Nicht ganz unerwartet in diesen Zeiten suchten Leader aus dem Bankensektor am siebten Bankers Talk nach Möglichkeiten, wie man der Finanzkrise am besten entgegentreten solle. Die Podiumsdiskussion, geleitet von «Handelszeitung»-Chefredaktor Martin Spieler, kam schnell zum Konsens, dass jedes Unternehmen auf seine eigenen Stärken setzen muss, um auch weiterhin erfolgreich im Markt zu bleiben. Einfach gesagt, jedoch sollte man auch wissen, wo diese Stärken liegen und wie sie vom Kunden geschätzt werden. Ralph Mogicato, CEO von Solution Providers, zitierte aus einer Studie des Unternehmens: «Verlässlichkeit ist dem Kunden am wichtigsten, wichtiger noch als Vertrauen.» Seiner Meinung nach würde viel zu viel Gewicht auf eine vertrauenerweckende Präsenz der Bank gelegt, während die hohen Kundenerwartungen an die Bank in Bezug auf zuverlässige Leistung nicht erfüllt würden. Gerade im Lichte des Wegfalls des Bankkundengeheimnisses sollten die Banken die Chance nutzen, «Swissness» anzupreisen, statt die Köpfe in den Sand zu stecken.

Karl Reichmuth, Gründer von Privatbankiers Reichmuth & Co., Luzern, sprach sich gegen die Habgier im Bankenwesen aus. Entscheid und Haftung wieder zusammenzuführen, sei die Lösung. «Die Banken müssen wieder auf Partnerschaft setzen, statt das schnelle Geld machen zu wollen.» In Bezug auf die Aufgabe des Bankkundengeheimnisses wirkte er gelassen und sah darin eine Chance, «die daraus entstehende Verlässlichkeit als Werbeeffekt» zu nutzen - ganz im Sinne Mogicatos. Reichmuth selbst bewies Optimismus, indem er wieder Aktien kaufte - von 20 auf 25% erhöhte er deren Anteil im Portefeuille. Thomas Pöck, Mitglied der Gruppenleitung des Malik Management Zentrums, St. Gallen, mahnte die Unternehmensführung: «Ruhe im Sturm zu bewahren, erfordert gründliches Durchdenken.» Manager müssten wieder lernen, Wirkungen und Zusammenhänge zu erkennen, und sich vom Shareholder-Value-Ansatz lösen. Banken müssten realisieren, dass sie ihren Lohn tatsächlich durch ihre Kunden verdienen und die Aktionäre dabei nur eine Empfängerrolle spielen.