Wenn Bob Long, CEO von Transocean, in wenigen Monaten an sein Bürofenster geht, wird er nicht mehr die Skyline von Houston, Bohrtürme und den Golf von Mexiko sehen, sondern den Genfersee mit dem Mont Salève. Vergangene Woche beschloss der Verwaltungsrat von Transocean, dem weltweit grössten Tiefsee-Rohöl- und Gasbohrkonzern, den Firmensitz in die Schweiz zu verlegen.

Zusammen mit dem Büropersonal werden ab Anfang 2009 40 Manager und Angestellte die Geschicke des Konzerns von Genf aus steuern. Operativ wichtige Teile wie die Firmenbuchhaltung, die technische Entwicklungsabteilung, das IT-Departement, die Personalabteilung und der Pressesprecher werden in Houston bleiben.

Es ist nicht die Aussicht, die Long dazu bewogen hat, den Sitz zu wechseln. «Einerseits sind wir dadurch näher an den strategischen Wachstumsmärkten, andererseits hat die Schweiz ein stabiles und ausgereiftes Steuersystem und Doppelbesteuerungsabkommen mit den meisten Ländern, in denen wir tätig sind. Deshalb werden wir nach dem Ortswechsel weiterhin eine wettbewerbsfähige Steuerquote aufweisen», lässt er ausrichten.

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Transocean profitiert von der vorteilhaften Holding-Besteuerung in der Schweiz. Allerdings zahlt der Konzern nach der Sitzverlegung mehr Steuern als vorher. Zahlte Transocean vorher rund 253 Mio Dollar Steuern, dürften 2009 laut Citigroup-Analyst Robin Shoemaker rund 725 Mio Dollar aufgrund der höheren Gewinne und der höheren Steuern in der Schweiz anfallen. Dafür ist die Rechtslage laut Shoemaker eindeutig und das Unternehmen vermeidet Steuerstreitigkeiten. 80% der Schiffe sind ausserhalb der USA im Einsatz und würden durch die Sitzverlegung via Genf besteuert werden.

Aktien weiter in New York kotiert

Transocean hat weltweit 20000 Angestellte und wird in diesem Jahr laut CS-Analyst Arun Jayaram einem Umsatz von umgerechnet 13,5 Mrd Fr. erzielen. Die Flotte von 200 Spezialschiffen ist auf allen Weltmeeren unterwegs, 37 besonders ausgerüstete Schiffe können Bohrungen in die Tiefsee ab 1500 m absenken.

Die Aktien werden weiterhin in New York kotiert bleiben, ein Wechsel an die SWX ist nicht geplant. Die Marktkapitalisierung liegt bei 21 Mrd Dollar, das entspricht etwa zwei Dritteln der Marktkapitalisierung von ABB. Im jüngsten Kurseinbruch spiegelt sich die Furcht der Investoren, dass die gefallenen Rohölpreise sowie die Kreditkrise zu Projektverschiebungen führen könnten. Für 2009 erwartet Jayaram von Transocean einen Umsatzanstieg auf 14,2 Mrd Dollar, das entspricht einem Plus von 14%. Die Schuldenlast soll von 13,5 auf 9,4 Mrd Dollar sinken.

CEO Bob Long bezog 2007 ein Salär über 3 Mio Dollar. Der Genfer Fiskus und die Uhrenboutiquen dürfen sich auf ihn und seine gut verdienenden Kollegen freuen.