Entgegen allen Gerüchten hat die deutsche Versicherungsgruppe Signal Iduna sich nicht weiter an Bâloise beteiligt. «Wir haben nicht die Absicht, unseren Anteil zu erhöhen», sagt CEO Reinhold Schulte der «Handelszeitung». Die Beteiligung an Bâloise betrage nach wie vor rund 5%.

Offen bleibt hingegen die Entflechtung zwischen der Deutschen-Ring-Gruppe (DR) und der deutschen Bâloise-Tochter. DR Leben und DR Sach haben sich zusammen mit der Bâloise-Tochter unter einer Führung zusammengeschlossen. DR Kranken dagegen gehört seit dem 1. April 2009 zum ebenfalls deutschen Versicherer und Finanzdienstleister Signal Iduna. Damit hat sich für Bâloise eine im Backoffice eng verbundene Gesellschaft in die Arme einer der härtesten Konkurrentinnen auf dem Deutschen Markt geflüchtet. Grund für die Flucht waren unter anderem die geplanten Restrukturierungen durch Bâloise.

Tatsächliche Kosten umstritten

Die Zerschlagung der DR-Gruppe dürfte Bâloise einiges kosten. Laut Expertenschätzungen der DR-Gruppe beliefen sich die Abspaltungskosten auf bis zu 120 Mio Euro. Darin enthalten sind unter anderem Ausgaben für die Trennung der IT-Systeme, die Arbeitsplätzeverlagerung sowie Sozialpläne. «Diese Zahl entspricht nicht den Tatsachen», kommentiert Bâloise-Mediensprecher Philipp Senn die Schätzungen. Bâloise sei nach wie vor überzeugt, bis 2012 Synergien im Umfang von 20 bis 25 Mio Fr. ausschöpfen zu können.

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Dem entgegnet der Signal-Iduna-CEO: «Eine Entflechtung des Deutschen Rings ist komplex, denn die drei Sparten Kranken, Leben und Sach sind seit Jahrzehnten eng miteinander verzahnt.» Ein Beispiel: Tausende Mitarbeiter haben aufgrund der Verflechtung Doppelarbeitsverträge. «Trennt man eine Sparte heraus, müssen die Mitarbeiter in die daraus resultierende Vertragsauflösung einwilligen», sagt Schulte.

Offen bleiben zudem die strategischen Pläne von Signal Iduna. Erst Mitte Juni hatte CEO Schulte gegenüber dem deutschen «Handelsblatt» sein Interesse an der DR Leben kundgetan. Durch die Übernahme könnte sich das Unternehmen seinen Platz unter den Top Ten der deutschen Assekuranzen zementieren.

Diverse Lösungsansätze möglich

Vor diesem Hintergrund legen deutsche Versicherungsinsider, die namentlich nicht genannt werden wollen, Bâloise eine Paketlösung ans Herz. Ein möglicher Lösungsansatz wäre unter anderem ein Tauschgeschäft. So ist Signal Iduna, wie Bâloise, an OVB - einem unabhängigen Finanzvertrieb - beteiligt. Während das Engagement der Deutschen gemäss eigener Aussage einer reinen Finanzbeteiligung entspricht, erhofft sich Bâloise besonders in Osteuropa eine verbesserte Vertriebsstruktur über OVB.

«Die Abtretung der DR Leben wäre ein totaler Umschwung in der bisher gefahrenen Strategie», kommentiert René Locher, Analyst bei Sal. Oppenheim, den möglichen Lösungsansatz. So sei eine reine Vertriebsstrategie nicht zu begrüssen. Fraglich ist auch, wie die beiden Filialen in Tschechien und der Slowakei sowie der deutsche Anbieter von fondsgebundenen Lebensversicherungen, «Moneymaxx», bei der genannten Paketlösung gehandhabt werden würden. So befinden sich alle drei zu 100% im Besitz der DR Leben.

Gemäss Signal Iduna und Bâloise soll sich nun eine Entflechtungslösung abzeichnen. Von offizieller Seite wollte sich aber niemand genauer dazu äussern.

 

 

nachgefragt


«Deutschland wächst langsam»

Reinhold Schulte ist CEO der deutschen Signal Iduna.

Anfang Jahr hat sich Ihnen der Deutsche Ring Kranken angeschlossen. Verfolgen Sie damit eine strategische Option?

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Reinhold Schulte: Wir verfolgen eine konsequente, aber behutsame Expansionsstrategie. Das Versicherungsgeschäft in Deutschland wächst nur noch sehr langsam. In unserem gesättigten Marktumfeld versuchen wir, als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit zu wachsen, indem wir innovative Produkte entwickeln, unsere Vertriebskraft stärken, gezielte Übernahmen und Zusammenschlüsse tätigen.

Was sind Ihre Wachstumsziele? Und: Welche Rolle spielt der Deutsche Ring?

Schulte: Wir möchten unsere Position als einer der zehn grössten deutschen Versicherer behaupten und ausbauen. Der DR Kranken hilft uns dabei.

Welche Bedeutung hat OVB für Ihre Wachstumsstrategie? Könnten Sie sich vorstellen, Ihren Anteil in die Verhandlungsmasse einzubringen?

Schulte: Die Frage nach möglichen Optionen im Zusammenhang mit OVB stellt sich erst, wenn konkrete Angebote vorliegen.

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