Rolf Erb sei «in seinem persönlichen und beruflichen Ansehen schwer beeinträchtigt.» Eine Auswirkung des ramponierten Rufes erzählte der ehemalige Unternehmer in einer Befragung gleich selber: Seine Charter-Gesellschaft First Wing, mit der er nach dem Erb-Konkurs eine neue Zukunft aufbauen wollte, ging Bankrott, bevor sie abheben konnte.

Die Aktionäre hätten sich wegen des Verfahrens von ihm abgewandt, sagte er. Gemäss Angaben der Staatsanwaltschaft soll Erb jedoch einen grossen Teil des Aktienkapitals verspekuliert haben. Offenbar handelte es sich dabei ausgerechnet um Vermögenswerte, die er kurz vor dem Erb-Kollaps seinen damals zehn Monate alten Zwillingssöhnen geschenkt hatte.

Neben einer Genugtuung fordert Erb auch, dass ihm die Kosten für das private Gutachten zurückerstattet werden. In diesem mehrere hundert Seiten dicken Werk erklären Experten, weshalb die Erb-Gruppe bis zuletzt gar nicht überschuldet war und dass alles seine Rechtmässigkeit hatte. Die Staatsanwältin bezeichnete es «gekauftes Gefälligkeitsgutachten».

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Das Schloss ist Familiensache

Ein Anwalt von Erbs Lebenspartnerin versuchte am dritten Prozesstag, den Vorwurf der Gläubigerschädigung zu widerlegen. Die Anklage wirft Erb vor, kurz vor dem Kollaps sein Vermögen ins Trockene gebracht zu haben. Schloss Eugensberg im Thurgau überschrieb er seinen Söhnen, das Inventar der Freundin. Auch bei Aktien und Bargeld zeigte er sich grosszügig.

Die Übertragung an die jüngste Generation habe nichts mit Gläubigerschädigung zu tun, betonte der Anwalt. Alles sei ohne Eile passiert. Schliesslich habe niemand ahnen können, dass die Gruppe Konkurs gehen würde. Der Anwalt bezeichnete die Schenkungen als «rein familiäre Angelegenheit».

Die Initiative für diesen Besitzerwechsel sei von Patron Hugo gekommen, der damals bereits an Krebs erkrankt war. Er habe sich so sehr über die Enkel gefreut, dass er ihnen den Reichtum bereits damals habe schenken wollen – und nicht habe warten wollen, bis die Kinder ohnehin geerbt hätten. Rolf Erb habe dabei lediglich eine «treuhänderische Zwischenrolle» eingenommen.

In dieser Funktion sicherte sich der Beschuldigte ein lebenslanges Nutzungsrecht im Schloss. Erb wohnt noch heute mit der Freundin und den 11-Jährigen Söhnen dort und wehrt sich nun bereits in zweiter Instanz dagegen, dass das Anwesen den Gläubigern zugute kommen soll.

Bruder Christian will sein Vermögen zurück

Sein Vermögen zurück will auch Christian Erb, der jüngere Bruder von Rolf Erb. Auch gegen ihn wurde nach der Pleite ermittelt. Die Untersuchung wurde eingestellt, Christian Erb musste aber einen Viertel der Ermittlungskosten übernehmen.

Sein Anteil am Familienbesitz gehört heute ebenfalls zur Konkursmasse. «Christian Erb hat erwiesenermassen nichts Unrechtes getan», sagte sein Anwalt. Es gebe somit keinen Grund, das Vermögen einzufrieren.

Weil die Zürcher Justiz das Vermögen des Bruders bisher aber nicht aus der Konkursmasse lösen wollte, reichte sein Anwalt das Begehren bereits beim Bundesgericht ein. Dort ist der Fall seit Februar hängig.

Christian Erb, ein ehemaliger Diskus-Olympionike, der seit 1994 wegen eines Autounfalles im Rollstuhl sitzt, ist Chef der Schlosshof Immobilien AG. Die Firma besitzt zahlreiche Liegenschaften, darunter das Zentrum Töss in Winterthur, ein sanierungsbedürftiges Hochhaus mit Hotelbetrieb.

Rolf Erb soll während fünf Jahren die Bilanzen der Erb-Gruppe manipuliert haben, um so an weitere Bank-Kredite zu kommen. Im Jahr 2003 klappte das Kartenhaus zusammen. Zurück blieb ein Schuldenberg in der Höhe von rund 400 Mio. Franken. Erb wurde im März 2012 vom Winterthurer Bezirksgericht zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung.

(sda/tke)