Für viele Experten steht der US-Häusermarkt im Epizentrum der aktuellen Finanzkrise. Der Obligationenmarkt schickte die dadurch verursachte Schockwelle anschliessend mit vervielfältigter Kraft rund um die Welt. Die Auswirkungen waren fatal: Konkurse, Ausverkaufspreise, Ratingherabstufungen und extreme Illiquidität. Höhere Renditeaufschläge, Illiquidität bei komplizierteren Asset-Backed-Anleihen, High Yield und Emerging Markets sind zwar nichts Neues. Neu hingegen sind einerseits das Ausmass - rekordhohe Spreads wie letztmals 1930 und Illiquidität über weite und grosse Bereiche des Marktes - und andererseits der sehr starke Leidensdruck bei den besten Ratings. Zudem hat die Krise zu Ausfällen und Preisrückgängen in einem Bereich geführt, in welchem Investoren in diesem Masse nie damit gerechnet hatten. Aus Sicht der Anleger gilt es deshalb, vier wichtige Lehren zu ziehen.

Bonität und Ratings Die Krise zeigt einmal mehr die relative Aussagekraft von Ratings und von Bonitätseinschätzungen. Ratings drücken die geltenden Annahmen bezüglich Risiken aus, doch fundamentale Änderungen im Umfeld der betroffenen Unternehmungen werden die Analysten der Ratingagenturen auch in Zukunft nicht vorhersehen können. Rückblickend betrachtet hätten viele Fehler vermieden werden können, und die Ratingagenturen versprechen deshalb eine tiefgreifende Verbesserung ihrer Prozesse. Das wird jedoch nichts an der Tatsache ändern, dass Ratings immer auf Erfahrungswerten basieren und dass diese durch unerwartete Umbrüche im Marktumfeld schnell ihren Wert verlieren. Zusätzlich hinken in solchen Phasen Bonitätseinschätzungen regelmässig der Realität hinterher. Dieses Grundsatzproblem kann durch weitergehende und unabhängige Bonitätsanalysen höchstens teilweise entschärft werden - denn eine Kristallkugel zur Zukunftsvorhersage hat niemand zur Hand.

Hebelwirkung Auch diese Krise bestätigt die alte Börsenweisheit, dass zu viel Fremdkapital der grösste Gefahrenherd für Bondanleger darstellt. Generell sollten Anlagen mit einem grossen unterliegenden Leverage, also Hebel, mit Vorsicht getätigt werden. Leider ist der Leverage nicht immer auf den ersten Blick erkennbar und oft auf der operativen Stufe eines Unternehmens verborgen. Kreditzyklen entstehen regelmässig durch eine graduelle Aufweichung der Kriterien bezüglich verkraftbarem Fremdkapitaleinsatz. Sobald sich solche Tendenzen beobachten lassen, ist erhöhte Wachsamkeit bei der Anlage angezeigt.

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Liquidität Bei jeder Anlage sollte dem richtigen Mass an Liquidität speziell Beachtung geschenkt werden. Diese sollte auf die jeweiligen Bedürfnisse des Anlegers beziehungsweise eines Anlagevehikels abgestimmt sein. Zuviel Liquidität kostet laufend Performance, zu wenig davon in Krisenzeiten aber sehr viel Geld. Leider bestätigt die heutige Situation, dass die zukünftige Liquidität - ähnlich der Problematik wie bei Bonität und Ratings - nur beschränkt vorausgesagt werden kann. Die Erwartungen diesbezüglich haben nur Staatsanleihen von sehr wenigen Ländern erfüllt. Andere Anleihentypen sind teilweise gänzlich unhandelbar und illiquide geworden, obwohl sie in der Vergangenheit durch hohe Liquidität glänzten (Bankenpapiere, AAA-Asset-Backed-Anleihen, Geldmarktpapiere etc.). Eine umsichtige Planung und Disposition der Liquidität kann zwar eine gute Ausgangsposition sicherstellen - vor Überraschungen sind Anleger aber trotzdem nicht gefeit.

Diversifikation Die Wichtigkeit einer sehr hohen Diversifikation bei Obligationen-Anlagen ist durch die Krise glasklar aufgezeigt worden. Fast alle grossen Performance-Abstürze sind auf die Missachtung dieser Anlageregel zurückzuführen. Seit jeher sprechen Statistik und Studien eine klare Sprache: Während bei Aktien das titelspezifische Risiko ab 20 bis 30 Positionen gegen null tendiert, braucht es auf der Obligationenseite rund 150 bis 200 Schuldner, um Gleichwertiges zu erreichen. Der Anforderung einer ausreichenden Diversifikation ist aber nicht allein mit der Anzahl Titel Genüge getan. Enorm wichtig ist ebenfalls eine gute Diversifikation nach Sektoren (Finanzschuldner, Industrie usw.), nach Instrumenten (herkömmliche Unternehmensanleihen und Asset-Backed-Obligationen aus verschiedenen Bereichen), nach Bonität/Rating und selbstverständlich auch bezüglich Liquidität (genügend hoher Anteil an Staatsanleihen bester Qualität). Oft kann dies in der Praxis bei Privatanlegern mittels Einzelanlagen nicht erreicht werden. Hier empfehlen sich deshalb professionell verwaltete Fonds als Lösung.

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Nächste Finanzkrise

Die Beachtung der oben beleuchteten grundlegenden Lehren wird uns in Zukunft sicherlich von grossem Nutzen sein. Eine nächste Finanzkrise wird genau deshalb wohl länger auf sich warten lassen, denn Investoren werden nicht so schnell wieder die gleichen Fehler begehen. Allerdings legt die aktuelle Marktsituation die Saat für die nächsten Sorgen. Aufgrund der grossen Verunsicherung fliesst zurzeit ein viel zu grosser Anteil der Investitionen in Richtung vermeintlich sicherer Staatsanleihen.

Die Renditen bieten hier inzwischen keine angemessene Entschädigung mehr für das mittel-fristige Inflationsrisiko aufgrund der notgedrungen expansiven Geld- und Fiskalpolitik. Antizyklisches und diversifiziertes Investieren in Nicht-Staatsanleihen ist hier die Lösung. Eine zusätzliche Option kann die Beimischung von inflationsgeschützten Anleihen bieten, die das Risikoprofil der Anlagen verbessert. Eine starke und gut durchdachte Diversifikation der Anlagen ist der Kernpunkt einer erfolgreichen und vor allem krisenresistenten Obligationen-anlage. An dieses Prinzip sollten sich Anleger nun möglichst lange erinnern.

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