Ein Knall - und der Stuhl zerfällt in seine sechs Einzelteile. Dann beginnt sich der Sitz zu bewegen. Zunächst im Kreis. Sobald er realisiert hat, wo sich die Lehne und die vier Beine befinden, bewegt er sich mit einer unglaublichen Präzision auf die einzelnen Teile zu, dockt sie an - und der Robotic Chair steht wieder. Ihn haben Raffaello DAndrea, Professor am Institut für Mess- und Regeltechnik (IMRT) der ETH Zürich, Matt Donovan, Industrial Designer und Artist in Residence am IMRT, sowie Max Dean, Künstler aus Toronto, entwickelt.

Den Zuschauern im Zürcher Cabaret Voltaire ist es ähnlich ergangen wie dem König von Spanien. Der Robotic Chair war an einer Messe ausgestellt, die Juan Carlos I. besuchte. Vom Knall des auseinanderfallenden Stuhls aufgeschreckt, blieb er stehen, liess sich vom Schauspiel in den Bann ziehen und brachte den Zeitplan völlig durcheinander.

Die Frage, die sich die Unternehmer wie Sonova-CEO Valentin Chapero oder Carsten Henkel, Managing Partner von Roland Berger, angesichts dieser wissenschaftlichen Spielerei stellen, lautete: Kunstwerk oder Grundlagenforschung? «Spielt keine Rolle», meinen die Schöpfer des Robotic Chair. Ihre Kreation rege die Phantasie an, lade zum Verweilen und Nachdenken ein - und führe zu neuen Geschäftsideen. DAndrea hat Logistikroboter entwickelt, die sich autonom in Lagerhallen bewegen, in denen normalerweise Menschen auf Hubstaplern Waren von Gestell zu Gestell transportieren. «Kiva Systems» nennt sich die Firma. Und was wie ein Spiel aussieht, ist erfolgreicher Ernst.

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