Der Schweizer Rüstungskonzern Ruag hat neuerdings einen direkten Draht zum schwedischen Militär. In der vergangenen Woche wurde Jan Nygren vom Kabinett des skandinavischen Landes zum Vorsitzenden des Verwaltungsrates der «Swedish Defence Materiel Administration (FMV)» gewählt. Die Behörde ist zuständig für die Materialbeschaffung fürs schwedische Militär und untersteht dem Verteidigungsministerium. Nygren ist seit drei Jahren Mitglied des Verwaltungsrates der Ruag Space AB in Schweden, die eine Tochergesellschaft der Schweizer Firma ist.

Die FMV ist eine schwedische Rüstungsorganisation sowie Partner und Hauptzulieferer für das Militär des skandinavischen Landes. Die Wahl von Nygren hat denn auch für Empörung gesorgt. Diverse Politiker und Organisationen monieren, ein Vertreter der Rüstungsindustrie sei in dieser wichtigen Position nicht haltbar. Es sei ein demokratisches Problem, wenn eine Person mit finanziellen Eigeninteressen und Seilschaften zur Waffenindustrie für das Amt gewählt werde.

Keine Verbindung zur FMV

Nygren denkt aber gar nicht daran, die Seilschaften zu kappen. Am 1. April wird er mit der neuen Stelle beginnen. Er bleibt auch weiterhin im Verwaltungsrat der Ruag-Tochter, wie der Schweizer Rüstungskonzern bestätigt. Gemäss Pressesprecher Jiri Paukert ist das kein Problem: «Die Ruag Space AB betreibt keine Geschäfte mit der FMV», sagt er. Ausserdem betont der Mediensprecher: «Nygert gehört nicht dem operativen Management der Ruag Space AB an. Auch innerhalb der FMV hat Nygren keine operative Funktion.»

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Paukert stützt damit die Einschätzung des schwedischen Premierministers Stefan Löfven. Der Tageszeitung «Göteborgs Posten» sagte Löfven, dass Nygren eine «sehr erfahrene und kompetente Person» sei. Es sei kein Problem, ihn in die Position des Verwaltungsratspräsidenten zu hieven, denn die Firmen, für die Nygren arbeitet, hätten keine Verbindung zum schwedischen Militärzulieferer.

380 Mitarbeiter in Schweden

An den beiden schwedischen Standorten der Ruag Space in Göteborg in Linköping entwickeln und fertigen rund 380 Mitarbeiter Baugruppen für Satelliten und Trägerraketen, Equipment für Telekommunikationssatelliten sowie Satellitenadapter und Separationssysteme. «Diese Produkte kommen sowohl auf den zivilen institutionellen Missionen der Europäischen Weltraumagentur ESA als auch auf kommerziellen Telekomsatelliten zum Einsatz», schreibt Paukert.