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Digitalisierung
Roche-Chef Schwan warnt vor übertriebenem Datenschutz

Roche-CEO Severin Schwan
Roche-Chef Severin Schwan: «Die USA sind viel schneller.»Quelle: Gabriel Hill

Unternehmen wie die datengetriebene Flatiron könnten heute in Europa nicht entstehen, sagt Schwan. Ihn erinnere die Diskussion um die Digitalisierung an den Streit um die Gentechnik.

Veröffentlicht am 02.06.2018

Severin Schwan warnt davor, dass Europa den Anschluss beim Geschäft mit «Big Data» verliert. Als Beispiel nennt er die elektronischen Patientendossiers. «In Europa dauert es viel zu lange, bis eine solche Idee umgesetzt ist,» sagt der Roche-CEO in einem Interview mit der «Basler Zeitung». «Die USA sind da viel schneller.»

Datenschutz sei zwar wichtig, betont Schwan. Aber die Digitalisierung sei eine Realität «ob wir es wollen oder nicht». Würde Europa in diesem Thema vorangehen, könnte man die Digitalisierung zumindest mit den eigenen kulturellen Vorstellungen mitprägen.

Ein Unternehmen wie Flatiron, die sich auf Datenmanagement in der Krebstherapie konzentriert, hätte in Europa gar nicht entstehen können, sagt Schwan. «Einfach weil die Daten nicht vorliegen.» Roche hatte Flatiron im Februar für 1,9 Milliarden Dollar gekauft und verspricht sich Einiges von der Übernahme, wie ein Besuch der Handelszeitung zeigte.

Geklonte Zombies in den Strassen

Schwan warnt vor übertriebenem Datenschutz. «Wenn wir heute in Europa über die Digitalisierung reden, erinnert mich das manchmal an die Neunzigerjahre, als man über die Gentechnik stritt», sagt der Roche-Chef. Damals habe man «schon geklonte Zombies durch die Strassen wanken» sehen.

Zum Glück habe sich die Schweiz damals gegen ein Technologieverbot in der Gentechnologie entschieden. «Wäre es anders herausgekommen, gäbe es Roche in der heutigen Form nicht.»

Das Basler Pharma-Unternehmen erziele heute 70 Prozent der Umsätze mit biotechnologisch hergestellten Produkten. «Wäre das verboten, würden wir hier nicht mehr viel investieren. Die Biotechnologie hat unsere Branche verändert – und die Digitalisierung wird das auch tun.»

Zuversichtlicher Blick auf die Patentklippe

Schwan blickt zuversichtlich auf den anstehenden Ablauf zahlreicher wichtiger Patente. Medikamente mit einem jährlichen Umsatz von 20 Milliarden Franken verlieren demnächst ihren Schutz. «Dass Patente auslaufen, gehört zu unserem Geschäft», konstatiert er. «Aber in dieser Häufung haben wir das noch nicht erlebt.»

Roche sei aber «so produktiv wie nie». In den vergangenen zwei Jahren seien sechs Medikamente frisch auf den Markt gekommen. Normalerweise lanciere man in dieser Zeit «zwei, drei, vielleicht vier neue Produkte.» Zudem sei die Entwicklungspipeline voll mit Produkten in späten Phasen. «Stand heute bin ich zuversichtlich, dass wir den Umsatz steigern können», betont Schwan. (hec)

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