Die hohe Zeit der Uhrenkäufe ist angebrochen. In den Wochen vor Weihnachten setzen die Boutiquen und Juwelierläden bis zu einem Drittel ihres jährlichen Volumens um. Jetzt entscheidet sich, welche Uhrmacher den Kundengeschmack getroffen haben, und ob die Käufer tief ins Portemonnaie greifen. Sicher ist: Luxusuhren bleiben selbst in wirtschaftlich härteren Zeiten ein gefragtes Gut. Mit den hohen Zuwachsraten, wie sie die Boomjahre prägten, ist aber vorerst Schluss. Das hat auch der Luxusgüterkonzern Richemont zu spüren bekommen. Im ersten Halbjahr (per Ende September) verminderten sich die Uhrenverkäufe gegenüber der Vorjahresperiode um 3% auf 847 Mio Fr. Detaillierte Zahlen zu den Uhren- und Schmuckmarken Cartier, Piaget, Lange&Söhne, Vacheron Constantin, Jaeger-LeCoultre, Panerai, IWC und Baume&Mercier gibt die Genfer Gruppe nicht bekannt. Fest steht nur, dass sich Richemont mit dem 3 Mrd Fr. teuren Erwerb der LMH-Produktionsstätten zwar Umsatz einverleibte, nun aber die Integration im abgekühlten Konjunkturklima keineswegs einfach zu vollziehen ist.
*Rentable Zigaretten*
Jedenfalls kann sich der vom Südafrikaner Johann Rupert kontrollierte Konzern derzeit glücklich schätzen, das einst dominante Tabakgeschäft nur in Raten zu verkaufen. Am Tabakriesen British American Tobacco (BAT), mit den bekannten Marken Lucky Strike, Kent, Dunhill und Pall Mall, ist Richemont lediglich noch zu 21% beteiligt, und für 2004 gibt es eine Verkaufsoption. Während im Geschäft mit Luxusgütern die Margen erodieren, erweist sich der Zigarettenkonsum gleichzeitig als krisenresistent. Vom Reingewinn stammen zwei Drittel aus der Sparte Tabak.
Wunder sind vom Weihnachtsgeschäft nicht zu erwarten. Das Schmuckgeschäft hielt sich mit einem Plus von 1% im ersten Semester respektabel, dies vorab dank Van Cleefs&Arpels. Auch der Schreibzeugproduzent Montblanc wartete mit einem gleich hohen Zuwachs auf. Dafür glitt die Ledersparte umsatzmässig um fast 10% zurück, und auch die Modedivision endete mit 4% im Minus. Ganz allgemein wird weltweit mit keiner Kaufwelle gerechnet. Noch immer hängt die amerikanische Kriegsdrohung an die Adresse von Irak wie ein Damoklesschwert über der globalen Wirtschaft. Das Konsumumfeld bleibt zudem in Europa von Stagnationserscheinungen überschattet. Im ersten Halbjahr schnitt Richemont auf dem alten Kontinent besonders schlecht ab. Ausbleibende Touristen und eine schlechte Konsumentenstimmung drückten die Verkäufe in Deutschland (–21%) und der Schweiz (–12%) besonders stark nach unten. Die verschärften Marktbedingungen zwingen das Management nach Meinung von Sarasin-Analyst Christoph Bohli zu einer Kostenreduktion und einer Drosselung des Expansionstempos in der Uhrendivision. Trotz einem rückläufigen Umsatz sind die Aufwendungen im ersten Semester um 2,7% angestiegen. Die Betriebsgewinnmarge verminderte sich von 13,8% auf 10,4%.
Richemont ist bestrebt, die Kapitalbindung abzubauen. Darauf deutet auch Michel Nieto, Chef von Baume&Mercier, im Gespräch mit der «HandelsZeitung» hin: «Unsere Lagerhaltung wird strikt kontrolliert.» Hohe Investitionen in Boutiqueeröffnungen, Marketing und Produktion müssen sich erst noch über wachsende Erträge amortisieren. Zudem will Richemont das Verkaufsnetz der LMH-Marken stärker intergrieren. Im Fachhandel geschieht das aber nicht ohne Irritationen. Multi-Brand-Stores im grossen Stil soll es in der Richemont-Familie nicht geben. Aber nicht zuletzt dank der gewichtigen Cartier-Gruppe werden rund um den Globus 540 eigene Verkaufsstellen unterhalten.
*Discount gegenüber Konkurrenten*
Für Patrik Schwendimann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, weist Richemont im Branchenvergleich einen deutlichen Abschlag auf. Er vergleicht das um den Tabakgewinn bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13,5 mit einem Branchen-KGV von über 20. Der finanziell äusserst solide Konzern (Eigenkapitalquote 75%) hat für ihn Aufholpotenzial. Auf dem Papier mag das stimmen. Ein weiterhin schleppender Wirtschaftsgang ist dem Luxusgüterproduzent aber keine Stütze. In der Produktion hält sich die Uhrensparte derzeit zurück. Dafür wird der Herstellprozess effizienter und vor allem rascher gestaltet. Bei der ersten wirtschaftlichen Morgenröte wird sich das in höheren Margen niederschlagen.

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