Das Jahr 2014 steht für die Autobauer bisher im Zeichen von rekordvielen Rückrufen: Toyota, GM, BMW, Ford - viele Hersteller ordern Hunderttausende, gar Millionen von Fahrzeugen zurück in die Garagen. Der deutsche Produzent VW dagegen hat Grund zur ungetrübten Freude: Die Absatzzahlen waren nie besser. 2013 verkauften die Wolfsburger 9,5 Millionen Fahrzeuge – die selbst gesetze Rekordmarke von 10 Millionen verkauften Fahrzeugen pro Jahr rückt greifbar nahe.

Die Rangliste der Erfolgreichen scheint also klar. Doch weit gefehlt: Wenn es nicht nach Verkaufszahlen, sondern nach Gewinn pro Fahrzeug geht, haben gerade von Rückrufen geplagten Konzerne die Nase vorn. Allen voran Toyota: Im Durchschnitt 1558 Euro – also rund 1895 Franken – verdienten die Japaner 2013 pro Fahrzeug. Das zeigt eine Studie von Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer vom CAR Institute der Universität Duisburg.  Toyota machte damit im Vergleich zu VW pro Fahrzeug ein Mehrfaches an Gewinn. Bei Volkswagen bleiben pro Wagen nur gerade 616 Euro liegen. Geholfen hat Toyota dabei allerdings die Abwertung des Yen, der Hersteller konnte seine Fahrzeuge auch wesentlich günstiger anbieten als im Vorjahr.

Das Bedürfnis, reinen Tisch zu machen

«Rückrufe haben der Branche noch nie nachhaltig geschadet», sagt Autoexperte Dudenhöffer gegenüber Handelszeitung.ch. Er erwartet darum 2014 nach wie vor ein gutes Autojahr – auch für die betroffenen Produzenten. «Die Hersteller haben eben gemerkt, welches Risiko sie damit eingehen, wenn sie Probleme verschleiern», so Dudenhöffer. 

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So musste sich die neue GM-Chefin Mary Barra vor dem US-Kongress verantworten. Die Zündschloss-Probleme bei dem US-Autobauer hatten 13 Todesfälle zur Folge gehabt. Es sei ein Bedürfnis da, reinen Tisch zu machen, so Dudenhöffer. Auch wenn er für GM und auch für Toyota nach den Offenlegungen ein gewisses Risiko sieht, erwartet er keine dauerhaften Einbussen durch die Rückrufe.

Die Überraschung aus den USA

Eine Überraschung war für den Autoexperten vor allem Chrysler. Der kriselnde US-Autobauer schafft es beim Gewinn pro Fahrzeug auf Rang 2. Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne habe ein Ergebnis geschafft, mit dem vor drei Jahren nicht zu rechnen gewesen sei, so die Studie. Geholfen hat Chrysler dabei der gute US-Markt. «Marchionne verlässt sich häufig auf ein günstiges Marktumfeld», sagt Dudenhöffer. «Er spielt dabei auf Risko – bisher hat er immer Glück gehabt.»

Allerdings ist bei dem Doppelkonzern nicht alles im Reinen: Chrysler muss den Schwesternkonzern Fiat stützen. Der italienische Hersteller ist stark auf den europäischen Automarkt konzentriert, auf dem die Nachfrage schwächelt. Fiat hat bereits 2012 rund 77 Euro (93 Franken) Verlust pro verkauften Wagen gemacht. 2013 haben die Italiener dieser Verluste ausgebaut: Mittlerweile verliert Fiat 224 Euro (272 Franken) pro verkauftem Wagen.

Ein Porsche bringt 15 Mal mehr als ein Toyota

Wenn allerdings Fiat am unteren Ende der Skala kämpft, trumpfen die Premium-Autobauer erst richtig auf. Ein verkaufter Porsche brachte 2013 rund 23'967 Euro Gewinn – und damit 15 Mal so viel wie jeder Toyota. Insgesamt haben die Autobauern 2013 besser abgeschnitten als im Vorjahr, so das CAR-Fazit. Und für dieses Jahr sei Gutes zu erwarten: Die Verkäufe auf dem Automarkt dürften weltweit weiter steigen – und damit auch die Gewinne. Denn das VW-Phänomen – bei mehr verkauften Autos ein kleineres Plus zu erwirtschaften – das bliebe dann doch allein den Wolfsburgern vorbehalten.
 

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