MICHELIN REIFEN. Ende Jahr liegen rund 1500 Fr. in der Kasse, ohne dass man dafür etwas tun muss. Diesen Sparbatzen gibt es dann, wenn man mit einem 40-Tonner 120 000 km auf Michelin-A2-Energy-Reifen fährt, dies jedenfalls behauptet der Hersteller. Mit ihrem reduzierten Rollwiderstand senken die Sparreifen den Dieselkonsum. Noch höher wird die Wirtschaftlichkeit durch das Ausnutzen der Remix-Runderneuerung und dem Nachschneiden des Profils. Der Rollwiderstand ist die mit dem Reifen verbundene physikalische Kraft, die sich der Fahrzeugbewegung entgegenstellt. Oder einfacher ausgedrückt: Der Rollwiderstand bremst ordentlich. Durchschnittlich rund ein Drittel der Motorkraft schlucken die Reifen. Mit jeder Radumdrehung verformen sich die Gummis, sie verzahnen sich mit dem Untergrund und sie werden durch die Walkarbeit heiss. Das verbraucht viel Energie. Unter dem Strich geht so jede dritte Tankfüllung auf Kosten der Bereifung.

Dass das Thema Rollwiderstand keine trockene Physiktheorie ist, sondern im Transportalltag einen grossen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit eines Lastwagens hat, bewies der Reifenhersteller Michelin im Sommer auf dem firmeneigenen Entwicklungs- und Testgelände in Clermont-Ferrand. Auf dem grossen Rundkurs fuhren zwei baugleiche und gleich schwere 40-Tonnen-Sattelzüge exakt 100 km bei Tempo 80. Der eine war mit neuen Michelin-E2-Reifen für den Regionalverkehr bestückt. Der andere rollte auf den rollwiderstandsoptimierten A2-Energy-Gummis. Ein Notar samt geeichten Messgeräten nahm die Verbrauchswerte auf. Der Energy-Sattelzug war sparsamer. Er verbrauchte auf 100 km exakt 1,66 l Diesel weniger.

Konzeptreifen im Vorteil

Doch die aktuelle A2-Energy-Serie nutzt das Sparpotenzial noch nicht komplett aus. Das zeigte der zweite Versuch, bei dem Michelin als Premiere einen Konzeptreifen einsetzte, der demnächst auf den Markt kommen soll. Zum Duell der Supersparer traten nun zwei identische 18-Tonner an, einer mit A2-Energy-Reifen, der zweite mit dem Michelin-Prototyp auf den Felgen. Bei Tempo 40 kuppelten beide Fahrer aus und liessen die Trucks im Leerlauf ausrollen. Luft- und Rollwiderstand brachten die Lastwagen zum Stehen. Exakt 37,9 m Vorsprung fuhr der Konzept-Reifen heraus.

Anzeige

Mit Profil steigt der Spareffekt

Weniger Rollwiderstand bedeutet weniger Dieselverbrauch. Was bei den Neureifen gilt, erhält im Verlaufe des Reifenlebens eine noch höhere Bedeutung. Der Verschleiss verbessert die Spar-Performance zusätzlich. Durch das Abfahren des Profils vermindern sich zwar Traktion und Bremswirkung, doch gleichzeitig nimmt auch der Rollwiderstand ab. Um den Beweis anzutreten, gingen die beiden Sattelzüge nochmals auf die Rundstrecke. Die Bestückung diesmal: Neureifen A2-Energy im Vergleich zu abgefahrenen, nachgeschnittenen A2-Energy-Pneus. Der Truck mit Altreifen schluckte auf 100 km 1,94 l weniger Treibstoff. Die Mess-Serie machte eine Ausroll-Vergleichsfahrt mit runderneuerten A2-Energy komplett. Das Duell diesmal: Heissrunderneuerte A2-Energy-Remix gegen kaltrunderneuerte A2-Energy. Die heissrunderneuerte Bereifung siegte mit 49,84 m Vorsprung. Unter dem Strich ergibt sich durch den optimalen Reifeneinsatz und die konsequente Nutzung des Nachrillens bzw. Runderneuerns und wieder Nachrillen ein hoher Spareffekt. Michelin rechnet vor, dass über das gesamte A2-Energy-Reifenleben der Dieselverbrauch eines Lastwagens im Vergleich zu konventioneller Bereifung um mehrere Prozente abnehmen kann. Über ein Viertel der Betriebskosten eines schweren Nutzfahrzeuges entfallen auf den Bereich Treibstoff, mit stark steigender Tendenz. Der Minderverbrauch durch Reifen mit einem niedrigen Rollwiderstand summiert sich vor allem bei Flotten zu eindrücklichen Ergebnissen. Bei einem Fuhrpark von 50 Lastwagen und Jahreslaufleistungen von 120000 km beträgt die Ersparnis beispielsweise pro Jahr über 75 000 Fr. Die Verringerung des Rollwiderstands gehört bei Michelin seit Jahrzehnten zu den Entwicklungszielen. 1992 ersetzte der Reifenhersteller als erster Produzent den Russ in der Lauffläche (der als Füllmittel benötigt wird) durch Silica. Dieser innovative Stoff wird aus hochreinem Sand gewonnen und besitzt nach der Verarbeitung besondere Eigenschaften wie zum Beispiel die höhere Widerstandsfähigkeit der Gummimischung. Durch die chemische Verbindung mit einem speziellen synthetischen Elastomer verringert Silica den Rollwiderstand. Die Haftung des Reifens, insbesondere auf nasser Fahrbahn, und die Abriebfestigkeit, also die Dauerhaltbarkeit, bleiben dagegen unverändert gut. Bereits 1994 wurde diese Technologie auch für Lastwagen-Reifen eingeführt und seither ständig weiterentwickelt. Das Michelin Energy-Nutzfahrzeug-Reifenprogramm umfasst aktuell drei Reifentypen, die auf den Bedarf jeder Achse zugeschnitten sind: Michelin XZA 2 Energy, XFA 2 Energy und X Energy XF (mit Michelin Durable Technologies) für die Lenkachse, Michelin XDA 2+ Energy und X One XDA 2 Energy für die Antriebsachse und Michelin XTA 2 Energy und XTA 2+ Energy für die Trailerachse.

Nachschneiden als Variante

Inbegriffen in der Energy-Technologie ist die Möglichkeit des Nachschneidens und des Runderneuerns (Michelin Remix). Dadurch kann die Kilometerleistung eines Reifens deutlich erhöht werden, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen. Michelin hat Lösungen entwickelt, welche die Lebensdauer eines Reifens auf das 2,5-fache verlängern. Gleichzeitig sind 70 bis 75% weniger Rohstoffe erforderlich. Die Runderneuerung mit dem Michelin-Remix-Verfahren ermöglicht es, einen abgefahrenen Reifen wieder zu verwerten. Als einziger Reifenhersteller bietet Michelin die Runderneuerung mit den gleichen Verfahren, Profilen und Gummimischungen wie in der Neuproduktion an, sodass ein Remix-Reifen die gleichen Eigenschaften und Leistungsmerkmale bietet wie ein neuer Reifen.