Die von den USA ausgegangene Finanzkrise hat uns auf drastische Weise vor Augen geführt, wie stark die Globalisierung des Finanzsystems schon fortgeschritten ist und welche verheerenden Folgen dies haben kann. Neben den grossen finanziellen Verlusten ist der massive Vertrauensverlust, den die Finanzbranche erlitten hat, besonders gravierend. Diese Skepsis der Anleger bekamen auch die Fondsanbieter auf dem hiesigen Markt zu spüren. Die starken Korrekturen an den Finanzmärkten führten vor allem bei den Aktienfonds zu deutlichen Wertverlusten, was wiederum viele Investoren zum Rückzug ihrer Gelder bewog. Dies alles resultiert in den seit letztem Jahr wieder rückläufigen Gesamtvolumina der in Fonds investierten Gelder.

Mehr Transparenz

Das Vertrauen in die Marktkräfte ist so weit gesunken, dass sich der Staat oder die Notenbanken zur Rettung des Systems bemüssigt fühlen, und so nebenbei auch eine möglicherweise nützliche Bereinigung verhindern. Der Ruf nach neuen Vorschriften ertönt wieder lauter in der Hoffnung, dadurch Finanzkrisen in Zukunft zu verhindern. Die Geschichte zeigt jedoch, dass eine immer dichtere und teurere Regulierung auch die neuen Finanzkrisen nicht verhindert hat. Hingegen kann eine zweckmässige Regulierung durchaus einen wertvollen Beitrag lieferen, damit der Finanzmarkt besser funktioniert und somit effizienter wird. Deshalb beteiligen sich sogar die Branchenvertreter im Rahmen der Selbstregulierung an einzelnen Regelwerken.

So hat die Anlagefondsbranche in einem Teilaspekt, nämlich der Transparenz von Anlageprodukten gegenüber den Anlegern im Rahmen der verbindlichen Selbstregulierung, bereits viel erreicht. Als Beispiel ist hier die Richtlinie zur Publikation der Kostenkennzahl Total Expense Ratio zu nennen.

Neue Impulse zur Stärkung des Fondsstandorts Schweiz lassen sich damit allerdings noch nicht generieren. Dazu braucht es vielmehr Massnahmen, welche die Konkurrenzfähigkeit des schweizerischen Fonds- und Asset-Management-Geschäfts stärken. Deshalb stehen folgende Forderungen im Vordergrund:

Wegfall des redundanten Bewilligungsverfahren für Anlagefonds nach Schweizer Recht. Weil mit dem geltenden Gesetz für kollektive Kapitalanlagen (KAG) die Fondsleitung, die Depotbank und neu auch der Vermögensverwalter beaufsichtigt werden, ist mit dem Bewilligungsverfahren für einzelne Fonds kaum zusätzlicher Schutz für die Anleger zu erreichen. Die Bewilligungsverfahren verursachen Kosten, brauchen Zeit und bringen für den Anleger keinen Vorteil, weil die Gesetze und Verordnungen und die Aufsicht bereits sehr vollständig und umfangreich sind. Damit würden auch Ressourcen frei für die sinnvollere Überwachung der Marktteilnehmer.

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Die konsequente steuerliche Gleichbehandlung von Anlegern in Fonds nach schweizerischem Recht im Vergleich zu ausländischen Anlagefonds, die in der Schweiz vertrieben werden. So macht es beispielsweise keinen Sinn, wenn Anleger bei schweizerischen Fonds die Verrechnungssteuer bezahlen müssen, bei gleichen Anlagen in ausländische Fonds aber nicht.

Ausdehnung der Unterstellungsmöglichkeiten für Vermögensverwalter: Mit dem KAG ist in der Schweiz erstmals die Vermögensverwaltung beaufsichtigt. Die Möglichkeiten, sich beaufsichtigen zu lassen, sind jedoch sehr eng definiert. Asset Manager, die keine Bankgeschäfte machen, jedoch eine Aufsicht wollen und zum Beispiel für das internationale institutionelle Geschäft brauchen, sollen sich in Zukunft auch der EBK unterstellen können. Dies würde das weitere Wachstum fördern.

Eine starke, kompetente und international anerkannte Finanzmarktaufsicht (Finma). Eine wirksame Regulierung erfordert viel Fachwissen über das Funktionieren der diversen Finanzgeschäfte. Erfahrene Fachleute aus der Finanzbranche sind dazu notwendig. Entsprechend sind die Anstellungsbedingungen, Entschädigungen und die Arbeitsorte dort anzusiedeln, wo der Markt für diese Spezialisten vorhanden ist.

Rechtssicherheit für die neuen Anlageformen des KAG. Im KAG wurden neue Rechtsformen für Risikokapital geschaffen. Grossen Nachholbedarf gibt es bei Managern von Single-Hedge-Fonds und bei Firmen, die im Bereich Private Equity tätig sind, also Risikokapital zur Verfügung stellen. Vom Risikokapital würden übrigens auch junge Industrie- und Technologieunternehmen profitieren. Heute müssen diese Manager, sofern sie in der Schweiz operieren wollen – und dafür gibt es auch gute Gründe – aufwendige und umständliche Offshore-Konstruktionen aufsetzen, und mit teilweise hohen Steuerrisiken operieren. Das Parlament hat ein neues Gesetz in Kraft gesetzt, damit diese Geschäfte auch in der Schweiz unter Aufsicht florieren können – es braucht dazu nur noch den Willen der Steuerverwaltung, diese Voraussetzungen auch auf der steuerlichen Seite zu schaffen.

Die Förderung der Fondsgeschäfte in der Schweiz ist ein Teil des Masterplans Finanzplatz Schweiz und soll der Schweiz Arbeitsplätze und Steuereinnahmen bringen durch eine robuste, diversifizierte und wachsende Finanzbranche.