Eigentlich ist die Flugplatzpiste in Emmen zu kurz für sie. Doch weil die Antonov, das grösste Frachtflugzeug der Welt, den Luzerner Militärflugplatz unbeladen ansteuert, klappt die Landung. Beim Start ist sie lediglich um 4200 kg schwerer - die Antonov transportiert für den Technologiekonzern Ruag ultraleichte Raketenteile in die USA.

Vier Mal im Jahr fliegt die Antonov die Ruag an. Zu wenig oft, wenn es nach Peter Guggenbach geht. Der Chef des Ruag-Raumfahrtgeschäfts möchte die Aktivitäten in den USA verstärken. Heute beliefern die Schweizer die US-Raumfahrt mit Strukturen für Trägerraketen und Ausrüstung für die kommerzielle Satellitenkommunikation. «Aber wir verfügen noch über weitere konkurrenzfähige Produkte, deren Marktanteil auf dem US-Markt wir gerne ausbauen würden, zum Beispiel Elektronik», sagt Guggenbach. Die Chancen für Ruag stehen gut, denn der amerikanische Raumfahrtmarkt steht vor markanten Veränderungen - Obama sei Dank. Der US-Präsident will die staatliche Agentur Nasa neu ausrichten, sie soll sich künftig statt auf spektakuläre Projekte wie Mondlandungen auf die Entwicklung neuer Technologien und Langzeitmissionen konzentrieren. Zudem öffnet Obama den Markt für Privatanbieter, für die Ruag als Zulieferer operieren kann.

Amerikaner wollen neue Rakete

Guggenbach ortet diverse Opportunitäten. «Interessant ist aus unserer Sicht ganz sicher die geplante neue Rakete für schwere Nutzlasten. Aber ob und in welchem Rahmen eine Beteiligung möglich ist, lässt sich im Moment schwer abschätzen.»

Chancen rechnet sich die Ruag auch im Bereich der Erdbeobachtung aus, in den die US-Regierung verstärkt investieren will.

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Positive Signale empfängt Ruag ebenfalls von der internationalen Raumstation ISS, die Obama zufolge bis mindestens 2020 genutzt werden soll. «Hier können wir weitere Strukturen für den Raumtransporter ATV liefern.» Zudem möchte sich die Ruag an der Entwicklung eines Raumtransporters der zweiten Generation beteiligen, der - anders als der ATV - zur Erde zurückkehren kann und damit wiederverwendbar ist.

Nicht von Obamas Plänen betroffen ist das kommerzielle Telekom-Geschäft, es wird nicht aus dem Nasa-Budget finanziert. Gleichwohl sei dieser Markt für Ruag interessant, erklärt Guggenbach. «Wir sind mit Mikrowellen-Produkten wie Antennen, Empfängern und Wechselrichtern gut positioniert.»

Wie schnell Ruag im US-Raumfahrtgeschäft expandieren kann, ist offen. Der Markt war während Jahrzehnten für ausländische Firmen nahezu abgeriegelt. Jetzt, da die Öffnung voranschreitet, verfügt Ruag über die kritische Grösse, um in die Programme aufgenommen zu werden. Nach der Akquisition von Oerlikon Space im vergangenen Jahr erzielt die Ruag rund 280 Mio Fr. Umsatz pro Jahr. Die Sparte beschäftigt 1100 Angestellte, davon 540 in der Schweiz.

Neuer Liefervertrag mit Europäern

Im europäischen Raumfahrtgeschäft, dem Stammgeschäft von Ruag Space, kommt der Konzern ebenfalls voran. Im vergangenen Jahr unterzeichneten die Schweizer und die Betreibergesellschaft der Ariane-5-Rakete einen Liefervertrag für 35 Nutzlastverkleidungen, die bis 2015 geliefert werden. Laut Ruag-Space-Sprecher Hendrik Thielemann hat der Auftrag ein Gesamtvolumen von umgerechnet 235 Mio Fr.