In Wien staunt man nicht schlecht: Die österreichische Beteiligungsfirma Victory soll an der Oerlikon-Kapitalerhöhung teilgenommen haben, meldeten Zeitungen. Dafür hätte Victory 100 bis 120 Mio Fr. aufbringen müssen. «Wie hat die das auf die Schnelle nur gemacht?», rätselte ein bekannter Wiener Geschäftsmann. Am Montag dann meldete Renova, die Beteiligungsfirma des Unternehmers Viktor Vekselberg, sie halte neu 46,11% an Oerlikon - auch dank zusätzlicher Aktien, die sie von Victory erworben habe. Nahm Victory also zuerst mit ihrer auf 12 bis 13% geschätzten Oerlikon-Beteiligung an der Kapitalerhöhung teil - und veräusserte anschliessend ein Aktienpaket an Vekselberg? Nein.

Victory hat mit Vekselberg einen Deal gemacht. Die Österreicher verkauften 8 bis 9% ihrer Beteiligung an die Russen - aber schon vor Wochen, schon vor der Kapitalerhöhung. Das haben Recherchen der «Handelszeitung» ergeben. Weil Victory und Vekselberg eine Aktionärsgruppe bilden, musste die Transaktion der Börse nicht gemeldet werden. Der Verkauf brachte Victory zwischen 5 und 10 Mio Fr. ein. Mit diesen Mitteln nahm Victory dann an der Kapitalerhöhung teil, die vom 25. Mai bis zum 2. Juni dauerte, und sicherte sich so eine Beteiligung von schätzungsweise 3 bis 4%.

Einen Grund für den Deal orten Beobachter bei Renova: Die Russen waren unsicher, wie sich die Beteiligungsverhältnisse in den insgesamt drei Kapitalerhöhungsrunden verschieben würden. Um auf Nummer sicher zu gehen, kauften sie weitere Aktien dazu. Darüber hinaus erwarb Renova Schulden der Oerlikon im Umfang von rund 50 Mio Fr., die nachher in Aktien gewandelt wurden.

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Wie die neuen Besitzverhältnisse bei Oerlikon genau aussehen, werden die Beteiligungsmeldungen zeigen, welche für die nächsten Tage erwartet werden.