Die Privatisierung der österreichischen Austrian Airlines geht in die heisse Phase. Neben Lufthansa und Air France-KLM buhlt die kleine russische Fluglinie S7 um jeden Preis mit. S7-Chef Vladislav Filev und seine Gattin Olga, Letztere besitzt 65% der S7, sind optimistisch. «Die AUA und S7 ergänzen sich optimal, wir könnten innerhalb von fünf Jahren zusätzlich 3 Mio Passagiere am Flughafen Wien generieren», so das Ehepaar anlässlich einer in Wien einberufenen Medienkonferenz. Noch dazu hat Filev eine Rechnung mit Lufthansa offen. «Eine 2005 vereinbarte Kooperation hat nicht funktioniert, da wir uns auf keine vernünftigen kommerziellen Bedingungen einigen konnten. Unserer Ansicht nach benimmt sich Lufthansa nicht wie ein Partner», so seine Kritik und nennt die Übernahme der Swiss durch Lufthansa als Negativbeispiel. Bei den Schweizern sei durch die Fusion eine Drittelung der Flotte vollzogen worden, weil die Deutschen ihren eigenen Verkehr sichern wollten.

Für S7, die am schnellsten wachsende Airline Russlands, dürfte der AUA-Kaufpreis, über den Filev nicht sprechen wollte, wohl keine Hürde sein: Die Fluglinie ist von der Bank des russischen Gazprom-Konzerns finanziert.

Wie beurteilt AUA die Bieter? Gegenüber der «Handelszeitung» erläutert AUA-Chef Alfred Ötsch, dass unter den Bietern auch sein «Favorit» sei, konkreter wird er nicht. Bis Ende Oktober 2008 wisse man, «wer der Partner ist».

AUA favorisiert nicht Lufthansa

AUA-intern heisst es, Ötsch favorisiere Air France-KLM. Daher dürften Ötsch die Worte von Air-France-Deputy-CEO Henri Gourgeon gefallen haben, als dieser bei einer Terminal-Eröffnung in Paris meinte, dass zwar eine Übernahme der AUA durch Lufthansa sprachlich und kulturell logisch sei. «Aber ich bin nicht sicher, ob das die beste Option für Österreich ist», so Gourgeon. Würde sich die AUA für Air France entscheiden, muss aber ein 127 Mio Euro teurer Allianzwechsel von der Star Alliance zu SkyTeam finanziert werden.

Anzeige

Kein grosses Engagement beim Poker um die AUA zeigte British Airways, welche dem Vernehmen nach nicht mehr auf der Bieterliste aufscheint. Auch Air China hat sich bereits in der Vorrunde wieder zurückgezogen.

Hingegen hätte Turkish Airlines die AUA kaufen wollen, jedoch zu spät ihr Angebot abgegeben. Turkish-CEO Temel Kotil betont gegenüber der «Handelszeitung», dass sein Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren gelernt habe, Kosten zu senken. «Für das weitere Wachstum müssen wir Fluglinien zukaufen. Dank unserer Erfahrung wissen wir, wie man eine Fluglinie wie die AUA saniert und deren Produkt verbessert», so Kotil, der sich aber nun nach anderen Kaufgelegenheiten umsieht.

Nachdem vergangenen Freitag die verbindlichen Angebote für die mit 900 Mio Euro verschuldete Austrian Airlines abgegeben wurden, soll bereits diese Woche festgelegt werden, wer es in die nächste Runde, also auf die Short-List, schafft. Wer zugelassen wird, hat Einblick in die Bücher der AUA. Danach werden verbindliche Angebote abgegeben und Preisvorstellungen präzisiert. Die staatliche Beteiligungsholding ÖIAG, die 42,75% an AUA hält, will die Lufthansa.

Doch die Deutschen werden Prioritäten setzen müssen. Lufthansa hat diese Woche den Kauf der Brussels Airlines bekannt gegeben, wo sie in einem ersten Schritt im Rahmen einer Kapitalerhöhung 45% zu einem Preis von 65 Mio Euro erwirbt. Die Option zur Komplettübernahme läuft ab 2011. Das gemeinsam erarbeitete Integrationsmodell orientiert sich an jenem von Lufthansa und Swiss.

Lufthansa führt überdies Gespräche mit der multinationalen SAS, zudem gilt der Kauf der British Midland als fixiert. Lufthansa wird auch als eine der wenigen Käufer für Alitalia und der polnischen LOT gehandelt.