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Sesselwechsel
Royal Bank of Scotland trennt sich von ihrem Chef

Stephen Hester: Wollte sich nicht unbefristet verpflichten lassen. (Bild: Keystone)

Die verstaatlichte Royal Bank of Scotland will ihre Privatisierung unter neuer Führung meistern. Chef Stephen Hester wäre gerne länger geblieben.

Veröffentlicht am 12.06.2013

Die Royal Bank of Scotland (RBS) trennt sich noch in diesem Jahr von Institutschef Stephen Hester. Hester sitzt seit 2008 bei der RBS auf dem Chefsessel und wäre gerne noch länger im Amt geblieben. Er bezeichnete es jedoch als eine vernünftige Entscheidung, den möglicherweise langwierigen Ausstieg des Staates von einem «neuen Gesicht» organisieren zu lassen. Die RBS selbst begründete den Abschied damit, das sich der 52-Jährige nicht unbefristet verpflichten lassen wollte.

Die Bank teilte mit, Hester werde die Geschäfte notfalls noch bis Dezember leiten und für einen reibungslosen Übergang sorgen. RBS sei bereits auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger. Die Privatisierung wäre zwar ein krönender Abschluss seiner Karriere bei RBS gewesen, erklärte Hester. Gleichwohl seien die vergangenen fünf Jahre für ihn auch «sehr aufreibend und schwierig» gewesen, weshalb er nicht zum Abschied habe gedrängt werden müssen.

Hester hat für die Restrukturierung viel Lob von der Regierung und anderen Investoren bekommen. Er selbst sprach von der «grössten Sanierung der Wirtschaftsgeschichte» - die RBS konnte vor ihrem Kollaps 2008 die weltgrößte Bilanzsumme vorweisen. Dies war jedoch Teil des Problems, weshalb sich Hester in großem Stil von risikoreichen Vermögenswerten trennte und die Kosten drückte.

1400 Stellen vor dem Aus

Einer der 20 größten Aktionäre, der nicht namentlich genannt werden wollte, erklärte, Hester habe sich bei den Aktionären großen Respekt erarbeitet und werde deshalb vermisst werden. Dennoch sei ein Abschied zum jetzigen Zeitpunkt besser als mitten im Privatisierungsprozess. Finanzminister George Osborne erklärte, Hester habe die RBS sicherer und stärker gemacht.

Die britische Regierung hatte RBS auf dem Höhepunkt der Finanz- und Bankenkrise vor rund fünf Jahren vor dem Zusammenbruch gerettet. Der Staat pumpte 45,5 Milliarden Pfund in das Institut und erhielt dafür 81 Prozent der Anteile. Die Bank will ihre Restrukturierung im kommenden Jahr abschließen, um damit den Weg für einen Ausstieg des Staats zu ebnen.

Unter anderem konzentriert sich RBS wieder auf das Brot- und Butter-Geschäft mit Krediten für Verbraucher und die mittelständische Wirtschaft. In den kommenden Jahren will RBS zudem weitere 1400 Stellen streichen. Seit der Finanzkrise hat das Geldhaus bereits 37'000 Jobs gestrichen. 

(tno/reuters)

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