Gegen Ende des Jahres ist es auf dem globalen Markt der Übernahmen und Fusionen (Mergers & Acquisitions, M&A) nochmals zu zwei Paukenschlägen gekommen. Der angekündigte Kauf von 21st Century Fox durch den Walt-Disney-Konzern für über 66 Milliarden Dollar Mitte Dezember 2017 reihte sich direkt hinter der grössten Übernahme des Jahres ein, die Anfang Dezember bekannt gegeben wurde. Damals kaufte die amerikanische Drogerie- und Pharmaziekette CVS Health den US-Krankenversicherer Aetna für 69 Milliarden Dollar. Mit diesen beiden Mega-Deals zum Jahresende stieg das totale Volumen der Transaktionen 2017 auf rund 3500 Milliarden Dollar und damit praktisch auf das ebenfalls starke Vorjahresniveau (siehe Übersicht aller Schweizer Deals unten).
 
Auffallend im Jahr 2017 war die deutlich geringere Aktivität der chinesischen Investoren. Nachdem das Reich der Mitte 2016 mit Investitionen im Ausland noch ein Rekordvolumen erzielt hatte, hat die Akquisitionslust 2017 deutlich abgenommen. Mit 150 Milliarden Dollar ging der Wert gegenüber dem Vorjahr um knapp einen Drittel zurück. Grund für die neue Bescheidenheit ist die Politik der Regierung in Peking, die Zukäufe im Ausland besser zu kontrollieren und das überbordende Kaufinteresse einiger Akteure in geordnete Bahnen zu lenken. Zu denken ist dabei unter anderem an die chinesische HNA, die in den vergangenen Jahren auch stark auf dem hiesigen Markt aufgetreten ist und Firmen wie SR Technics, Gategroup oder Swissport übernommen hat. Inzwischen ist der Konzern gezwungen, Assets zu verkaufen, um seine Finanzen ins Lot zu bringen.

 
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Aktive Technologiefirmen

 

Auch in der Schweiz zeigte sich der M&A-Markt in einer robusten Verfassung. Laut einer Auswertung von The Corporate Finance Group wurden im vergangenen Jahr 722 Transaktionen vermeldet, bei denen Schweizer Unternehmen beteiligt waren. Hierzu zählen auch Management Buyouts sowie Beteiligungen. Dies entspricht einem Plus von knapp 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Was das Transaktionsvolumen betrifft, so ging der Wert allerdings um 20 Prozent auf 68,46 Milliarden Franken zurück. Das Volumen ist jedoch stark von einzelnen Deals abhängig. So zahlte Chemchina 2016 43,3 Milliarden Dollar für den Agrochemiekonzern Syngenta. Die grösste Transaktion im vergangenen Jahr, die Übernahme von Actelion durch Johnson & Johnson, schlug dagegen nur mit rund 30 Milliarden Dollar zu Buche. Dabei handelte es sich um den weltweit sechstgrössten Deal 2017.
 
Besonders betriebsam zeigte sich die IT-, Medien- und Telekombranche. Hier wurden insgesamt 140 Transaktionen vollzogen respektive über 57 Prozent mehr als im Vorjahr. Ebenfalls sehr aktiv waren die Konsumgüterfirmen und der Detailhandel mit 100 Deals, gefolgt von der Industrie mit 91 sowie Chemie, Bau und Rohstoffe mit 85.
 

Trend gen Digitalisierung unterstrichen

 
Die zahlreichen M&A-Deals von hiesigen Technologiefirmen unterstreichen einen Trend, der auf die zunehmende Digitalisierung zurückzuführen ist. «Es zeichnet sich ab, dass innovative Firmen, die die Digitalisierung voranbringen, neue Technologien entwickeln oder im Bereich der künstlichen Intelligenz tätig sind, zukünftig vermehrt akquiriert werden», erklärt Hanspeter Gehrer, Leiter Corporate Finance bei Vontobel.
 
Trotz den spektakulären Übernahmen von Schweizer Grosskonzernen wie Actelion oder 2016 Syngenta täuscht der Eindruck eines Firmenausverkaufs ins Ausland. Wie in den Vorjahren waren 2017 die hiesigen Betriebe stärker in der Fremde auf Einkaufstour als umgekehrt. So betrafen 41 Prozent der Übernahmen mit Schweizer Beteiligung ausländische Betriebe gegenüber 30 Prozent, die ins Ausland gingen.