Ihr neuer Sanierungsanlauf kommt die britische Grossbank Royal Bank of Scotland (RBS) teuer zu stehen. Für Rechtsstreitigkeiten und neue Schadensersatzforderung legt die seit der Finanzkrise grösstenteils verstaatlichte Bank weitere knapp 3,1 Milliarden Pfund (rund 3,8 Milliarden Euro) zur Seite, wie sie in London mitteilte. Nun droht für das abgelaufene Geschäftsjahr der höchste Verlust seit 2008. Im November hatte die Bank Abschreibungen von 4,5 Milliarden Pfund für die Gründung einer Bad Bank angekündigt, die Papiere im Umfang von 38 Milliarden Pfund abwickeln soll.

Knapp an der Pleite vorbeigeschrammt

Beobachter rechnen nun mit einem Jahresfehlbetrag zwischen 7 und 8 Milliarden Pfund vor Steuern. Die Bilanz will das Institut am 27. Februar vorlegen. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 hatte die Bank mit einem Minus von 24 Milliarden Pfund einen der höchsten Verluste in der britischen Unternehmensgeschichte verbucht. Sie war damals nur knapp an der Pleite vorbeigeschrammt und musste mit 45 Milliarden Pfund von der Regierung gerettet werden. Seitdem gehört sie zu fast 81 Prozent dem Staat.

Die Altlasten drücken weiter schwer auf das Institut. Allein 1,9 Milliarden Pfund reservierte die RBS nun für die Beilegung von Hypothekenstreitigkeiten in den USA. Wie viele andere Institute sollen auch die Briten beim Verkauf von gebündelten Immobilienkrediten getrickst haben. Die Deutsche Bank hatte sich wegen ähnlicher Geschäfte im vergangenen Dezember auf eine Vergleichszahlung von 1,4 Milliarden Euro geeinigt, die US-Grossbank JPMorgan zahlt sogar 13 Milliarden Dollar.

Unnütze Absicherungen angedreht

Teuer sind auch die Folgen der Falschberatung von Kunden bei anderen Produkten. So legte die RBS 500 Millionen Pfund für Schadensersatzforderung bei Zinsabsicherungsgeschäften zurück. Lohnausfallversicherungen schlagen mit weiteren 465 Millionen Pfund zu Buche. Damit summieren sich die RBS-Kosten für Schadensersatz aus dem branchenweiten Skandal inzwischen auf 3,1 Milliarden Pfund - davon sind 2,2 Milliarden Pfund ausgezahlt. Jahrelang hatten britische Banken ihren Kunden unnütze Absicherungen angedreht, Gerichte verurteilten sie zu Schadensersatz. Weitere Rechstsstreitigkeiten schlagen mit 200 Millionen Pfund zu Buche.

Die Rückstellungen sind Teil der radikalen Aufräumarbeiten des neuen RBS-Chefs Ross McEwan. Er hatte 2013 das Amt übernommen. Seit der Finanzkrise hat die RBS ihre Bilanzsumme zwar nahezu halbiert und fast 40.000 Stellen abgebaut. Doch eine dauerhafte Erholung blieb aus.

Verzicht auf eigene Prämien

Zuletzt stand der einstige Chef Stephen Hester wegen seiner Bonuspolitik in der Kritik. Die neue Unternehmensleitung kündigte nun an, auf ihre eigenen Prämien zu verzichten. Mitarbeiter sollen aber wieder bis zu das Doppelte von ihrem Festgehalt als Bonus erhalten. Dafür bemüht sich das Management um die Zustimmung vom Staat als Hauptaktionär. «Die Möglichkeit, wettbewerbsfähige Löhne zu zahlen, ist entscheidend für die Zukunft unseres Geschäfts», erklärte Chairman Philip Hampton.

Staat profitierte von Lloyds-Rettung

Derzeit ist der Steuerzahler weit davon entfernt, ohne Verluste aus dem Engagement bei der RBS herauszukommen. Dies wäre erst bei einem Aktienkurs von über 407 Pence der Fall. Am Dienstag eröffnete das Papier den Handel mit einem Verlust von einem Prozent bei knapp 328,90 Pence.

Mehr Erfolg als bei der RBS hatte der britische Staat mit der Rettung der Grossbank Lloyds. Im September verkaufte die Regierung einen ersten Teil ihrer Beteiligung - mit Gewinn. Gern würde sie bis zur nächsten Parlamentswahl auch bei der RBS Rückzahlungen sehen.

(awp/dbe/sim)

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