Nun wagt auch der Technologiekonzern Ruag den Expansionsschritt nach Übersee – wenn auch still und leise. Von der Öffentlichkeit unbemerkt, eröffnete Ruag – zu 100% in Besitz des Bundes, aber als privatrechtliche Aktiengesellschaft organisiert – kürzlich eine Niederlassung in China. «Wir haben auf dem Werksgelände von Airbus ein Office gegründet», bestätigt Ruag-CEO Toni Wicki der «Handelszeitung». Ruag will Abklärungen zum Aufbau einer Produktionsstätte für Flugzeug-Strukturbauteile treffen und deshalb den chinesischen Markt erkunden.

Ruag fertigt bereits im deutschen Oberpfaffenhofen und in Emmen Strukturbauteile für mehrere Airbus-Flugzeugtypen, etwa für den A380 und A320. Seit der deutsch-französische Flugzeugbauer laut darüber nachdenkt, in Zukunft verstärkt im Dollarraum zu produzieren, hört Ruag genauer hin. «Wir müssen uns den Absichten und Bewegungen unserer Grosskunden anpassen», erklärt Wicki. Mit Airbus setzte Ruag 2007 gegen 100 Mio Fr. um. Gemessen am Konzernumsatz von 1,4 Mrd Fr. kein geringfügiger Betrag. Um das Klumpenrisiko, das Airbus darstellt, zu reduzieren, sucht Ruag das Gespräch mit weiteren Herstellern. Zuoberst auf der Liste steht die kanadische Bombardier. «Es ist richtig, dass wir über einen Zulieferervertrag für Strukturbauteile verhandeln», bestätigt Wicki. Inhaltliche Details will der Ruag-Chef noch nicht veröffentlicht sehen.

Zu hören ist jedenfalls, dass Ruag die Fertigungstiefe im Flugzeugstrukturbau spürbar steigern will – sprich künftig einen höheren Anteil selber gefertigter Produkte liefern möchte. Gelingt dies, stärkt der Zulieferer seine Position gegenüber dem Kunden. Konkret: Ruag kann kurzfristig nicht gegen einen Wettbewerber ausgetauscht werden. Damit stärkt Ruag die Kundenbeziehung und erreicht auf diesem Weg auch eine Verbesserung auf der Ertragsseite.

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Ein weiterer potenzieller Kunde für Flugzeugteile ist der brasilianische Hersteller Embraer. Eine Zusammenarbeit mit chinesischen und russischen Herstellern wie Suchoi hat für Wicki dagegen derzeit keine Priorität.

Akquisitionen in Europa geplant

Hinter dem Expansionsschritt nach Fernost stehen nicht nur Wachstumspläne. Ruag leidet massiv unter der anhaltenden Dollarschwäche. Sie belastete den Konzerngewinn 2007 mit 5 bis 10% oder 4 bis 8 Mio Fr. Wicki geht nicht davon aus, dass der Dollar zum Franken kurzfristig an Wert gewinnt. Ein Produktionsstandort im Dollarraum wäre deshalb auch vor diesem Hintergrund hilfreich.Neben organischen Wachstumschancen im Ausland fasst Ruag-Chef Wicki auch Akquisitionen ins Auge. Zukaufen sollen primär die Luft- und Raumfahrtsparte Ruag Aerospace sowie Ruag Electronics. Diese bietet Simulatoren, Führungs- und Informationssysteme. Attraktive Zielgesellschaften hat Wicki hauptsächlich in Europa geortet. Ruag sei dank der soliden Bilanz in der Lage, «einen substanziellen Wachstumsschritt zu machen», betont Wicki. In Frage kämen aber auch kleine Zukäufe, um technologisches Know-how an Bord zu holen.

Mehr Transparenz für Investoren

Je stärker sich Ruag im Ausland engangiert, desto wichtiger wird die Frage nach einer Öffnung des Aktionariats. Noch ziert sich der Bund – die Eignerstrategie, die bis 2010 gilt, sieht Ruag weiterhin zu 100% in Besitz des Bundes.

Die Ruag-Führung hält sich jedenfalls bereit: Im Geschäftsjahr 2009 will der Konzern erstmals die Segmentberichterstattung aufnehmen. Die genaue Ausgestaltung liegt zurzeit noch nicht vor.

Ein Blick auf andere branchenverwandte Firmen legt allerdings den Schluss nahe, dass Ruag in den drei Bereichen Aviation & Space, Defence & Security sowie Ammunition & Products jeweils Umsatz und Ebit ausweisen dürfte. Die höhere Transparenz wird wohl vor allem potenzielle Investoren interessieren. Wicki dazu: «Diese Überlegung ist nicht falsch.»