Das Geschäft ist perfekt: Die britischen Traditionsmarken Jaguar und Land Rover werden indisch. Der US-Autobauer Ford verkauft seine Töchter für 2,3 Mrd Dollar an den Konzern Tata Motors aus Mumbai. Tata sicherte zu, dass es für die 16000 Beschäftigten bei Jaguar und Land Rover keine wesentlichen Veränderungen geben werde und die Identität unangetastet bleibe.

Die Transaktion hat auch für Schweizer Firmen Folgen, etwa für Autozulieferer Rieter. Allerdings keine negativen: Rieter-Finanzchef Urs Leinhäuser betonte bereits, dass ein Verkauf von Jaguar und Land Rover an Tata nichts an der Kundenbeziehung ändert. «Dem ist so», bekräftigt Rieter-Sprecher Peter Grädel jetzt auf Nachfrage. Die Rieter-Division Automotive Systems erzielte mit den an Tata verkauften Ford-Töchtern Land Rover und Jaguar 2007 rund 2,3% Spartenumsatzes von 2,36 Mrd Fr. «Dieser Umsatz, umgerechnet rund 54 Mio Fr., wird künftig mit Tata generiert», erklärt Grädel.

Jaguar gilt als Sorgenkind

Während Land Rover als Perle gilt, steckt Jaguar aufgrund einer verfehlten Modellpolitik, mangelnder Qualität und falscher Markteinschätzung in der Krise. Ford hatte Jaguar im Jahr 1989 für 3,2 Mrd Dollar übernommen und seitdem Verluste in Höhe von geschätzten 10 Mrd Dollar hinnehmen müssen. Der Geländewagenspezialist Land Rover kam im Jahr 2000 für weitere 2,7 Mrd Dollar hinzu. Der Verkauf der beiden Marken wurde Anfang 2007 beschlossen, um das Ford-Kerngeschäft in den USA zu sanieren. Nach zwei Jahren mit Milliardenverlusten will der US-Hersteller 2009 wieder die Gewinnschwelle erreichen. Wie Tata die beiden Premiummarken integrieren will, ist noch offen. Die Inder sind vor allem an Technologie, Vertrieb und Kundenstamm interessiert. Durch den Kauf spart sich Tata bis zu 15 Jahre Entwicklungszeit. Neben den europäischen Marken produziert Tata Lastwagen und Busse für Schwellenmärkte sowie Geländewagen und das jüngst vorgestellte 1700-Euro-Auto Tata Nano.

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