Der Schweizer Pharmakonzern Roche will die amerikanische Foundation Medicine (FMI) ganz übernehmen. Für den noch nicht in ihrem Besitz stehenden Minderheitsanteil an der Gentest-Firma bieten die Basler eigenen Angaben vom Dienstag zufolge 2,4 Milliarden Dollar.

Der Angebotspreis von 137 Dollar je Aktie in bar entspreche einer Prämie von 29 Prozent zum FMI-Schlusskurs des Vortages. Der FMI-Verwaltungsrat unterstütze die Transaktion.

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An der Börse sorgte die Nachricht für gute Stimmung. Während der Swiss Market Index auf ein Jahrestief fiel, zogen die Genussscheine von Roche an. Um 0,5 Prozent. Das Papier ist der einzige Wert, der der allgemeinen Negativstimmung trotze.

Roche war bereits 2015 bei der Firma aus Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts eingestiegen. Die Struktur der Zusammenarbeit sei mit Bedacht gewählt worden, hiess es seinerzeit. Damit die US-Firma seine Agilität und Flexibilität bewahren könne. Eine Vollübernahme stand lange nicht zur Diskussion.

Neue Kauflust aus Basel

Und nun also doch. Roche will die volle Kontrolle und ist bereit, das Portemonnaie weit zu öffnen.

Die neue Kauflust aus Basel ist ein Zeichen der Zeit. Die digitale Transformation hat längst auch die stark regulierte und deshalb als sehr konservativ geltende Pharmaindustrie erfasst.

Bereits als Roche das ursprüngliche Investment tätigte, kommentierte EY-Experte Frank Kumli in der «Handelszeitung», dass sich Pharma-Welt «schnell und radikal» ändere. Die Transformation werde alles auf den Kopf stellen, was in der Pharmaindustrie zähle. Von der Produktion über Marketing und Zulassungsprozesse bis hin zu Forschung und Entwicklung.

Dabei betrifft der Wandel nicht nur die Firmen: Patienten winken individuell auf sie zugeschnittene Behandlungsmethoden und mehr Möglichkeiten, der Industrie die Richtung zu weisen. Das zeigt auch ein Beispiel aus der Branche, das bereits einige Jahre zurückliegt.

Vorteil gegenüber der Konkurrenz

New Jersey, Hauptsitz der amerikanischen Merck, im Sommer 2012: Das für die Impfstoffproduktion verantwortliche Team ist beunruhigt. Die Ausschussquoten steigen. Das kostet. Das Team tut, was man macht in solchen Fällen: Es kämpft sich durch einen Wust von Produktionsdaten. Es geht um Luftdruck, Temperatur und andere von den Systemen aufgezeichnete Variablen. Doch das Sortieren der Daten dauert Monate und die Speicherkapazitäten sind nach kürzester Zeit erschöpft. 

Die Lösung heisst Hadoop. Die auf den Amazon Web Services laufende Software-Plattform ermöglicht die Datenanalyse im Bereich von Petabyte, was 1000 Terabyte entspricht. Es geht also um sehr grosse Datenmengen.

Wir haben alle verfügbaren Daten genommen, von den Labors, den Begleitsystemen, aktuelle und aus der Vergangenheit, und sie ganz einfach in den Datensee geworfen, sagt der IT-Verantwortliche George Llado.

Drei Monate, 15 Millionen Rechenoperationen und 5,5 Millionen Chargenvergleiche später weiss das Unternehmen nicht nur, was in der Produktion schiefläuft. Es kann auch die Konsequenzen für die Produktion künftiger Impfstoffe ziehen – ein gewaltiger Vorteil gegenüber der Konkurrenz. 

(sda/ise/rai)