Bei der Auswahl eines Rohstoffinvestments steht am Anfang die Frage nach dem Objekt der Begierde, welches den Hunger stillen soll; die richtige Verpackung ist dann nur noch die logische Konsequenz.

Das Rohstoffuniversum beinhaltet sämtliche Grundelemente, Halb- und Fertigprodukte, welchen wir täglich begegnen. Angefangen beim Frühstückskaffee mit Milch und Zucker bis hin zu Platin und Palladium im Autokatalysator. Der frappante Unterschied vom Genuss eines Glases Orangensaft gegenüber dem Rohstoffinvestment besteht einerseits in der Kommerzialisierung durch den professionellen Rohstoffhandel und andererseits in den fundamentalen Abhängigkeiten des jeweiligen Rohstoffes von seinem Mikrokosmos. So führen beispielsweise aktuelle oder drohende Unwetter in den Orangenanbaugebieten zu Marktverwerfungen, oder Stromausfälle in Südafrika treiben die Preise für physisches Platin.Aufgrund der Komplexität der einzelnen Rohstoffe ist es wenig erstaunlich, dass bis dato vor allem professionelle Investoren diese Anlageklasse einsetzen. Neben dem Grundverständnis des einzelnen Rohstoffes müssen auch die Mechanismen der Finanzinstrumente verstanden werden (siehe auch Kasten).

Industrielle Dimensionen

Wer sich mit Rohstoffinvestments auseinandersetzt, bewegt sich in einem Markt mit industriellen Dimensionen und physischer Lieferung. Ein Future-Kontrakt auf gefrorene Schweinebäuche beispielsweise hat einen Wert von 95000 Dollar und umfasst 18 Tonnen Fleisch, welche bei Fälligkeit geliefert werden.

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Bei Produkten für die Finanzindustrie müssen die Kontrakte immer vor Verfall verkauft und der nächste Kontrakt mit späterer Fälligkeit gekauft werden, um die physische Lieferung zu umgehen. Dieses «Rollen» der Kontrakte führt dann zu Verlusten und zu einer schlechteren Partizipation am Basiswert, wenn der zu kaufende Future teurer ist als der zu verkaufende (Contango). Im gegenteiligen Fall können mit dem «Rollen» Gewinne erzielt werden (Backwardation).

Rohstoffspezialisten arbeiten mit aufwendigen Modellen, welche die Unzulänglichkeiten der Terminwarenmärkte optimieren sollen, sofern sich die Marktentwicklung und Modellannahmen decken. Meist basieren die Produkte auf «Total Return Swaps» (TRS), mit welchen die Rohstoffrenditen synthetisch repliziert werden. Dabei handelt es sich um ein Kreditderivat, bei dem feste oder variable Zinszahlungen gegen die Rendite des Rohstoffes oder Rohstoffindizes ausgetauscht werden. Diese Synthetisierung hat mit Rohstoffen nichts mehr zu tun, sondern basiert auf Vertragsverpflichtungen, welche sich wiederum im Gegenparteirisiko niederschlagen.

Es werden täglich neue Rohstoffprodukte lanciert und an den Börsen kotiert, sprich ETP (Exchange Traded Products). Die meisten Produkte werden als ETF, ETC oder ETN bezeichnet, worunter sich der Anleger wenig vorstellen kann. ETF bezeichnen mit dem Buchstaben «F» die Legalhülle Fonds im Sinne des konkursprivilegierten Sondervermögens. ETC bezeichnet mit dem «C» lediglich «Commodity» ohne Verweis auf die Legalhülle, während ETN mit dem «N» die Legalhülle im Sinne der Schuldverschreibung «Note» bezeichnet.

Der Anleger muss nun neben den Chancen und Risiken des Rohstoffmarktes zudem die Gegenparteirisiken berücksichtigen, welche sich aus der Renditesynthetisierung und der Produktehülle ergeben. Durchschaut er diese Risikosphären, gibt es eigentlich - mit der Ausnahme von physisch replizierten Edelmetall-ETF (Exchange Traded Funds) - keine bedenkenlosen Produkte, sondern lediglich Produkte mit vertretbaren Gesamtrisiken.

Sinnvoll einsetzen

Unbesehen des Rohstoffthemas gilt auch weiterhin, dass Einzelwetten nur mit entsprechender Expertise gemacht werden sollten. Diversifizierte Ansätze mit Rohstoffindizes sollten der Rollproblematik und den saisonalen Begebenheiten der Märkte Rechnung tragen. Werden Rohstoffe explizit als Diversifikation zu einem Portfolio mit Übergewicht in Finanzwerten eingesetzt, muss die Replikationsmethodik genau analysiert werden, da sie zusätzliche Gegenparteirisiken beinhaltet. Letztere sind nicht per se schlecht, sollten aber keinesfalls zu Klumpenrisiken führen, denn die eierlegende Wollmilchsau ist ein Rohstoffmärchen mit Gegenparteirisiken.