Schon einmal ist eine Concord-Geschichte zu Ende gegangen – jene des einst schnellsten Passagierflugzeugs der Welt, das nach 27 Jahren 2003 im Londoner Flughafen endgültig ausrollte und die Zeit des Überschall-Verkehrsfliegerei beendete. Im Gegensatz dazu wird die 100-jährige Geschichte des Bieler Uhrenherstellers Concord fortgeschrieben.

Die Concord Watch Company wurde 1908 speziell für den Exportmarkt von Swiss-made-Uhren, vornehmlich in die USA, gegründet. Ab 1915 gingen die ersten luxuriösen Armbanduhren über den grossen Teich.

Bei uns lange schlecht verankert

1970 erwarb Gedalio Grinberg die damals potente Marke und integrierte sie in sein Handelsunternehmen North American Watch Corporation mit Sitz in New York. Das erklärt, weshalb die Marke Concord und ihre in Biel gefertigten Uhren weder im Heimmarkt noch in Europa jemals gut verankert waren. Doch die Familie Grinberg legt mit Concord den Grundstein zur erfolgreichen Movado Group, wozu neben Movado heute auch Ebel und eine ganze Anzahl in Lizenz hergestellter Uhren für erfolgreiche Modelabels wie Hugo Boss, Lacoste oder Tommy Hilfiger gehören.

Aus Dornröschenschlaf geholt

Das in den letzten Jahren des vergangenen Jahrhunderts vernachlässigte Unternehmen Concord kehrte nach dem Willen der Familie Grinberg 2006 an seine Geburtsstätte nach Biel zurück, wo der Geschäftssitz mit Produktentwicklung, Logistik und Distribution neu strukturiert wurde und die Marke Concord im zehnköpfigen Team um den neuen CEO Vincent Perriard neu erfunden wird. Auf die Frage, wie er zu diesem Job gekommen ist, erzählt Perriard schmunzelnd: «Stellen Sie sich vor, Sie werden in New York zu einem Gespräch eingeladen, wo Ihnen das Angebot gemacht wird, eine bald 100-jährige Uhrenmarke aus dem Dornröschenschlaf zu wecken und von Grund auf zu erneuern. Dies mit der einzigen Vorgabe, aus Concord wieder eine Luxusuhrenmarke zu machen, die man mit Freude und Stolz trägt. Keine Budgetvorgaben, keine Umsatzziele, kein detaillierter Businessplan …»

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Das musste der damals 36-Jährige erst einmal überdenken. Seit sechs Jahren pendelte der gebürtige Neuenburger als Gründer und Mitinhaber der Brand SA in Paris mit Filialen in Genf und New York um die halbe Welt. Die Branding-Agentur ist spezialisiert auf die strategische Entwicklung internationaler Luxusmarken. Zu ihren Kunden zählen internationale Gruppen wie Escada, Swatch oder Zegna. Im Uhrenbusiness machte der kommunikative Marketingfachmann seine Erfahrungen bei Audemars Piguet von 1995 bis 1999 und anschliessend zwei Jahre bei Hamilton in der Swatch Group.

Gelungener Neustart in Biel

Im Sommer 2006 zog Perriard mit seiner Familie von Paris nach Neuenburg, um die Concord-Herausforderung in Biel anzunehmen. Seine Zukunftsvision für ein Nischenprodukt im oberen Luxusbereich skizzierte er mit einigen Rohentwürfen und einem Strategieplan, der auf Qualität und Technik und nicht auf Quantität baut. Ziel ist eine männlich-sportliche Monomarke der Haute Gamme im Hauptpreissegment zwischen 10000 und 30000 Fr., die aber auch der Frau nicht vorenthalten ist. Die DNA soll eine Verbindung von unerwartet aufregender Kühnheit mit dem Know-how moderner Uhrmachertechnik umfassen.

Um einen echten Neustart zu ermöglichen, musste zuerst rücksichtslos Ordnung geschaffen werden. Konkret bedeutete dies, sämtliche Uhrenvorräte auf der ganzen Welt bei den Händlern zurückzukaufen und via Internet und andere Quellen verbilligt abzusetzen, Verträge zu kündigen und neue abzuschliessen, denn ein neues Produkt verlangt auch neue Zulieferer.

Das Know-how der Assemblage und Kontrollen sowie den Service-après-vente ist in der MGI Luxury Group in La Chaux-de-Fonds vorhanden; für die Umsetzung der Produktidee wurde mit freien Designern zusammengearbeitet. Und fürs mechanische Uhrwerk verlässt man sich vorerst auf zuverlässige «Motoren» wie etwa auf das Valgranges.

Die Besitzerfamilie Grinberg gibt im Juli 2006 grünes Licht; es bleiben gerade acht Monate bis zur «BaselWorld 2007», wo die erste Kollektion vorgestellt werden soll. Jetzt wagt das Entwicklungsteam doch noch kurz einen Blick zurück in Concords Geschichte. Dabei stellt sich heraus, dass die 1986 lancierte Sportuhr Saratoga die meistverkaufte Kollektion von Concord war. Das ist jenes Modell mit den acht markanten Stegen über der etwas verbreiterten Lünette. Diese Stege sind denn auch noch das Einzige, was ganz entfernt in der neu konstruierten C1 an eine Saratoga erinnern könnte.

Markantes fürs schmale Gelenk

Allerdings präsentiert sich der COSC-zertifizierte Chronograph C1 Big Date mit einem völlig neuen Gesicht in einer Gehäusegrösse von 44 mm. Die grosszügige Datumsscheibe bei 9 Uhr zeigt zusätzlich zum aktuellen das gestrige und das morgige Datum; Sekunden-, Minuten- und Stundenanzeige der Chronographenfunktionen präsentieren sich unterschiedlich und sind so optisch rasch erkennbar. Die grossen, asymmetrisch skelettierten Zeiger passen zum sportlichen Look, welcher durch die acht Stege aus schwarzem Kautschuk noch unterstützt wird.

Noch ausgeprägter als Hublot verzichtet Concord komplett auf Bandanstösse und schraubt Kautschuk- oder Edelstahlbänder senkrecht direkt in das Gehäuse ein. Das hat zur Folge, dass die grossen markanten Modelle selbst an schmalen Handgelenken komfortabel tragbar sind. Dass die neuen Macher bei Concord mit ihrer ersten C1 richtig liegen, zeigte sich gleich auf der Messe, wo eine erste Serie von 1000 Uhren in den ersten Tagen vorverkauft war. Mehr Werke konnte Concord im vergangen Jahr gar nicht bekommen.

Eher Liefer- denn Absatzproblem

Inzwischen sind 19 Monate seit dem Neustart vergangen – und die nächste «BaselWorld» steht vor der Tür. «Wir sind immer noch in der Start-up-Phase», sagt Philippe Dubois, der als Vizepräsident seit 14 Jahren für Concord die internationalen Märkte betreut und 2006 ebenfalls nach Biel zurückgekehrt ist, um im neuen Team den Heimmarkt und europäische Absatzgebiete zu erschliessen. Bis Datum gibt es wieder 50 Verkaufspunkte, allerdings hat Concord eher ein Liefer- denn ein Absatzproblem.

Gemäss Perriard soll ihre Nischenproduktion nicht über 4000 bis 5000 Uhren im Jahr wachsen. «Lieber eine kleinere Nische mit höheren Stückpreisen besetzen», ist seine Devise. Mit der Präsentation der C1 Tourbillon Gravity auf der «BaselWorld» gibt es so gesehen doch noch ein Fest zum 100. Geburtstag.