Täglich sehen sich die Unternehmer mit der Globalisierung und der damit verbundenen weltweiten Verschiebung von Absatz- und Beschaffungsmärkten konfrontiert und müssen ihr Geschäftsmodell entsprechend adaptieren. In diesem Kontext stellt sich die Frage, wie sich die Internationalisierung im Markt für Unternehmenstransaktionen bemerkbar macht und welches die Chancen und Risiken für Schweizer Unternehmen sind.

Aus der Analyse der Zahlen aus Transaktionsdatenbanken geht hervor, dass sich bei einem Verkauf von Schweizer Gesellschaften ausländische und schweizerische Käufer in den vergangenen zehn Jahren mehr oder weniger die Waage gehalten haben, mit einem leichten Plus rein inländischer Lösungen. Dabei zeigt sich, dass der Anteil von sogenannten Cross-Border-Deals von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängig ist. Während die grenzüberschreitenden Verkäufe in den Jahren 2006 und 2007 Oberhand gewonnen hatten, fanden Schweizer Unternehmen seit 2008 wieder mehrheitlich Käufer im eigenen Land. Die Zahlen lassen gleichwohl den Schluss zu, dass der M&A-Markt auch für KMU immer internationaler wird.

Deutsche Käufer in der Überzahl

Deutschland führt die Liste der Investoren an, gefolgt von den USA. Während deutsche Käufer bei den KMU deutlich die Nase vorn haben, sind amerikanische Investoren bei grösseren Transaktionen mit den Deutschen auf Augenhöhe. Von den aufstrebenden Nationen tut sich vor allem Indien als Käufer von Schweizer Unternehmen hervor; gemessen an der Anzahl hat es sich in den letzten fünf Jahren in die Top 10 gekauft. Investoren aus China sind dagegen noch dünn gesät.

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Schweizer KMU können profitieren

Die Internationalisierung des M&A- Marktes ist von Branche zu Branche unterschiedlich. In der Finanzindustrie, globalisiert wie kaum eine andere Branche, gingen nur rund 30 Prozent der seit 2001 veräusserten Unternehmen ins Ausland. Ganz anders in den Bereichen Hightech, Pharma und Chemie, wo der Anteil ausländischer Käufer höher als 50 Prozent ist. Dies mag einerseits an der Regulierung des Finanzmarktes liegen, welche eine gewisse Eintrittsbarriere darstellt. Andererseits sind Schweizer Unternehmen aus der Industrie bekannt für ihre Innovationskraft und Technologieführerschaft, was Käufer anlockt: KMU finden insbesondere dann ausländische Interessenten, wenn sie in einer von der Technologie getriebenen Branche tätig sind und über führendes Ingenieurwissen verfügen, wie dies zum Beispiel in der Maschinen- oder Präzisionstechnikindustrie der Fall ist. Der grosse Vorteil der Internationalisierung des M&A-Marktes ist offenkundig: Die Liste potenzieller Käufer wird grösser, und der intensivere Wettbewerb führt im Allgemeinen zu höheren Verkaufspreisen. Allenfalls sind ausländische Käufer auch bereit, für den Markteintritt eine entsprechend höhere strategische Prämie zu zahlen.

Aber auch bei stark lokal verankerten Zielobjekten kann eine Partnersuche im Ausland von Vorteil sein, so aus Gründen der Vertraulichkeit. Gerüchte über einen möglichen Verkauf können die Wettbewerbsposition in gewissen Branchen schnell verschlechtern. Ausserdem ist manch ein Unternehmen nicht bereit, sich von der direkten Konkurrenz in die Bücher schauen zu lassen. Schliesslich besteht bei einem ausländischen Investor eher die Möglichkeit, dass das Unternehmen möglichst eigenständig weitergeführt wird - ein Nebenziel vieler Patrons bei Nachfolgesituationen.

Cross-Border-Transaktionen sind aber auch mit Tücken und Herausforderungen verbunden. Insbesondere für KMU stellt der kulturelle Aspekt meistens die grösste Hürde dar. Mit der Globalisierung der Märkte dürften die Hemmschwellen diesbezüglich jedoch weiter abnehmen. Eine zweite Herausforderung ist prozessualer Natur: Ausgehend von grösseren Distanzen kann der Aufwand beträchtlich steigen. Schliesslich können aus rechtlichen und regulatorischen Aspekten Hindernisse erwachsen. Insbesondere das angelsächsische Rechtsverständnis, welches auch bei hiesigen Transaktionen immer öfter Anwendung findet, kann zuweilen zum Stolperstein werden.

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Standort-Attraktivität als M&A-Treiber

Der Anteil internationaler Käufer von Schweizer Unternehmen dürfte auch in der Zukunft tendenziell zunehmen. Dafür spricht auch die stetig steigende Attraktivität der Schweiz, sowohl als Firmensitz international tätiger Gruppen als auch als Wohnsitz erfolgreicher Unternehmer. So ist derzeit im Markt zu beobachten, dass Schweizer Gesellschaften als Zielobjekte nicht nur aus geschäftsstrategischer Sicht interessant sind, sondern auch aus Gründen steuerlicher Optimierung oder der Zentralisierung von Aktivitäten in einem rechtssicheren Raum.

Die zugenommene Internationalisierung macht sich auch in der gestiegenen Anzahl von internationalen Netzwerken und Allianzen von spezialisierten M&A-Beratungsunternehmen bemerkbar. Partnerschaften wie Corporate Finance International (CFI) sorgen für eine Verbindung von lokalen Marktkenntnissen, fundiertem Branchenwissen und internationaler Reichweite und funktionieren äusserst effizient und effektiv.

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Beim Verkauf eines Unternehmens, beispielsweise als Nachfolgelösung, lohnt sich meist auch eine Prüfung der Optionen ausserhalb der Landesgrenzen. Der internationale M&A-Markt bietet insbesondere auch für Schweizer KMU Chancen. Die Involvierung erfahrener M&A- Spezialisten, welche sowohl über ein internationales Netzwerk als auch über ein vertieftes Branchenverständnis verfügen, kann dabei die Erfolgswahrscheinlichkeit eines Projektes erhöhen und die Risiken senken.