1. Home
  2. Unternehmen
  3. Rohner: Kritik an Schweizer Corporate Governance

Rohner: Kritik an Schweizer Corporate Governance

Marcel Rohner vor dem Ausschuss in London. (Bild: Screenshot parliamentlive.tv)

Der ehemalige UBS-Chef Marcel Rohner hat sich den Fragen eines britischen Parlamentsausschusses zur Libor-Affäre gestellt. Er gab sich reumütig - kritisierte aber auch den bremsenden Einfluss des Verw

Veröffentlicht am 10.01.2013

Die britische Politik untersucht die Libor-Affäre: Gegenüber einer Untersuchungskommission des Parlamentes musste sich heute der ehemalige UBS-Konzernchef Marcel Rohner rechtfertigen. 

Dabei wurde ein Artikel des «Wall Street Journal» zum Thema. So störten sich die anwesenden Parlamentarier daran, dass ein Enthüllungsbericht des Wirtschaftsblattes im Frühling 2008 bei Marcel Rohner keine Alarmsignale auslösten.

Der frühere Topbanker und dessen Kollege Jerker Johanssen - ehemaliger Vorsitzender der UBS-Investmentbank - konnten sich auf diese Kritik lediglich damit rechtfertigen, dass sie im Zuge der Finanzkrise andere Schwierigkeiten innerhalb der Bank zu bewältigen hatten - insbesondere die schmale Kapitaldecke. 

«Wir haben so gut gehandelt, wie wir konnten»

Die aufgebrachten Politiker liessen diese Antwort aber nicht gelten. Sie wollten von den ehemaligen UBS-Chefs wissen, ob sie die hohen Gewinne aus den strukturierten Libor-Geschäften nicht hätten hinterfragen müssen. In normalen Zeiten sei dies der Fall gewesen, antwortete Rohner. «Aber wir kämpften damals ums Überleben.»

Er sei voll mit der Bewältigung der Krise beschäftigt gewesen, die milliardenschwere Verluste beschert habe. Aus Zeitmangel habe er deshalb nicht alle warnenden Zeitungsartikel lesen können. «Ich war nicht alarmiert», sagte Rohner.

«Ich übernehme die Verantwortung für all das», sagte Rohner. Dies seien zum Teil auch Gründe für seinen Rücktritt von der UBS-Spitze gewesen. Den Vorwurf der Sorgfaltspflichtverletzung wies Rohner aber zurück. «Wir haben so gut gehandelt, wie wir konnten.»

Rohner: Wurde vom Verwaltungsrat aufgehalten

Daraufhin wollten die Politiker über die Strategie der UBS im Investmentbanking debattieren. Marcel Rohner räumte hierzu ein, eines Tages zum Schluss gekommen zu sein, dass die UBS ihr «Geschäftsmodell ändern» müsse. Darüber hinaus wollte ein Mitglied der Untersuchungskommission von Johanssen wissen, welches Personal rekurtiert wurde und auf welche Geschäftskultur diese neuen Mitarbeiter trafen.

In diesem Zusammenhang wollten die Mitglieder des Ausschusses zudem Einzelheiten über das ethische Verhalten der Investmentbanker erfahren. Allerdings gingen sowohl Marcel Rohner wie auch Jerker Johanssen nur bruchstückhaft auf diesen zentralen Punkt ein.

Derweil schien Rohner ob der Fragen der britischen Politiker zunehmend genervt. Ausserdem kritisierte er das Kontroll- und Aufsichtssystem innerhalb von Schweizer Banken. Das zwei Organe - also Verwaltungsrat und Geschäftsleitung - über ein Unternehmen bestimmen, erachtet Rohner heute als «Schönwettersystem».

«Ich fühlte mich verlegen und beschämt» 

Während der Krise seien die Entscheidungen aufgrund dieser Corporate Governance «ein Albtraum» gewesen. Obwohl Rohner laut eigenen Aussagen in höchster Eile handeln wollte und musste, sei er durch die Rücksprachen mit dem Verwaltungsrat aufgehalten worden. 

Zu Beginn der Anhörung bedauerte Marcel Rohner, der von 2007 bis 2009 Chef der UBS war, indes die Libor-Affäre. «Ich war schockiert, als ich darüber las», sagte Rohner in einer ersten Antwort. «Ich fühlte mich verlegen und beschämt.» 

«Die Manipulationen passierten in einer Reihe von Skandalen unter meiner Aufsicht und das macht es noch schlimmer», sagte Rohner vor dem Ausschuss mit brüchiger Stimme. Er betonte jedoch, erst im Jahre 2010 oder 2011 aus der Presse davon erfahren zu haben. 

Auch Johansson will von nichts gewusst haben

Ins selbe Horn stiessen die ehemaligen Chefs der UBS-Investmentbank Huw Jenkins, Jerker Johansson und Alex Wilmot-Sitwell. Während ihrer Amtszeit hätten sie von den Manipulationen zu keinem Zeitpunkt etwas gewusst. 

Der Libor ist der wichtigste Referenzzinssatz der Welt. An ihn sind unzählige Finanztransaktionen auf der ganze Welt geknüpft. Der Zinssatz, der auf Basis von Eingaben grosser Banken täglich in London errechnet wird, ist zwischen 2006 und 2009 von Mitarbeitern einiger dieser Institute manipuliert worden, darunter auch der UBS.

Die Schweizer Grossbank musste deswegen im Dezember umgerechnet 1,4 Milliarden Franken zahlen, eine der höchsten je gegen eine Bank verhängte Busse. Auf die Bank könnten auch potentiell kostspielige Klagen zukommen.

(muv/tno/sda)

Anzeige