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Mobilität
Roboter geben Gas: Der Schweiz winken Milliarden

Selbstfahrende Autos werden die Innenstädte erobern, sagt ETH-Forscher Emilio Frazzoli. Sie werden Carsharing massentauglich machen und Pendlern Zeit schenken. Der Wirtschaft brächte das Milliarden.

Von David Vonplon und Sven Millischer
2017-06-07

Eigentlich sollten im Hangar 3 in Dübendorf bereits die ersten Roboterautos herumkurven. Stattdessen ist die alte Militärhalle immer noch eine Baustelle. Denn in den denkmalgeschützten Gebäuden fand man Asbest. Die Sanierung dauert noch eine Weile.

Wo einst Militärjets gewartet wurden, werden schon bald selbstfahrende Gokarts ihre Testrunden drehen. Herr über die Robocars ist der 47-jährige Emilio Frazzoli. Die ETH Zürich konnte die Koryphäe für autonomes Fahren vom Massachusetts Institute of Technology in Boston abwerben. Nicht zuletzt, weil man ihm den alten Hangar auf dem Flugplatz Dübendorf für seine selbstfahrenden Autos versprochen hatte. Sein Forschungslabor für autonomes Fahren soll das Herzstück des neuen Innovationsparks der ETH werden, der künftig zwei Dutzend Firmen beheimaten wird.

Selbstfahrende Taxiflotte in Singapur

Frazzoli ist nicht nur Forscher, er ist auch Unternehmer. So amtet er als Mitgründer und Technikchef für das Mobilitäts-Startup Nutonomy. Bereits im kommenden Jahr will das amerikanische Startup eine selbstfahrende Taxiflotte auf Singapurs Strassen bringen. Der ETH-Professor ist überzeugt: «In 15 bis 20 Jahren wird jedermann selbstfahrende Autos nutzen.»

Diese Aussicht provoziert Ängste. Robo-Cars vernichten Arbeitsplätze, weil sie Taxifahrer überflüssig machen, so die Standard-Kritik. Diese entkräftet nur zu gerne mit einem Beispiel: Würde die Weltbevölkerung ausschliesslich Taxi-Dienste wie Uber nutzen, dann müsste jeder siebte Erdenbürger (vom Baby bis zum Greis) als Taxifahrer arbeiten – was schlicht nicht zu realisieren wäre. Übernehmen aber Robo-Cars das Steuer, setzt dies Ressourcen frei für produktivere Tätigkeiten. Indem die Menschen ihre Zeit nicht am Steuer verbringen, sondern die Fahrt anderweitig nutzen.

Autonome Mobilität bringen der Wirtschaft 60 Milliarden Franken

Alleine für die Schweiz schätzt Frazzoli den Produktivitätsgewinn auf 37,5 Milliarden Franken jährlich, auch wenn der Bedarf an autonomen Fahrzeugen kleiner sein. Demgegenüber stehen die Lohneinbussen im Taxigewerbe von etwa 150 Millionen Franken.  Aber nicht nur die Arbeitswelt wird das autonome Fahren verändern, auch die Autoindustrie selbst. «Es wird weniger Fahrzeuge brauchen, aber diese Fahrzeuge werden viel mehr Kilometer zurücklegen als die heutigen PKW, welche die meiste Zeit in der Garage stehen», sagt Frazzoli.

Unter dem Strich dürfte die Entwicklung für die hiesige Autozulieferindustrie jedoch negativ ausfallen: Die Umsatzverluste «sich nicht anpassender Automobilzulieferer» dürften jährlich rund 6 Milliarden Franken betragen. Zwar dürfte sich also die zurückgelegte Strecke von Robo-Cars erhöhen. Gleichzeitig reduzieren autonome Carsharing-Flotten aber den Flächenverbrauch des Individualverkehrs: Heute kommen auf jedes Auto zwei bis drei Parkplätze.

Unter dem Strich überwiegen die positiven ökonomischen Effekte einer autonomen Mobilität auf die hiesige Volkswirtschaft. Die möglichen, jährlichen Wertsteigerungen beziffert Frazzoli auf rund 60 Milliarden Franken. Profitieren würden auch Pendler. Ihnen winken Zeitersparnisse und Produktivitätssteigerungen, wenn die Autos ohne Lenker fahren.

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