Das Jahr 2008 war für die Schweizer Pensionskassen mit Abstand das schlechteste Anlagejahr seit Einführung des BVG-Obligatoriums 1985. Überraschend war vor allem das kaum prognostizierbare Ausmass und das kollektive Versagen fast aller Anlagekategorien. Die breite Diversifikation über verschiedene Anlageklassen hat nicht wie erhofft zu einer Verringerung des Risikos beigetragen. Viele Kassen sind verunsichert und stehen vor der Frage, was zu tun ist.

Mehrheit in Unterdeckung

Gemäss Erkenntnissen aus dem AWP/Complementa Risiko Check-up 2009 musste die Mehrheit der Kassen im vergangenen Jahr Deckungsgradverluste von -10% bis -20% hinnehmen. Ende 2008 sind 56% der privaten Kassen und 85% der öffentlich-rechtlichen in einer Unterdeckung (vergleiche Grafik). Sanierungsmassnahmen sind für viele Kassen unausweichlich und hängen von der «Gesundheit» der Kassen ab. Während sich viele strukturell gesunde, junge Kassen mit stabilen positiven Cashflows und wenigen Rentenempfängern auf die Hoffnung besserer Kapitalmärkte verlassen und allenfalls eine Überarbeitung der Anlagestrategie in Betracht ziehen, reichen diese Massnahmen für strukturell schwache, überalterte Pensionskassen oftmals nicht aus.

Negative Cashflows bald normal

Als grosses Problem erweist sich bei solchen Kassen der negative Cashflow, der die Sollrendite bei tiefem Deckungsgrad ansteigen lässt und damit eine Sanierung massgeblich erschwert. Per Ende 2008 wiesen bereits 46% aller Kassen negative Cashflows aus. In wenigen Jahren dürften aufgrund der demografischen Entwicklung negative Cash Flows zum Normalfall werden. Der «Schutz» des Deckungsgrades wird deshalb weiter an Bedeutung gewinnen. Mit einem aktiven Risikomanagement können sich die Kassen in Krisenzeiten behaupten. Dabei soll «Schutz» des Deckungsgrades aus Sicht der Autoren nicht im Sinne eines 100%-Kapitalschutzes verstanden werden, sondern vielmehr als Ziel, das es mittels Risikomanagement stets im Auge zu behalten gilt. Hierbei stehen folgende Faktoren im Vordergrund:

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1. Zielorientierte Definition einer Anlagestrategie:

Die Definition der geeigneten Anlagestrategie hat höchste Priorität. Sie bestimmt das Erreichen des Anlageziels, während taktische Entscheide und Selektionseffekte durch die Portfolio-Manager kaum eine Rolle spielen.

Abstimmung der Anlagestrategie auf die Soll- und Zielrendite einer Pensionskasse.

Umsichtig prüfen (u.a. mit Stresstest), wie die Strategie in verschiedenen Situationen reagiert.

2. Führungstaugliches konsolidiertes Reporting und Investment-Controlling:

Umfassendes und aussagekräftiges Performance-Reporting über alle Anlagen bildet die Voraussetzung für wirksames Risikomanagement.

Nicht Umfang und Detaillierungsgrad des Reportings sind, sondern die korrekte Abbildung der ökonomischen Realität ist entscheidend.

Ein führungstaugliches Reporting ist Grundlage für ein effektives Investment-Controlling, welches den Stiftungsrat bei der Beurteilung der Situation und beim Ergreifen von Massnahmen unterstützt.

3. Definition von Interventionspunkten:

Die Definition von Interventionspunkten bezüglich des Deckungs- grads erweist sich in Krisen als hilfreich.

Je schlechter eine Kasse saniert werden kann, desto höher sollten die Interventionspunkte liegen.

Interventionspunkte ermöglichen ein frühzeitiges aktives Auseinandersetzen mit Problemsituationen für das Führungsgremium.

Mögliche Massnahmen reichen von Absicherungen von Risiken durch Derivate über Strategieanpassungen bis hin zu erhöhter Überwachungsfrequenz und der Ausarbeitung von vorzeitigen Sanierungsmöglichkeiten.

4. Aktive Wahrnehmung der Führungsverantwortung seitens des Stiftungsrates:

Ganzheitliches Risikomanagement bedeutet auch aktive Wahrnehmung der Führungsverantwortung des Stiftungsrates.

Bei Bedarf Hinzuziehen von externen Experten.

Die aktuelle Lage bestimmt den Sitzungsrhythmus.

Erfolg in stürmischen Zeiten

Diese Ansatzpunkte werden nicht verhindern können, dass Pensionskassen auch bei einer nächsten Finanzkrise Verluste erleiden werden. Sie bieten aber eine Navigationshilfe im Sturm.