Zeitungsverlage werden dem US-Grosskonzern Apple gegenüber immer skeptischer: Denn Applikationen können für das iPad oder iPhone nur über die hauseigene Plattform iTunes heruntergeladen werden. Für diesen Vertriebsweg kassiert der US-Konzern ordentlich - 30% für jede App. Das sehen vor allem Zeitungs- und Zeitschriftenverlage kritisch, die mit Apps für Tablet-Computer endlich Geld im Internet verdienen wollen. Die Berliner Firma Neofonie, die sich mit dem iPad-Konkurrenzprodukt WePad auf den Markt wagt, kann gleich zwei namhafte Verlage als Kooperationspartner vorstellen: Das Medienhaus Ringier («Blick») sowie der deutsche Verlag Gruner+Jahr («Stern», «Geo»). Neofonie bietet den Verlagen an, das Gerät unter ihrem Namen oder dem von Zeitschriften zu vertreiben. Die Idee, die dahintersteckt: Verlage verkaufen das WePad zu einem geringeren Preis im Verbund mit einem Abonnement.

Ab August in Deutschlands Läden

Neofonie-Chef Helmut Hoffer von Ankershoffen hat in den vergangenen Wochen geheimnisvoll getan und damit einen kleinen Hype um das WePad geschürt. Seit Anfang Woche ist nun etwas klarer, wie Hoffers kleine Berliner Softwarefirma Neofonie mit dem Giganten Apple konkurrieren will. Von August an steht das WePad, ein deutscher Tablet-Computer, in den Läden. Bestellt werden kann ab dem 27. April. Das billigste WePad wird umgerechnet knapp 650 Fr. kosten. Die teuerste Version, die via UMTS das Internetsurfen überall möglich macht, wird für umgerechnet gut 800 Fr. angeboten.

Mit der Berliner Firma wagt sich ein erster Konkurrent zu Apples iPad aus der Deckung. Am Samstag vor Ostern war die flache Internetsurf-Box in den USA auf den Markt gekommen. Schon nach wenigen Tagen waren eine halbe Million Geräte verkauft. Das iPad etabliert eine neue Geräteklasse: Ein handliches, flaches Teil zum Surfen, Lesen, Filme schauen und Spielen. Neofonie kooperiert dabei mit dem Prozessorhersteller Intel und Siemens.

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Überraschend hoch scheint der Preis des WePad. Denn mit 650 Fr. dürfte es wohl kaum billiger sein als das Einstiegs-iPad. Dieses kostet derzeit in den USA umgerechnet gut 500 Fr. Zwar dürfte der tatsächliche Verkaufspreis nach dem Start Ende April in Deutschland höher liegen. Doch gewagt scheint es allemal, dass der kleine deutsche Hersteller sich in einer Preisklasse mit Apple bewegt.

WePad als offene Plattform

Allerdings verweist Neofonie in diesem Zusammenhang auf technische Leistungsdaten, die das iPad übertreffen. Dafür ist das Berliner Produkt mit 800 Gramm schwerer als das 680 Gramm schwere iPad.

Zudem gibt sich das WePad offener, für Hardware wie Software. So verfügt der deutsche Tablet-Computer über zwei USB-Anschlüsse und einen Kartenleser. Zudem unterstützt es Software beziehungsweise Formate von Java, Flash und Adobe Air. In der Präsentation betonte Hoffer die Abgrenzung zu Apple. Anders als die Amerikaner geben sich die Berliner als offene Plattform. Das bedeutet, Apps für das WePad sollen über verschiedene Plattformen abrufbar sein, darunter die Google-Entwicklung Android. Dieser Ansatz, für möglichst viele Systeme offen zu sein, ist eine deutliche Kampfansage an Apple.