Die Finanzkrise hat gezeigt, dass die Flexibilität des Geschäftsmodells gerade in sich schnell verändernden Märkten ein entscheidender Faktor für den Geschäftserfolg ist. Dabei ist es wichtig, dass die verschiedenen funktionalen Bereiche der Wertschöpfungskette analysiert und die nötigen Massnahmen festgelegt werden (siehe Grafik). Bei der funktionalen Analyse der kritischen Geschäftsbereiche spielen unter anderem Aspekte wie Kernkompetenz, Differenzierungsmerkmale oder Komplexität der Prozesse sowie die lokale Abhängigkeit, also zum Beispiel Kundennähe oder Länderrisiken, von Tätigkeiten eine zentrale Rolle. Zwei mögliche und oft gewählte Optionen zur Flexibilisierung des Geschäftsmodells sind Shared Services oder Outsourcing. Unter Outsourcing versteht man die Auslagerung von Prozessen, Dienstleistungen und Infrastrukturen, die nicht zu den Kernkompetenzen eines Unternehmens gehören. Immer mehr werden aber auch aus Kompetenzüberlegungen lokale und nationale Outsourcing-Verträge abgeschlossen. Dabei werden einzelne Prozessschritte, die Prozesse für einzelne Produkte oder aber auch ganze funktionale oder technische Bereiche an Drittparteien ausgelagert.

Shared Service Center (SSC) ist ein weiteres Sourcing-Konzept. Unter diesem Begriff versteht man die Konsolidierung und Zentralisierung von Dienstleistungsprozessen innerhalb einer Organisation zur Optimierung der Wertschöpfungskette.

Auf Sourcing setzen

Eine europaweite Studie des Management- und Technologieberatungsunternehmens BearingPoint kommt zum Schluss, dass Shared Services immer mehr zu einem wichtigen Erfolgsfaktor für die Finanzindustrie werden und sich das Modell etabliert hat: Über 40% der bestehenden SSC von Finanzdienstleistern sind bereits seit drei Jahren oder noch länger im Einsatz. Entscheidend für den erfolgreichen Betrieb von SSC sind dabei die Standortattraktivität sowie die Wirtschaftspolitik. Die Befragten geben zudem an, bedeutende Kosteneinsparungen erreicht zu haben. So konnten nahezu vier von fünf Unternehmen ihre Ausgaben um 20% und mehr senken.

Drei Faktoren sind für die Höhe des Sparpotenzials von zentraler Bedeutung:

Erstens spielt die Grösse des Unternehmens eine wichtige Rolle. Kurz gesagt: Je grösser die Organisation, desto höher die Einsparungen.

Zweitens ist die Veränderung des Geschäftsmodells Chefsache. Firmen, die Shared Services oder Outsourcing von oben verordnen, sparen deutlich mehr als diejenigen, welche die Fachbereiche selber über ihre Teilnahme entscheiden lassen.

Der dritte Faktor schliesslich ist zwar unspezifischer, aber nicht minder wichtig: Die Innovationskraft des Unternehmens. Neue Sourcing-Optionen und die Zentralisierung haben aber nicht nur ein hohes Sparpotenzial, sondern können auch die Qualität von Kern- und Supportprozessen von Finanzdienstleistungen erheblich verbessern, indem sie die Standardisierung von Prozessen und Methoden verbessern und mehr Zeit für komplexere Aufgaben freisetzen. Zudem können Innovationen schneller implementiert und realisiert werden. Allerdings müssen die Sourcing-Modelle durch die kontinuierliche Entzerrung der Wertschöpfungskette, strukturelle Veränderungen sowie die anhaltende Finanzmarktkonsolidierung und -regulierung laufend steigenden Ansprüchen gerecht werden.

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Flexibilisierung

Nach der Krise ist immer auch vor der Krise. Daher gilt es, die Flexibilisierung der Geschäftsmodelle voranzutreiben, die Kundenzufriedenheit zu steigern, weitere Prozesse einzubinden und neue Leistungen zu entwickeln, durch die zusätzlicher Mehrwert für die Kunden realisiert werden kann. Die Auseinandersetzung mit der auf das eigene Untenehmen am besten passenden Sourcing-Strategie ist mit Sicherheit ein Schritt in die richtige Richtung.