Die hervorragende Wirtschaftslage hat in den vergangenen Jahren für anhaltend kräftigen Wind in den Segeln der Schweizer Bauindustrie gesorgt.

Als typischer Sektor der Binnenwirtschaft profitierte die schweizerische Bauwirtschaft in besonderem Mass vom starken konjunkturellen Umfeld. Nach einem fulminanten Anstieg im Jahr 2005 und einer etwas schwächeren Entwicklung im Jahr 2006 hat das Investitionsvolumen im Schweizer Hochbau im vergangenen Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Rekordwert erreicht. Schätzungen von Wüest & Partner gehen von einem gesamten Investitionsvolumen im Hochbausektor von über 40 Mrd Fr. aus. Dieses hohe Niveau entspricht in realen Preisen dem Stand der frühen 90er Jahre. Die Wohnbauinvestitionen dürften mit fast 25 Mrd Fr. im Jahr 2007 den Höchstwert von 1990 sogar übertroffen haben.

Neubauquote stagniert

Als eigentlicher Motor der Baukonjunktur hat der Wohnungsbau die Dynamik der letzten Jahre massgeblich geprägt. Begünstigt wurde er durch ein einwanderungsbedingt starkes Bevölkerungswachstum, historisch tiefe Hypothekarzinsen und eine positive Konsumentenstimmung. Im Zuge von Sättigungstendenzen und einer unsicheren Wirtschaftslage stellt sich heute allerdings die Frage, ob es gar zu einem Einbruch im Schweizer Hochbaumarkt kommt oder ob nur Teile des Neubaumarktes rückläufig tendieren. Auf den Punkt gebracht: Nimmt die Stagnation der Neubauquote in jüngster Vergangenheit eine Trendwende auf den Schweizer Baumärkten vorweg? Analoge Beobachtungen wurden während der rezessiven Phase Mitte der 90er Jahre gemacht, als sinkende Neubauanteile den Hochbaumarkt Schweiz charakterisierten. Nach der Jahrtausendwende stieg der Neubauanteil von tiefen 63 wieder auf 69% an, um sich dann bei diesem Wert einzupendeln. Tatsächlich bewegen sich auch die Vorlaufindikatoren der Baugesuche und Baubewilligungen seit einiger Zeit bestenfalls noch seitwärts. Im Wohnbausegment war in diesen Indikatoren bereits im Lauf des letzten Jahres eine abnehmende Tendenz zu erkennen. Ein Rückgang der gesamten Hochbauinvestitionen in der Grössenordnung von 3 bis 4% auf ein Niveau von rund 39 Mrd Fr. erscheint daher heute durchaus realistisch. Und darauf, dass es eher eine sanfte Landung wird anstatt eines plötzlichen Einbruchs, weisen beachtliche Arbeitsvorräte im Baugewerbe hin. Im Wohnungsbau muss jedoch nicht nur im Segment des Wohneigentums, sondern auch im Mietwohnungssegment mit einer deutlich rückläufigen Entwicklung der Neubauten um mehr als 5% gerechnet werden. Der Mietwohnungsanteil bei neu erstellten Mehrfamilienhäusern ist in den vergangenen Jahren nur leicht angestiegen, von 35 auf 40%.Werte in ähnlicher Grössenordnung zeigen auch neuste Untersuchungen auf Basis der hängigen Baugesuche. Nach wie vor robust präsentieren sich die Wohnbaumärkte im Umbausegment. Hier kann für das laufende Jahr von einem Bauinvestitionsvolumen in der gleichen Grössenordnung wie im Vorjahr ausgegangen werden. Als wertvolle Stütze der Schweizer Baukonjunktur dürfte sich im laufenden Jahr das Segment der industriell-gewerblichen Bauten herausstellen.

Viele hängige Gesuche

Obschon die Prognoseunsicherheiten in diesem Segment höher sind, ist zu erwarten, dass sich die grosse Zahl hängiger Baugesuche im laufenden Jahr in einer beachtlichen Bautätigkeit niederschlägt. Aus heutiger Sicht jedenfalls scheint sich die Baukonjunktur zwar zu verlangsamen ohne deswegen aber gleich in eine ausgewachsene Flaute hineinzugeraten.

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