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Verkehr
Rundumschlag: SBB streichen 1400 Jobs bis 2020

Railfit heisst die Rosskur, die Andreas Meyer der SBB verordnet hat. Das Sparprogramm sieht einen Stellenabbau im grossen Stil vor.

Veröffentlicht am 22.09.2016

Schock für die Bähnler: Bis 2020 will die SBB ihre Kosten um 1,2 Milliarden Franken senken – nicht zuletzt, um die Preise im Personenverkehr stabil zu halten. Diesem Sparprogramm fallen in den nächsten Jahren insgesamt 1400 Stellen zum Opfer, wie die SBB in einem Communiqué vom Donnerstag schreiben. Im November des letzten Jahres hiess es noch, dass die SBB einen Abbau von 900 Stellen bis 2020 planen würden.

Es ist der grösste Einschnitt in der jüngeren Geschichte der Staatsbahnen. Der letzte grosse Abbau fand Mitte der 1990er-Jahre statt. Die Belegschaft wurde damals von 40'000 auf 30'000 reduziert. Derzeit liegt die Zahl der Angestellten bei 33'000.

Weniger Verkaufspersonal

Die Stellen werden vornehmlich in den Bereichen Administration und Verwaltung abgebaut. Aber auch im Betrieb – zum Beispiel bei Verkehrssteuerung, Verkauf oder Rangierberufen. «Der geplante Stellenabbau wird wenn immer möglich über natürliche Fluktuationen und Pensionierungen erfolgen» schreiben die Bundesbahnen. Weil die SBB jedoch im gleichen Zeitraum mit einer Zunahme des Verkehrs rechnen, sollen gleichzeitig 200 Stellen geschaffen werden, vorab beim Zugs- und Reinigungspersonal.

Unterm Strich will der Bundesbetrieb beim Personal 470 Millionen Franken einsparen. Um weitere 30 Millionen sollen die Lohnzusatzkosten gesenkt werden. Im Klartext heisst das: Anpassungen bei den Sozialleistungen. Die SBB verweisen darauf, dass sie bisher die Risikobeiträge der Pensionskasse alleine trage. Ab Januar 2017 sollen diese Beträge zwischen Arbeitgeber und Mitarbeitenden aufgeteilt werden. Deshalb werden allen Mitarbeitenden 0,8 Prozent Lohn abgezogen.

Sparen beim Einkauf

Den Rest – 700 Millionen Franken – will die SBB einsparen, indem die weniger für Unterhalt, Material, IT oder Einkauf ausgeben. Die Massnahmen stehen im Zusammenhang mit dem bereits im November 2015 kommunizierten Programm «RailFit20/30». Dieses betrachten die SBB als «zentrales Programm zur Umsetzung der SBB Strategie 2020».

Obwohl die SBB darauf verweisen, dass sie «dank gesteigerter Wettbewerbsfähigkeit eine sichere Arbeitgeberin» bleibe, bedeutet das in die Zukunft gerichtete Programm, dass die Interessen der Mitarbeitenden gegen jene der Bahnbenutzerinnen und -benutzer abgewogen werden. Die Gewerkschaft Transfair schreibt, SBB-Chef Andreas Meyer habe «Die Büchse der Pandora» geöffnet. Der SBB-Sozialpartner befürchtet, dass mit dem Sparprogramm «personelle Engpässe, Wissensverluste und Arbeitsverdichtungen entstehen könnten, die der SBB schaden». «Nicht durchdacht», sei die Aktion, und «mit unbekanntem Ausgang».

(sda/ise)

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