Lange galt die Dornier 228 NG der Ruag als Ladenhüter. Doch nun besteht Hoffnung, dass sich das Blatt noch wendet. Erst im Juni bekannte sich der Schweizer Rüstungskonzern an der Paris Air Show zu seinem deutschen Flieger und gab den baldigen Start der Serienproduktion bekannt. Nun wurde eine regionale Fluggesellschaft gefunden, die auf das Flugzeug setzen will.

Als Ersatz für den Britten-Norman Trislander aus den 70er Jahren bestellt die Fluggesellschaft Aurigny Air Services von Guernsey zwei Dornier 228 der neuen Generation. Sie sollen für den Passagier- und Frachttransport zwischen der Kanalinsel Alderney und der französischen Stadt Dinard eingesetzt werden.

«Ein zusätzlicher Flug pro Tag»

«Dank der hohen Reisegeschwindigkeit der Dornier 228 kann Aurigny einen zusätzlichen Flug pro Tag einplanen und den Flugbetrieb ausweiten, da die Dornier 228 mehr Flughäfen innerhalb einer Flugstunde erreichen kann», sagt Dornier-Manager Volker Wallrodt. Der Kunde habe die neue Dornier als Passagierflugzeug mit 19 Sitzen bestellt, prüfe aber auch die Frachtkapazität und den Einsatz für medizinische Dienste.

«Aufgrund unserer Verpflichtung, den auf Alderney lebenden Menschen einen ganzjährigen MedEvac-Dienst anzubieten, sorgen wir derzeit im Gespräch mit Ruag Aviation für die Bereitstellung der entsprechenden Kapazität», lässt sich Malcolm Coupar von Aurigny in der Pressemitteilung zitieren.

Kritik an der Übernahme

Der zweimotorige Turboprop-Hochdecker Do 228 wurde von 1981 bis 1998 im bayrischen Oberpfaffenhofen produziert. Von den 270 hergestellten Exemplaren sind rund 150 bis heute im Einsatz. Zivile und militärische Betreiber schätzen die guten STOL-Eigenschaften (kurze Lande- und Startstrecke), sowie die einfache Wartung der Dornier.

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Trotzdem sorgte bereits die Übernahme des bayerischen Werks vom insolventen Flugzeugkonzern Fairchild Dornier für teilweise heftige Kritik. Mit der Dornier könne man keinen Rappen verdienen, sagte Pilatus-Präsident Oscar Schwenk der «Handelszeitung». «Die Do 228 war einmal ein gutes Flugzeug. Doch ihre Zeit ist abgelaufen.»

350 Verbesserungen und Neuerungen

Die Ruag liess sich von den Unkenrufen nicht beeindrucken und hat für den Neustart 2009 eigens ein neues Glascockpit entwickelt. Und obwohl die Struktur und Aerodynamik von Flügel und Rumpf unverändert blieben, würden «350 Verbesserungen und Neuerungen» im Innern das Flugzeug zum «fortschrittlichsten seiner Klasse» machen, sagt die Ruag.

Mit einem geschätzten Preis von sieben Millionen Dollar pro Dornier 228 NG ist das Flugzeug zudem relativ preiswert. Trotzdem waren die Verkäufe bis 2013 unter den Erwartungen geblieben. Erst die Bestellung von zehn Maschinen für die Regierung in Venezuela hat der Produktion neuen Schub verliehen. Insgesamt wurden bisher rund 20 Exemplare verkauft oder fix bestellt.