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Dubiose Waffendeals
Ruag prüft Zivilklage gegen Mitarbeiter

Ruag_CEO_Breitmeier
Ruag-Chef Breitmeier: Waffengeschäfte mit RusslandQuelle: Keystone

In der Russland-Affäre erwägt der bundeseigene Rüstungskonzern ein Zivilverfahren gegen den betreffenden Mitarbeiter anzustrengen. Dies sagte Ruag-Chef Breitmeier in einem Interview.

Veröffentlicht am 08.04.2018

Der bundeseigene Rüstungskonzern Ruag will in der Affäre dubioser Waffendeals mit Russland ein Exempel statuieren. Die Ruag behalte sich vor, ein Zivilverfahren gegen den betreffenden Mitarbeiter anzustrengen, sagte Ruag-Chef Urs Breitmeier.

«Er hat uns geschädigt. Das können wir nicht tolerieren», sagte Breitmeier im Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag» und «Ostschweiz am Sonntag». Zwar werde es beim Schaden um keinen Millionenbetrag gehen. «Aber hier geht es ums Prinzip.»

Zusätzliche Sicherheitsüberprüfungen

Die Klage sei auch wichtig, um die Compliance weiter im Konzern zu verankern. Als weitere Lehre aus dem Fall unterzieht die Ruag Schlüsselmitarbeiter künftig zusätzlich einer externen Sicherheitsprüfung.

Ruag war im Januar von der eigenen Whistleblower-Stelle über dubiose Waffendeals eines Kadermitarbeiters mit Russland informiert worden. Daraufhin stellte der Konzern den Mitarbeiter frei und reichte Strafanzeige bei der Bundesanwaltschaft (BA) ein.

Den Fall hatte die «Handelszeitung» publik gemacht (Mehr dazu hier). Sie berichtet über eine Hausdurchsuchung bei Ruag durch die BA. Laut «Handelszeitung» sollen ein Kadermann der Ruag-Munitionsdivision Ammotec sowie der Russland-Leiter der Bank Julius Bär hinter dem Rücken ihrer Arbeitgeber seit Jahren millionenschwere Rüstungsgeschäfte abgewickelt haben.

Breitmeier weist Kritik zurück

Der Mann habe «ohne unser Wissen mit unserem Vertriebspartner ein Abkommen getroffen, dass er parallel zu den unseren auch noch andere Produkte verkaufen kann und auf sämtlichen verkauften Produkten zusätzliche Provisionen erhalte», sagte Breitmeier. Das verstosse gegen alle geltenden Regeln bei Ruag.

Breitmeier zeigte sich allerdings überzeugt, dass die Ruag hier richtig gehandelt habe und die Compliance-Regeln funktioniert hätten. Er wehrte sich gegen die Kritik der Luzerner Rechtsprofessorin Monika Roth, die Ruag habe zu wenig in Sachen Compliance unternommen.

Breitmeier hatte selbst mit dem freigestellten Mitarbeiter direkt zu tun. Zur Frage, ob es Anzeichen gegeben habe, die ihn hätten misstrauisch werden lassen, sagte der Ruag-Chef: «Verkäufer können sich von Natur aus gut verkaufen, sonst würden sie diesen Job gar nicht ausüben.» Rückblickend gebe es sicherlich Dinge, bei denen die Ruag genauer hätte hinblicken sollen.

tim/sda

 

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