückkäufe auf das Ergebnis nieder. Unter dem Strich resultierte ein gegenüber dem Vorjahr nur leicht höheren Gewinn von 1,22 Milliarden, wie Richemont am Freitag mitteilte. Der Betriebsgewinn (Ebit) der Gruppe nahm um 5 Prozent auf 1,84 Milliarden Euro zu.

Damit hat Richemont die Gewinnzahlen weniger stark gesteigert als von Analysten erwartet. Ein Grund dafür waren die hohen Kosten für den Rückkauf von Uhren aus den Lagern von Handelspartnern. Wären die Sonderbelastungen im Umfang von 208 Millionen nicht gewesen, dann hätte der Ebit um 10 Prozent zugelegt, so Richemont. Beinahe zwei Drittel der Rückkäufe erfolgten in Asien und Europa. Nun befänden sich die Lagerbestände auf eine «gesunden» Niveau, versicherte Finanzchef Burkhart Grund an einer Telefonkonferenz am Freitag.

An die Aktionäre wird je Titel eine um 10 Rappen auf 1,90 Franken erhöhten Dividende ausgeschüttet.

Deutlich mehr Verkäufe in Asien

In der Berichtswährung Euro legte der Umsatz in dem im März zu Ende gegangenen Geschäftsjahr um 3 Prozent auf 11,0 Milliarden zu. In Lokalwährungen wuchs Richemont gar mit 8 Prozent. Dabei hat sich das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte etwas abgeschwächt. Im ersten Halbjahr hatte noch einen Anstieg von 12 Prozent resultiert.

Besonders gut hat sich das Geschäft in der Region Asien-Pazifik mit einem Zuwachs in Lokalwährungen von 17 Prozent entwickelt. Asien ist mit einem Umsatz von 4,35 Milliarden Euro der wichtigste Absatzmarkt von Richemont.

Zum einen sei das Wachstum in Asien mit positiven Wechselkurseinflüssen zu erklären, sagte der Finanzchef weiter. Zum anderen hätten Märkte wie Hongkong, Macau oder Südkorea von den wachsenden Touristenströmen aus Festlandchina profitiert. Und auch in China selber nahmen die Verkäufe zu.

Steigende Absätze registrierte Richemont auch in den Regionen Amerika (+8 Prozent), Japan (+2 Prozent) und Mittlerer Osten/Afrika (2 Prozent). Demgegenüber schwächelte das Geschäft in Europa: Der Umsatz nahm um 3 Prozent auf knapp 3 Milliarden ab. Die Stärke des Euro, Lagerrückkäufe im Schlussquartal und Anpassungen im Verkaufsnetz machten auf dem «alten Kontinent» zu schaffen.

Schmuck übertrumpft Uhren

Nach Produktkategorien übertrumpfte die Schmucksparte angeführt von der wichtigsten Marke Cartier die Uhrmacher. Allerdings startete Cartier von einer etwas tieferen Vorjahresbasis aus, nachdem im Vorjahr die Lager der Cartier-Verkäufer unter die Lupe genommen wurden.

Insgesamt wuchs das Schmucksegment um 9 Prozent auf 6,45 Milliarden Euro, dagegen sanken die Einnahmen der Uhrensparte mit Marken wie IWC, Piaget, JaegerLeCoultre oder Vacheron&Constantin um 6 Prozent auf 2,71 Milliarden. Dabei seien die Verkäufe in den Boutiquen der Händler zweistellig gesunken, die Umsätze in den markeneigenen Läden legten aber im zweistelligen Prozentbereich zu.

Keine Guidance

Im Ausblick äusserte sich Verwaltungsratspräsident und Mehrheitsaktionär Johann Rupert gewohnt zurückhaltend. Nach wie vor sieht er die Richemont-Marken am Markt gut positioniert, um langfristige Erfolge zu erzielen. Keine News gibt es zu den laufenden Gesprächen zum möglichen Verkauf der Ledermarke Lancel mit der italienischen Piquadro-Gruppe.

Weiter wird die Geschäftsleitung um eine Funktion und Person ergänzt. Eric Vallat wurde zum Leiter Fashion&Acceories ernannt. Mit der Ernennung eines neuen Technologiechefs werde aber noch zugewartet, zumindest solange bis der Online-Händler Yoox vollständig integriert ist.

An der Börse zeigten sich die Anleger von den Gewinnzahlen und der schwachen Entwicklung in Europa enttäuscht. Die Aktie notierte um 10:30 Uhr knapp 7 Prozent tiefer.

(sda/tdr/mbü)

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