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Ringier: Jeder dritte Franken aus dem Digitalgeschäft

Michael Ringier (li.) und Marc Walder (re.): Die Chefs sind zufrieden. Keystone

Das Medienhaus Ringier macht zwar weniger Umsatz, hat aber sein selbst gesetztes Ziel erreicht. Ein Drittel des Umsatzes erzielt das Unternehmen mittlerweile mit Digitalangeboten.

Veröffentlicht am 15.04.2015

Ringier hat 2014 erstmals über einen Drittel des Umsatzes mit Digitalangeboten erzielt, aber weniger umgesetzt und weniger verdient. Verleger Michael Ringier will trotz erfolgreicher Digitalstrategie und ungewisser Zukunft des Print alles tun, damit Ringier ein Medienunternehmen bleibt.

Der Umsatz sank mit 988,5 Millionen Franken erstmals seit 1999 leicht unter eine Milliarde. Der Gewinn ging von 26,5 auf 21,4 Millionen Franken zurück, wie Ringier am Mittwoch bekannt gab. Als Gründe werden der Verkauf des tschechischen Geschäfts und der AIO Group genannt, zu welcher die Konzertveranstalterin Good News gehört.

Ziel erreicht

Ringier hatte sich für 2014 zum Ziel gesetzt, über einen Drittel des Umsatzes im Digitalgeschäft zu erwirtschaften – mit 32,1 Prozent hat das Medienhaus das Ziel erreicht und den Anteil gegenüber dem Vorjahr um mehr als 6 Prozentpunkte gesteigert.

Für dieses Resultat hat Ringier auch kräftig in den Umbau investiert: insgesamt 1,6 Milliarden Franken seit 2007. Zwei Drittel davon flossen in digitale Zukäufe. So gehören dem Medienhaus heute unter anderem die Autoplattform «AutoScout24», das Schnäppchenportal «DeinDeal» oder der Online-Shop des Zoofachhändlers Qualipet.

Kodak und Kuoni als negative Beispiele

Verleger Michael Ringier gab sich an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich zuversichtlich, dass sein Unternehmen in einigen Jahren nicht nur zu den Überlebenden in der neuen digitalen Welt gehören wird, sondern zu den Gewinnern. Anders als etwa Kodak, Kuoni oder Brockhaus, die den Anschluss verpassten und von Ringier-Chef Marc Walder als negative Beispiele ins Feld geführt wurden.

Gleichwohl seien die traditionellen Medien – das gedruckte Wort und das gedruckte Bild – noch immer das Kerngeschäft, sagte Verleger Ringier. Man werde «alles tun, um ein Medienunternehmen zu bleiben». Doch niemand wisse, was mit den Zeitungen in ein paar Jahre geschehe. Auf die Frage eines «NZZ»-Journalisten antwortete Ringier mit schwarzmalerischem Unterton: Falls es den Print einmal nicht mehr geben sollte, «hat die ‹NZZ› noch ein schönes Gebäude, und wir haben noch ein Unternehmen».

Keine detaillierten Zahlen

Detaillierte Zahlen zum Zeitungs- und Zeitschriftengeschäft gibt Ringier nicht bekannt. Nur so viel: Trotz anspruchsvollen Marktumfelds sei es gelungen, die führenden Marktpositionen zu behaupten. So ist der «Blick» im ersten Jahr mit dem neuen Chefredaktor René Lüchinger nach wie vor die meistgelesene Bezahlzeitung der Schweiz. Auch der «SonntagsBlick» unter Chefredaktorin Christine Maier konnte seine Spitzenposition behaupten. Noch immer auf Eis liegt die Bezahlschranke für das Newsportal blick.ch.

Um seine Position im Schweizer Medienmarkt zu stärken, will Ringier sein Zeitschriftengeschäft in der Schweiz mit dem deutschen Medienkonzern Axel Springer zusammenlegen, zu dem auch die «Handelszeitung» gehört. Dazu soll das Gemeinschaftsunternehmen Ringier Axel Springer Medien Schweiz AG gegründet werden. Diese Gründung muss allerdings von der Wettbewerbskommission gebilligt werden. Marc Walder rechnet mit grünem Licht im Frühherbst.

(sda/ise/chb)

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