Indiens Regierung nimmt den zweitwichtigsten Umsatzträger des Basler Pharmakonzerns Roche ins Visier. Wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet, hat das Patentbüro in Kalkutta vor zwei Wochen den Patentschutz für das Brustkrebsmedikament Herceptin teilweise aufgehoben.

Mit diesem erzielte Roche im vergangenen Jahr einen weltweiten Umsatz von 5,9 Milliarden Franken. «Es gibt einen Entscheid vom 17. Juli gegen Teilpatente von Herceptin, mit der Begründung Roche habe diese Teilpatente nicht ordnungsgemäss eingereicht», wird Roche-Sprecher Daniel Grotzky zitiert. Welche Patentteile entzogen wurden, verrät er nicht.

Sofern sie die Zusammensetzung des Medikaments oder wichtige Teile des Produktionsverfahren betreffen, bedeutet der Entzug von Teilpatenten faktisch den Entzug des Patentschutzes für Herceptin. Der Fall beschäftigt nun die Anwälte des Konzerns. Sie sind daran, die Chancen einer Klage abzuwägen. «Wir prüfen das und überlegen uns die nächsten Schritte», sagt Grotzky.

Auch Novartis unter Beschuss

Für Roche könnte es noch dicker kommen. Denn laut der grössten englischsprachigen Zeitung «Times of India» beantragt das Gesundheitsministerium, Herceptin den Patentschutz ganz zu entziehen.

Der Fall erinnert an den jahrelangen Patentstreit des Basler Pharmakonzerns Novartis mit Indien. Erst im April hatte das oberste Gericht Indiens eine Klage von Novartis gegen die Nichterteilung eines Patents für das Krebsmedikament Glivec abgewiesen.

(vst)