Das Financial Stability Board (FSB) hat zwölf Standards identifiziert, welche entscheidend für ein gesundes Finanzsystem sind. Die drei Kategorien, denen diese Standards zugeordnet werden, umfassen makroökonomische, institutionelle und regulatorische Bereiche. Zu Letzteren zählen nach Ansicht des FSB die internationalen Prüfungsstandards (ISA) und die internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IFRS): Dies unterstreicht die Bedeutung der Finanzberichterstattung und deren Prüfung. Die Finanzberichterstattung kann aber nicht isoliert betrachtet werden, wie verschiedene Initiativen zum Thema Business Reporting zeigen: Neben finanziellen Belangen müssen Unternehmungen auch gesellschaftliche und ökologische Aspekte in der Berichterstattung berücksichtigen. Damit werden nicht nur Aktionäre, sondern auch andere Anspruchsgruppen adressiert.

Roter Faden fehlt

Gleichzeitig ist aber auch hervorzuheben, dass die vordringliche Aufgabe eines jeden Verwaltungsrats die Leistungserbringung (Performance) ist und er sich nicht ausschliesslich mit der Einhaltung von vielerlei Vorschriften (Compliance) begnügen kann. Die Kommunikation mit firmenexternen Parteien müsse verbessert werden - so die gemeinsame Stossrichtung der Initiativen zum Business Reporting.

Die finanzielle Berichterstattung soll ein getreues Abbild der Geschäftstätigkeit vermitteln und damit Auskunft über die Umsetzung der Unternehmensstrategie geben. Was einfach tönt, scheint in der Praxis einige Schwierigkeiten zu bereiten: Eine vor Kurzem in England durchgeführte Analyse hat ergeben, dass die Qualität der Angaben in den Jahresrechnungen kotierter Gesellschaften in Bezug auf strategische Schwerpunkte, Key Performance Indicator (KPI) und wesentliche Risiken erfreulich ist. Diese Angaben bleiben jedoch Bruchstück, weil sie nicht in einen grösseren Kontext gestellt werden: So hat nur jede fünfte Gesellschaft für den Bilanzleser ersichtlich Strategie und finanzielle Berichterstattung verknüpft und nur bei jeder zehnten Gesellschaft war ein Zusammenhang zwischen Entlöhnung und Strategie bzw. KPI ersichtlich. Was fehlt, ist der rote Faden, der es dem Leser der Finanzberichterstattung erlaubt, die Zusammenhänge zwischen der Unternehmensstrategie, den sich daraus ergebenden Risiken und den daraus resultierenden finanziellen Auswirkungen zu erkennen. Diese Feststellung ist von Bedeutung, weil ein wichtiges Ziel der Finanzberichterstattung (nach True and fair view) darin besteht, den Investoren relevante Informationen im Hinblick auf Investitionsentscheidungen zu vermitteln. Es ist einsichtig, dass die Anforderungen an die finanzielle Berichterstattung in Abhängigkeit der Grösse und der wirtschaftlichen Bedeutung einer Unternehmung definiert werden müssen. Dies widerspiegelt sich auch in den bestehenden Vorschriften zur Berichterstattung über Risiken: Im Obligationenrecht findet sich keine Vorschrift, welche eine Offenlegung von Risiken im Anhang der Jahresrechnung fordern würde. Es wird einzig verlangt, dass der Verwaltungsrat Angaben über die Durchführung einer Risikobeurteilung macht. Aussagen zu Risiken finden sich allenfalls noch im Jahresbericht, in dem die wirtschaftliche und finanzielle Lage dargestellt werden muss.

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Blick in die Zukunft

Der Schweizer True-and-fair- view-Rechnungslegungsstandard, Swiss GAAP FER, verlangt, dass der Verwaltungsrat im Jahresbericht die zukünftige Entwicklung der Unternehmung «vor allem auch bezüglich Chancen und Risiken» kommentiert. Über Umfang und Detaillierungsgrad schweigt sich der Standard aber aus. Viel weiter gehen in diesem Bereich die IFRS, die eine qualitative Beschreibung der Risikopolitik des Unternehmens (gegliedert nach Ausfall-, Liquiditäts- und Marktrisiken) und umfangreiche qualitative Angaben zu den drei Risikogruppen verlangen. In diesem Zusammenhang ist aber auch zu beachten, dass zu detaillierte Regelungen die Gefahr bergen, den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr zu sehen. Die amerikanischen Rechnungslegungsprofessoren Palepu und Healy sehen bei einer Überregulierung sogar die Gefahr, dass damit ein getreues Abbild der wirtschaftlichen Lage nicht mehr möglich ist. Dieser Befund deckt sich mit dem zunehmend festgestellten Unbehagen über die äusserst umfangreiche Berichterstattung, beispielsweise nach IFRS oder US GAAP.

Beitrag der Wirtschaftsprüfung

Angesichts des geäusserten Unbehagens sind Lösungen nicht in zusätzlichen Regulierungen zu suchen. Vielmehr geht es im Hinblick auf eine aussagekräftige Berichterstattung darum, die bestehenden Informationen besser aufeinander abzustimmen. Jüngst hat das englische Financial Reporting Review Panel eine solche Berichterstattung wie folgt charakterisiert: A single story, How the money is made, What worries the Board, Consistency, Cut the Clutter, Clarity, Summarise, Explain change, True and fair. Diese Punkte zielen alle auf den bereits eingangs erwähnten roten Faden in der Finanzberichterstattung ab.

Im Rahmen der Prüfung der Jahresrechnung muss der Wirtschaftsprüfer die Risiken einer wesentlichen falschen Angabe in der Jahresrechnung identifizieren. Zudem hat die Revisionsstelle den gesetzlichen Auftrag, die Anhangsangaben zur Durchführung einer Risikobeurteilung zu prüfen. Damit verfügt der Wirtschaftsprüfer über vertiefte Kenntnisse bezüglich der Risikosituation einer Unternehmung. Indem er auf Unstimmigkeiten zwischen der Finanzberichterstattung und beispielsweise den Aussagen zur Strategie der Unternehmung im - nicht prüfungspflichtigen - Geschäftsbericht hinweist, kann er einen wichtigen Beitrag zu einer aussagekräftigen und qualitativ guten Berichterstattung leisten.