Hat das Riskmanagement bei den von der Hypothekenkrise betroffenen Banken versagt oder waren die Mechanismen des Riskmanagements ungenügend? Wahrscheinlich spielten beiden Elemente mit, wobei selbst das beste Riskmanagement keinen 100-prozentigen Schutz vor Verlusten bieten kann.

Eigentlich ist gegen das Eingehen von Risiken nichts einzuwenden, wenn der Anleger dafür eine adäquate Rendite erhält. Genau da aber liegt das Problem: Viele Anleger hielten den Kauf bestimmter Kapitalmarktprodukte angesichts attraktiver Ratings, Eigenkapitalquoten und Gewinnprognosen für ein gutes Geschäft. Ein sorgfältiges Riskmanagement hätte die zugrunde liegenden Risiken dieser Investments aufgedeckt und das Verlustpotenzial begrenzt.

Zu stark auf Ratings verlassen

Viele Firmen haben sich auf Ratingagenturen verlassen und besassen keine tiefe Kenntnis der Produkte, in die sie investierten. Zu diesem Zweck sollte eine gründliche Analyse der Produkte unter Abwägung des Risiko-Chancen-Profils durchgeführt werden. Es empfiehlt sich, externe Riskmanagement-Berater anzufragen oder eine eigene Riskmanagement-Abteilung einzurichten.

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Ebenso wichtig sind Technologie- und Informationsmanager und die zugehörigen Investitionen in technische Infrastruktur, die eine portfolio- und produktübergreifende Transparenz ermöglicht. Denn ein Riskmanager kann nur dann effektiv arbeiten, wenn ihm transparente, hochwertige Informationen zur Verfügung stehen.

Den Überblick behalten

Ausserdem sollten sich Riskmanager nicht zu sehr auf einzelne Parameter konzentrieren, da die Risikokennzahlen von der jeweiligen Perspektive abhängig sind. Zum Beispiel unterliegen strukturierte Kreditprodukte (CDO) zwar einem Zinsänderungsrisiko, sind aber vor allem mit einem Kreditrisiko verbunden. Der Anleger muss deshalb die Risiken in ihrer Wechselwirkung verstehen. Er muss auch die Grenzen der einzelnen Riskmanagement-Modelle kennen und gleichzeitig eine gesunde Dosis Intuition walten lassen. Zudem sollten die Modelle kontinuierlich an neue Strukturen und Produkte auf dem Markt angepasst werden.

Riskmanagement beginnt mit der Risikomessung, die das Ausmass der Risiken und die Beziehungen zwischen den verschiedenen Wertpapierklassen sichtbar macht. Es ist Aufgabe des Riskmanagers, diese Ergebnisse im Portfoliomanagement konkret umzusetzen. Da Portfolio- und Riskmanagement eng zusammenspielen, sollte Letzteres nicht ausgelagert werden. Dagegen ist es sinnvoll, die Risikomessung an Externe zu vergeben, da der Aufbau der notwendigen Infrastruktur sehr kostenaufwendig ist. Externe Anbieter garantieren nicht nur die Qualität und bringen neue Ideen ein, sondern gewähren dem Riskmanager auch die nötige Transparenz, die ein effektives Riskmanagement ermöglicht.

Mit der verstärkten Komplexität der Portfolios und Kapitalmarktprodukte steigen die Anforderungen an die Eingangsdaten für die Risikoanalyse. Alle Anleger sind daher gut beraten, kontinuierlich in ein wirkungsvolles Riskmanagement zu investieren.